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Rufus Beck wird 60 : „Meine Kinder waren meine ersten Zuhörer“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heute wird Rufus Beck 60 Jahre alt. Der Schauspieler und Hörbuchsprecher über seine liebsten Kinderbücher, den heiseren Dumbledore und Meditation.

svz.de von
erstellt am 23.Jul.2017 | 09:00 Uhr

Herr Beck, was war die schönste Rolle, die Sie je für Kinder gespielt haben?
Ich habe den Fußballtrainer Willi im Film „Die wilden Fußballkerle“ sehr gerne gespielt. Willi ist ein Althippie, ein Dinosaurier aus den 70ern. Für die Erwachsenen ist er ein Loser: Er steht außerhalb der Gesellschaft und hat’s zu nix gebracht, was die bürgerliche Gesellschaft für erstrebenswert hält: Wohlstand und Macht. Die Kinder sehen das anders. Willi ist Ratgeber, Freund, Helfer, Kamerad, Spaßmacher, der immer gut drauf ist, der sie respektiert und ihnen den Freiraum lässt Fehler und Erfahrungen machen zu dürfen. Er ist kein Klugscheißer und kann einfach gut zuhören. Deshalb ernennen die Kinder Willi zu ihrem Trainer.

Besonders erfolgreich sind Sie als Hörbuchsprecher. Was macht Ihnen an der Arbeit Spaß?
Der Unterschied zu all meinen anderen künstlerischen Aktivitäten wie Theaterspielen, Filme machen oder Regie führen ist, dass ich bis auf meinen Tontechniker ganz alleine im schalltoten Raum sitze und mir niemand sozusagen in meine Arbeit hineinspricht. Hörbucharbeit ist für mich wie Meditation und mein Ziel ist es für die Zuhörer Kino für die Ohren zu erschaffen.

Die Harry-Potter-Hörbücher, in denen Sie sämtliche Charaktere sprechen, wurden hoch gelobt und mehrfach ausgezeichnet. Welche Figur haben Sie darin am liebsten interpretiert?
Es sind wohl 80 wesentliche Figuren, so genau weiß ich das gar nicht. Ich bin an alle Figuren mit der gleichen Neugier und Leidenschaft gegangen. Natürlich waren die Charaktere, denen ich einen Dialekt oder eine besondere Sprechweise gegeben habe, eine größere Herausforderung. Mit den Dialekten verbinden sich ja auch Mentalitäten und Vorstellungen bis hin zu körperlichen Eigenarten. Ein Franke klingt erst mal behäbiger, rundlicher als ein Hanseate.

Erzählen Sie von der Aufnahme...
Ich habe alles live in einem Zug ohne technische Hilfsmittel und Effekte aufgenommen, nur bei Lord Voldemort benutze ich einen Hall-Effekt, den ich selbst während der Aufnahmen manuell bedienen konnte. Außerdem entwickelten und veränderten sich Figuren allein durch ihr Älterwerden oder das Fortschreiten der Erzählung. So wirkt der große Zaubermeister Dumbledore für mich schon vor seinem gewaltsamen Tod im vorletzten Band immer mehr wie ein Geist, und dieses Verlöschen und Ätherischwerden bildete ich mit der immer heiserer und leiser werdenden Stimme nach.

Haben Sie Ihren eigenen Kindern früher viel vorgelesen?
Ich habe meinen Kindern oft das vorgelesen, was ich am nächsten Tag im Studio vortragen sollte. Meine Kinder waren meine ersten Zuhörer, wenn es um Hörbücher, Theaterstücke oder Filmscripts ging, aber ab und zu habe ich auch aus der klassischen Kinderliteratur vorgelesen. Meine Hitliste: Pu der Bär, Emil und die Detektive, Der Meteoritenlöffel.

Und was mochten Sie selbst als Kind?
Das Dschungelbuch ist und bleibt mein Lieblingsfilm.

 

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