Youtube-Hype : Marmeladen-Oma wird zum Star

Und vorher zwei Zwiebelwurstbrötchen: Oma Helga möchte mit ihrem Enkel Janik „mehr Liebe in die Welt bringen“.
Und vorher zwei Zwiebelwurstbrötchen: Oma Helga möchte mit ihrem Enkel Janik „mehr Liebe in die Welt bringen“.

Wie eine 86-Jährige dank ihres 15 Jahre alten Enkels mit Märchen-Livestreams zur gefeierten Internetikone wurde

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12. Dezember 2017, 12:00 Uhr

„Es war einmal ein braver Bube, der filmte seine liebe Großmutter beim Vorlesen.“ So könnte das Märchen von der Marmeladen-Oma beginnen. Doch die Geschichte von Helga Sofie Josefa, alias „Die Marmeladen-Oma“, und ihrem Enkel ist kein Märchen, sondern ein wahrer Internet-Hype. Jeden Samstagabend streamt der 15-jährige Janik die Märchenstunde seiner 86 Jahre alten Großmutter im Internet. Mittlerweile hat die Oma fast 200 000 Fans und ist gefeierter YouTube-Star.

Als Janik den großen Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses betritt, wirkt er wie jemand, der nicht im Weg stehen möchte. Dabei sind viele der Gäste nur wegen ihm und seiner Oma hier. Gleich wird den beiden vom Deutschen Zentrum für Märchenkultur die Auszeichnung Goldene Erbse verliehen. Neben Janik stützt seine Oma Helga sich auf ihren Rollator. Auch wenn ihr das Gehen schwerfällt, wirkt sie so entspannt, als hätte sie ihr ganzes langes Leben vor großem Publikum verbracht.

Dabei hat ihr Enkel sie erst vor wenigen Monaten zum Star gemacht. Früher besuchte Janik jedes Wochenende seine Oma in Ettlingen in Baden-Württemberg. Die beiden spielten mit Lego, und bevor er zu Bett ging, las seine Oma ihm ein Märchen vor. Doch irgendwann war der Enkel dem Lego- und Märchen-Alter entwachsen und installierte sich bei seiner Oma einen Computer. Von nun an verbrachte er immer mehr Zeit vor dem Bildschirm und seine Oma mehr Zeit mit ihren Büchern. Weil er jedoch viel lieber wieder etwas mit anstatt nur neben ihr machen wollte, überlegte Janik sich, wie man sein Interesse für Computer und Omas Leidenschaft für Geschichten unter einen Hut bringen könnte. Die Idee des Märchen-Livestreams war geboren. Weil seine Oma die beste Marmelade der Welt kocht, nannte Janik das Format „Die Marmeladen-Oma“.

„Am Anfang waren wir eine schnuckelige Sendung mit ein paar treuen Fans, aber dann kam Gronkh“, berichtet die Marmeladen-Oma. Es gibt wohl nur wenige 86-Jährige, die wissen, wer oder was Gronkh ist. Helga weiß, dass „der liebe Gronkh“ einer der erfolgreichsten deutschen YouTuber mit fast 4,7 Millionen Abonnenten ist. Und dieser Gronkh landete auf Helgas Live-Stream und empfahl seinen Fans ihre Märchenstunde. Kurz darauf brach der Stream unter dem Ansturm zusammen. Mittlerweile läuft die Liveübertragung wieder ruckelfrei, die Videos wurden bislang mehr als acht Millionen Mal angesehen, auf YouTube haben die Marmeladen-Oma und ihr Enkel mittlerweile fast 190 000 Abonnenten.

Fast drei Viertel von ihnen sind männlich, über 60 Prozent sind zwischen 18 und 34 Jahre alt und alle flüchten sich am Samstagabend gerne zwei Stunden in eine heile Welt. Dann liest die Marmeladen-Oma, teilweise recht holprig, vier Märchen vor, beantwortet Fragen ihrer Fans und erzählt, wie sie vor 82 Jahren Weihnachten gefeiert hat oder eine andere Geschichte aus ihrer Kindheit. Dass ein böser Wolf mit Wackersteinen gestopft wird oder ein geküsster Frosch sich in einen Prinzen verwandelt, ist das Aufregendste, was in diesen zwei Stunden passiert. Wohl kaum jemand bedient die Sehnsucht nach Ruhe, Geborgenheit, Entschleunigung, heiler Welt und Eskapismus besser als die Oma.

„Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich Dinosaurier da überhaupt mitmache. Ich hatte früher eine regelrechte Abneigung gegen das Internet. Es hat mich gestört, dass die jungen Leute ständig am Computer sitzen und auf ihre Handys starren“, sagt die Oma, die als junge Frau noch auf Feuer gekocht hat, bis heute keinen Geschirrspüler besitzt, ihr Handy ausgeschaltet in einer Schublade aufbewahrt und Musik am liebsten vom Plattenspieler hört. Nur das von Janik eingerichtete iPad ist zum unverzichtbaren Arbeitsmittel geworden.

„Janik und ich sind ein tolles Team“, sagt die Oma, die ihrem Enkel vor jeder Livesendung zwei Zwiebelwurstbrötchen schmiert und ihn so gütig und liebevoll anschaut, wie nur Omas es können. Seinetwegen wagt die Seniorin sich jeden Tag ein bisschen mehr von ihrer Märcheninsel ins digitale Neuland vor und genießt ihren neuen Ruhm. Wird die bescheidene Großmutter auf ihre alten Tage so noch zu einer digitalen Rampensau? „Nein! Ich bin überhaupt nicht geltungssüchtig, höchstens sendungssüchtig. Ich wollte mit meinen Geschichten schon immer mehr Liebe in die Welt bringen. Und ich bin sehr dankbar, dass dank Janik jetzt mehr Menschen meine Botschaft hören können“, so die Oma.

Der Enkel und die Oma scheinen einen Generationenvertrag geschlossen zu haben, der ohne Worte auskommt. Schon wenn die alte Dame daran denkt, sich aus dem tiefen Sofa zu erheben, steht Janik neben ihr, um ihr zu helfen. Und wenn ihr Enkel bei Interviews und Preisverleihungen mal wieder um eine Antwort verlegen ist, springt die ungeduldige Oma schnell in die Bresche.

86 Jahre Leben, ein Weltkrieg, vier Kinder, vier Enkel und fünf Urenkel haben in Helgas Gesicht tiefe Falten hinterlassen. Doch in ihren Augen blitzt noch kindliche Neugier auf. Ihre Lebenserfahrung und Lebensfreude gibt sie jetzt an ihre Anhänger weiter.


68200 Follower auf Instagram

Loeckchenzauber: Familienzeug aus Schwerin

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Internetstars gibt es nicht nur in den großen Metropolen, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern. Eine von ihnen ist sicher Julia aus Schwerin. Auf ihrem Instagram- und Facebookprofil „Loeckchenzauber“ zeigt sie, wie schön es ist, Mutter von drei Kindern zu sein. Mehr als 68000 Fans begeistert sie damit täglich.

Das Besondere an ihren Fotos:  Sie zeigen die intimsten Momente in der Familie, wie Schwangerschaft, Kuscheleinheiten, Schlafenszeit... ohne jedoch zu viel Persönliches zu verraten. Ihre Kinder zeigt sie nur von hinten oder ohne Kopf. „Wenn ich die Gesichter zeigen oder Namen nennen müsste, würde ich eher aufhören“, sagt Julia. Die Privatsphäre ihrer Kinder sei ihr wichtiger. Und noch etwas macht ihr Profil besonders: Die Bilder sind alle  sehr harmonisch und  in zarten Farbtönen gehalten. „Ich mache alle Fotos nur mit dem iPhone und lege da nur einen Instagram-Filter drüber“, meint Julia und lacht. Oft vermuten ihre Fans eine professionelle Kameraausrüstung. Doch die sei gar nicht nötig. „Ich habe schon immer gerne Fotos gemacht und geschrieben“, sagt die Schwerinerin. Vor sechseinhalb Jahren erstellte sie ihren Loeckchenzauber-Blog. Mit ihrer Idee zu einem „Stoffreste-Baum“  wurde sie immer bekannter.   Dabei malte sie einen Baumstamm in das Kinderzimmer ihrer Kinder und fertigte aus Stoffresten die Blätter an. Ein Foto davon verbreitete sich rasend.

Was ihren Erfolg ausmacht? „Ich glaube, es ist wichtig, das nicht hauptberuflich zu machen und abhängig  zu sein. Ich mache zwar Werbung, aber die ist immer authentisch und passt zu uns.“likl


7649 Follower auf Instagram

Annelievonahoi: „Meerweh“ aus Greifswald

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Sand an den Füßen, vom Wind zerzauste blonde Haare und eine Tasse Kaffee: Bei den Bildern von Annelievonahoi auf Instagram bekommt man sofort Lust auf Wellen und eine frische Brise. „Meerweh“ nennt sie es oder „Seensucht“. Seit etwa drei Jahren postet die junge Mutter aus Greifswald  fast täglich Fotos aus ihrem Alltag. Mal von sich, mal mit ihrem „Bärenkind“, mal steht die Mode im Vordergrund, mal die Ostsee… Langweilig wird es nie. Über 7600 Follower sehen das so.

„Ich finde es spannend, das Regionale zu entdecken“, erzählt Annelie. „Viele unterschätzen Mecklenburg-Vorpommern. Aber das ist auch gut so. Sonst wäre es hier schon überfüllt.“ Mit ihrem Blog und Instagram-Profil nimmt sie ihre Fans mit auf eine Reise durch Deutschlands schönstes Bundesland. Dabei gibt sie Nähanleitungen sowie Tipps für Ausflüge, Mode und Sport. Und das mit Erfolg. Die Grafik-Designerin und Online-Marketing-Managerin hat ihren Account zu einer eigenen kleinen Marke gemacht. „Man kann natürlich auch im Social Media Geld verdienen“, sagt sie.  Ab und an gibt sie in ihren Beiträgen Empfehlungen für bestimmte Produkte. „Dabei arbeite ich jedoch nur mit Firmen zusammen, deren Waren ich auch so  nutzen würde. Was ich schreibe, ist authentisch“, schildert sie.  Einige Stunden in der Woche bringt die Greifswalderin für Instagram und Co. auf. „Mein Sohn fragte mich schon einmal: Darf ich das jetzt essen oder willst du erst ein Bild machen“, sagt sie und lacht. Daher setze sie sich auch ganz  bewusst Handyverbote. Und dennoch: „Wenn ich weiß, dass ich die Menschen mit einem Beitrag inspiriert habe, ist das super.“likl


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