Hotel Adlon : Mehr als 2000 Gäste feiern beim Bundespresseball

Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender eröffnen den Bundespresseball mit dem ersten Tanz.
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Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender eröffnen den Bundespresseball mit dem ersten Tanz.

Das ganze Jahr wird in Berlin über Politik geredet. Einmal jährlich laden die Journalisten die Politiker zum Feiern ein. Und dann gehts eigentlich mehr um die Party. Das klappt aber nur bedingt.

svz.de von
23. November 2018, 23:15 Uhr

Beiden Männern galt das große Interesse der Ballbesucher. Der eine steht für die frühere, erfolgreiche SPD und war in Plauderlaune. Der andere verkörpert für viele die Zukunft der CDU - und schwieg.

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich freundlich und entspannt, als er am Freitagabend mit seiner neuen Frau Soyeon Kim den Bundespresseball besuchte. Gesundheitsminister Jens Spahn, einer der drei Kandidaten für den Vorsitz der CDU, blockte alle Fragen ab.

Immerhin posierte Spahn kurz mit seinem Mann auf dem roten Teppich im Hotel «Adlon» am Brandenburger Tor. Seine beiden Konkurrenten Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz ließen sich unter den mehr als 2000 Gästen aus den Medien, der Wirtschaft und der Politik erst gar nicht blicken.

Dabei wurden von Besuchern und Organisatoren politischere Töne angeschlagen als bei manchen Bällen. Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), anders als in früheren bunten Zeiten diesmal in Schwarz, sprach über angegriffene und verfolgte Journalisten und nannte den Ball ein «Fest für die Freiheit der Presse». Und fügte hinzu: «Und dann freue ich mich auf starke Frauen.» Weil auch die gerade viel Gegenwind bekämen in Brasilien und den USA.

Zumindest bei diesem 67. Bundespresseball mit dem Motto «Kaleidoskop» mangelte es nicht an starken Frauen. Kurz nach Roth marschierten die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock (Grüne) und Katja Kipping (Linke) durch den Eingang des «Adlons». Dicht gefolgt von der nicht weniger präsenten Schauspielerin Katharina Thalbach, die cool eine Frage nach ihrem fehlenden Abendkleid abblitzen ließ. «Ich halte den Dressode absolut ein, ich habe einen richtig klassischen Smoking an.» Und die passende Frau habe sie auch dabei, sagte sie mit einem Blick zu Nellie Thalbach an ihrer Seite. «Niemand kann schöner sein als meine Enkeltochter.»

Etwas nachdenklicher wurde dann Gastgeber Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz, dem Verein der Hauptstadtjournalisten. Die deutsche Demokratie sei «ein ganz besonderes Produkt», sagte er bei der Eröffnung. «Nicht nur der Bundespräsident sorgt sich sehr um das, was wir als selbstverständlich betrachten, ohne uns dabei vor Augen zu halten, dass sie nicht von alleine gekommen ist und auch nicht von alleine bleiben wird.» Ohne Qualitätsjournalismus werde es dieses komplexe Produkt Demokratie «verdammt schwer haben».

Politische Anspielungen der etwas einfacheren Art konnten sich die Organisatoren bei der Musik nicht verkneifen. Im vergangenen Jahr, kurz nachdem Jamaika gescheitert war, hieß der Eröffnungswalzer «Que sera - was wird sein». In diesem Jahr spielte die Band: «Münchner Geschichten».

Ansonsten ging es doch vor allem ums Feiern und Tanzen. Die Bundesminister Hubertus Heil (Arbeit) und Gerd Müller (Entwicklung) flanierten durch die Menge, Hessen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) freute sich auf einen Abend mit seiner Frau. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau ließen sich Geständnisse zu früheren Studentenpartys entlocken. «Manche sagen, dass ich eher einer der späteren war, die gingen», meinte Steinmeier und grinste. Auch seine Frau, ebenfalls ganz in Schwarz, musste lachen: «Ja, wir waren schon immer recht spät.»

Steinmeiers alter Chef, Gerhard Schröder, präsentierte den Fotografen stolz die neue Gattin, mit der er erst vor sechs Wochen im «Adlon» die Hochzeit gefeiert hatte. Angesprochen auf seine Ex-Frau Doris Schröder-Köpf, die sich ebenfalls für den Ball angekündigt hatte, meinte er lakonisch: «Ich wünsche ihr einen schönen Abend.» Ansonsten habe er bei der CDU auf seinen alten «Freund und Feind» Friedrich Merz gewettet. «Vielleicht sollte er sich das eine oder andere Thema noch mal überlegen.»

Eine modische Demonstration der besonderen Art zeigte die Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz. Sie trug ein schwarzes Kleid mit schwarzen Jasminblüten, das ein geflohener syrischer Designer entworfen und geschneidert hat. Die eigentlich weißen Blüten seien schwarz vom Krieg und rot vom vergossenen Blut, betonte sie. Eine stehe für die Hoffnung, die andere für die Erinnerung.

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