Konzert in Rostock : Mythos Helene

Helene Fischer bei einem Konzert.
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Helene Fischer bei einem Konzert.

Vom Hype um den deutschen Schlager und seiner Königin

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02. Juni 2015, 21:00 Uhr

Der deutsche Schlager spaltet die Nation. In der Rolle der Oberspalterin stürmt Helene Fischer, die superblonde, superschlanke, nur 1,58 große Königin des deutschen Schlagers Bühnen und Hitparaden. Füllt wie am Dienstag in Rostock ganze Stadien und sammelt Musikpreise gleich dutzendfach. Helene Superstar. Auf der einen Seite Hunderttausende fast jeden Alters in Fanliebe entflammt. Andere schütteln nur fassungslos und genervt den Kopf über diesen omnimedialen Helene-Hype. Der Autor dieser Zeilen muss gestehen, einer dieser beiden Fraktionen anzugehören.

Doch ganz gleich, ob man sich, wie die deutsche Fußballnationalmannschaft oder die Fans der aktuellen „Farbenspiel“-Stadiontournee mit Helene atemlos durch die Nacht treiben lässt oder nicht, das Phänomen deutscher Schlager wird gegenwärtig mit einer Vielzahl von Mythen und Halbwahrheiten aufgeladen.

Mythos 1: Der Schlager war noch nie so erfolgreich. Falsch! Seit der Begriff vor 100 Jahren zum ersten Mal erfunden wurde, und zwar für die Strauss-Walzer, hat es ihn in verschiedenen Formen immer gegeben. Dafür stehen u.a. Namen wie „Comedian Harmonists“, Heinz Rühmann oder Zarah Leander. Später dann Peter Kraus, Roy Black, Heino, Frank Schöbel, Udo Jürgens, Jürgen Drews, Marianne Rosenberg, Ute Freudenberg, Guildo Horn, Dieter Thomas Kuhn oder heute Andrea Berg und Helene Fischer.

Mythos 2: Schlager ist allgemein beliebt, werde aber im Rundfunk zu selten gespielt. Falsch! Auch wenn sogar eine Bürgerinitiative von ARD und NDR eine Quote für deutsche Musik gefordert hat, befürchtet z.B. NDR-Funkhauschefin Elke Haferburg, dass junge Hörer bei deutschen Schlagern abschalten könnten. Außerdem laufe deutschsprachige Musik durchaus im Landesprogramm – etwa von Klaus Lage, Karat, Udo Lindenberg, den Puhdys oder Adel Tawil.

Auch die ARD ist gegen einen „Helene-Fischer-Paragrafen“. Es herrsche kein Handlungsbedarf. Medienforscher ermitteln für die Sender durch Befragungen der Hörer deren musikalische Vorlieben. Durchschnittlich 40 Millionen Zuhörer seien ein Hinweis darauf, dass diese Vorgehensweise richtig sei. Zudem kann knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland (45 Prozent) mit der Musik von Andrea Berg oder Roland Kaiser nichts anfangen, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab.

Mythos 3: Der sagenhafte Erfolg der Helene Fischer ist schwer zu erklären. Falsch! Abgesehen davon, dass der Schlagerforscher Ingo Grabowsky ihr zumindest früheres Auftreten als „unschuldiger Engel“ im langen Kleid als eines ihrer Geheimnisse ausgemacht haben will, kann die 30-Jährige wirklich etwas: Sie hatte eine solide Musical-Ausbildung und ist nicht nur Sängerin, sondern auch Tänzerin, Akrobatin, Schauspielerin und Moderatorin. Auch ihre Auftritte sind inzwischen schon hypermodern choreografierte Popkonzerte. Abgesehen davon ist Helene eine wunderschöne Frau. 

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