Neuer Roman von Salman Rushdie : Nero und seine Söhne in New York

Salman Rushdie 2012 in Berlin.
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Salman Rushdie 2012 in Berlin.

Neuer Roman „Golden House“ von Salman Rushdie überrascht mit bizarrer Familiengeschichte. Aktuelle Anspielungen unterhalten

svz.de von
18. September 2017, 12:00 Uhr

Der neue Roman von Salman Rushdie spielt mitten in New York. Hier hat ein reicher alter Mann aus Indien mit seinen drei erwachsenen Söhnen ein imposantes Anwesen erworben.

Ihm gegenüber auf der anderen Straßenseite lebt René Unterlinden bei seinen „Professoreneltern“. Nero Golden heißt der umtriebige Geschäftsmann, sein Name wird zum Synonym für seine Skrupellosigkeit, seine Gier, seine Selbstverliebtheit.

Zwischen der Amtseinführung von Barack Obama und der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten findet Rushdie viele Bezüge zur politischen Gegenwart, er nimmt die amerikanische Gesellschaft zur Folie, um einen irritierenden Zeitgeist zu zeichnen.

René Unterlinden, der Filmemacher werden möchte, verliert bei einem Autounfall seine Eltern. Nero Golden bietet ihm an, bei ihm zu wohnen. Für den jungen Mann ein Glücksfall, denn nun kann er die seltsame Familie besser beobachten. Der älteste Sohn, ein begnadeter Computer-Experte, hat sich in der Villa verschanzt, er kämpft mit psychischen Problemen. Der zweite Sohn Apu verfolgt seine Künstler-Karriere, er hat Erfolg bei den Damen der Gesellschaft.

Der jüngste, kurz D genannt, hat Probleme mit seiner sexuellen Identität. Seine Freundin bestätigt ihn darin, seine weibliche Seite zu erforschen. Von einer Geschlechtsumwandlung rät sie ihm aber zunächst ab.

Zur Familie gehört auch noch Vasilisa, eine schöne russische Frau, der es gelungen ist, Nero zu einer Heirat zu überreden. Um ihre Position zu festigen, will sie ihm ein Kind schenken. Doch leider ist der alte Mann inzwischen unfruchtbar. Hier kommt nun René ins Spiel.

„Golden House“ ist vollgestopft mit absurden Geschichten, der Autor krönt sie mit dem „Joker“, einem Mann mit grünen Haaren, der Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Salman Rushdie, 1947 in Bombay geboren, besuchte ein Elite-Internat, danach studierte er Geschichte in Cambridge. Als Werbetexter in London finanzierte er sich den Traum, Romane zu schreiben. Der Durchbruch kam 1981 mit „Mitternachtskinder“.

1988 erschienen die „Satanischen Verse“. Der iranische Revolutionsführer Khomeini bezeichnete sie als Gotteslästerung und verhängt die Fatwa, das Todesurteil, über den Schriftsteller. 13 Jahre lang lebte er unter Polizeischutz. Heute ist er in New York zu Hause. Das Kopfgeld wurde auf vier Millionen Dollar erhöht.

Rushdie hat den Roman in für ihn kurzer Zeit geschrieben. Nur zwei Jahre hat er dafür gebraucht, wie er in einem Interview mit dem Magazin „Der Spiegel“ erzählte. Es ist ein großer Gesellschaftsroman, der präzise, witzig und burlesk eine Familiengeschichte erzählt und dabei die aktuelle Lage „im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ beleuchtet.

Der Autor spielt mit Geheimnissen, die jedermann kennt. Mit sichtbarem Vergnügen treibt er die Handlung voran, er erlaubt sich das Abbiegen in Nebengeschichten, er philosophiert und schwadroniert, folgt absurden Assoziationen.

Fast scheint es, als könne er das Assoziationsgewitter in seinem Kopf nicht in Schach halten. Griechische Mythen rasen durch das „Golden House“, Terroranschläge und Amokläufe – und natürlich Filmtitel, Filmzitate.

„Golden House“ ist ein reiches, ein amüsantes Buch, ein echtes Lesevergnügen.

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Salman Rushdie: Golden House. C. Bertelsmann . 512 S., 25 Euro
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