zur Navigation springen

Junge Palästinenserin : Mit zwölf im Gefängnis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Junge Palästinenserin wird zur Symbolfigur. Über 400 Minderjährige in israelischen Gefängnissen

Dima al-Wawi ist erst zwölf und hat schon 75 Tage im Gefängnis gesessen. Das macht das schüchterne Mädchen zur jüngsten Palästinenserin, die je von Israel inhaftiert wurde. Im Gegenzug für seine spätere Freilassung gestand es, eine Messerattacke auf Israelis geplant zu haben. Sie war am Eingang einer Siedlung gefasst worden, die neben ihrem Heimatort Chalchul liegt – nach Angaben von Einwohnern hatte sie eine Stichwaffe versteckt.

Inzwischen bestreitet das Mädchen mit den langen braunen Haaren, einen Anschlag auf Siedler vorgehabt zu haben. „Ich kann niemanden erstechen – ich habe zu viel Angst“, sagt sie bei einer Veranstaltung der Palästinensischen Gesellschaft für medizinische Hilfe in Ramallah. Ihre Mutter erzählt, ihre Tochter schlafe seit der Inhaftierung schlecht. In der Schule könne sich Dima nicht gut konzentrieren.

Seit ihrer Freilassung Ende April ist das Mädchen in den Palästinensergebieten zu einer Symbolfigur geworden. Vor Beginn der jüngsten Welle palästinensischer Anschläge im Oktober saßen weniger als 200 minderjährige Palästinenser in israelischen Gefängnissen - inzwischen sind es nach Informationen der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem mehr als 400.

Schon wenige Tage Haft könnten bei Minderjährigen sehr ernste Langzeitfolgen haben, sagt Mustafa Barguti, ein palästinensischer Politiker und Menschenrechtler.

Menschenrechtler werfen Israel vor, es verstoße gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Die israelischen Behörden verweisen jedoch auf die wachsende Zahl minderjähriger Palästinenser, die an Anschlägen auf Israelis beteiligt sind. Israel nennt eine Kultur der Verherrlichung von Gewalt als Grund dafür.

Ein 43-jähriger Einwohner der Siedlung Karmei Zur erinnert sich an den Tag der Festnahme des Mädchens. Er habe sie etwa zehn Meter vom Wächterhäuschen am Eingang der Siedlung gesehen, sagt Schimon Cohen. Er habe bemerkt, dass sie etwas unter ihrem Hemd festhielt. Als er sie fragte, was sie wollte, habe sie auf Arabisch gesagt: „Juden töten.“

Dima al-Wawi erzählt, sie sei danach allein in einem Militärfahrzeug weggebracht worden. Im Verhör habe ein israelischer Mann sie angeschrien, sagt das Mädchen. Dabei seien weder ein Anwalt noch ein Elternteil anwesend gewesen, sagt die Mutter.

Die Anwältin Nisrin Aljan vom israelischen Bürgerrechtsverband ist überzeugt, dass ein jüdisches Mädchen in Israel nicht unter diesen Bedingungen in Haft gehalten worden wäre. Für Minderjährige in Israel gelte eigentlich Zivilrecht, für minderjährige Palästinenser aber Militärgesetz, erklärt sie. „Das erste zielt auf eine Rehabilitation ab – das zweite auf Bestrafung und Abschreckung.“

Ofira Koopmans und Sara Lemel

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen