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Nico Brennecke : Meister der Gelassenheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nico Brennecke beherrscht das Langsampfeiferauchen wie kaum ein anderer

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Mit Meisterschaften assoziieren die meisten Schnelligkeit. Eigentlich. Nicht beim Langsampfeiferauchen. Nico Brennecke weiß, dort sind andere Qualitäten gefragt: Ruhe. Geduld. Selbstbeherrschung und nicht zuletzt ein langer Atem. Fähigkeiten, die der 34-jährige Wriezener bewiesen hat. Er ist Ostdeutscher Meister im Langsampfeiferauchen. Eine Stunde, 50 Minuten und zehn Sekunden. Das ist die Zeit, mit der der Mann aus dem Oderbruch den ersten Platz erreicht hat.

Auch beim Langsampfeiferauchen können Sekunden über den Ausgang eines Wettbewerbs entscheiden, sagt Nico Brennecke. „Mir kann die Pipe nur eine Sekunde nach einem anderen Teilnehmer ausgehen.“ In jeder Minute muss er die Glut seiner Pfeife im Auge behalten. Der Weltrekord im Langsampfeiferauchen liegt bei drei Stunden und 33 Minuten, erzählt Nico Brennecke. Wie das möglich ist, kann sich selbst der Ostdeutsche Meister kaum erklären. Aber es ist möglich. Jeder Langsampfeiferaucher entwickelt eine eigene Methode. „Manche zünden sich ihre Pfeife an und sagen stundenlang nicht einen Ton“, erklärt der 34-Jährige. Andere nehmen sich ein Buch zur Hand und lesen. Nico Brennecke hat ein besseres Gefühl, wenn er sich unterhält. Deshalb freue er sich auch, wenn die Mannschaft des Pipe-Clubs Wriezen zusammen antritt. Sein Vater, Eckhard Brennecke, pafft ebenfalls dort mit.

Bei den Ostdeutschen Meisterschaften im mecklenburgischen Sommerstorf belegten die Wriezener auch als Mannschaft Platz eins. Eckhard Brennecke paffte sich mit 57 Minuten auf den vierten Platz und Nils Nestler, langjähriger Konkurrent von Nico Brennecke, belegte mit einer Stunde und 36 Minuten Rang zwei.

Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, gelten für alle Teilnehmer die gleichen Ausgangsbedingungen. Die Regeln sind immer dieselben: Jeder Teilnehmer bekommt eine unbenutzte Pfeife, drei Gramm Tabak, zwei Streichhölzer und einen Stopfer. Den paffenden Pfeifenliebhabern bleiben dann exakt fünf Minuten, um ihre Pipen zu stopfen. Danach folgt eine weitere Minute, um den Tabak zu entzünden. Und dann wird geraucht, geraucht und geraucht. Bis die Pfeife schließlich erlischt. Sieger ist der oder die, dessen oder deren Pfeife am längsten glimmt. Geht eine Pfeife aus, macht der Betreffende lautstark auf seine Niederlage aufmerksam. Alle anderen spenden Beifall, indem sie mit ihren Stopfern auf die Tischplatte klopfen.

Nico Brennecke hat in den vier Jahren, die er bereits langsam Pfeife raucht, mehrere Techniken ausprobiert. Was jeder einzelne für sich austüftelt, ist streng geheim, sagt er. Für alle gelte am Anfang allerdings: „Es ist wichtig, wie die Pfeife gestopft wird.“ Sitzt der Tabak zu fest, falle das Ziehen schwer, erzählt der Wriezener. Er selbst zerbröselt seinen Tabak auf einem Blatt Papier und zerreibt ihn in größere und kleinere Teile, bevor die Uhren anfangen zu ticken.

Jeder Raucher entwickelt bestimmte Turniertechniken, sagt Nico Brennecke. Während der eine den Tabak rollt, zerreibt ihn der andere zwischen den Fingern. Die Italiener, so habe er beobachtet, tragen oft viele Ringe, mit denen sie ihren Tabak gut zerkleinert bekommen.

Regelmäßig treffen sich die Wriezener Pfeifenfreunde zum Training. In dem Club sind zehn Mitglieder aktiv, darunter auch eine Frau. Mit dem Rauchen von Zigaretten hat Nico Brennecke vor eineinhalb Jahren aufgehört. „Viele Langsampfeiferaucher sind Nichtraucher“, sagt er. Als Nichtraucher findet Nico Brennecke beim Langsampfeiferauchen genau das, was er als Raucher vermisst: Geselligkeit. In zwei Jahren werden die Wriezener die Deutschen Meisterschaften zu sich ins Oderbruch holen. Bis dahin will Nico Brennecke die Zwei-Stunden-Marke knacken.

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