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WOCHENEND-INTERVIE: Christoph Maria Herbst : Mamas Liebling

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dank eines Eulenspiegel-Tricks startete Comedian Christoph Maria Herbst durch.

Mit Haarkranz und Klobrillenbart kennen ihn die meisten. Die Rolle des Bernd Stromberg brachte Christoph Maria Herbst den großen Durchbruch. Seine Wandelbarkeit zeigt der Schauspieler diese Saison in den unterschiedlichsten Rollen.

In Ihrem neuen Film „Highway to Hellas“ spielen Sie einen Banker. Sie selbst haben nach dem Abitur eine Banklehre gemacht. Wie viel Banker steckt noch in Ihnen?
Gar keiner mehr. Es ist schließlich mehr als 30 Jahre her, dass ich diese Lehre gemacht habe. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, dorthin zurückzugehen.

Haben Ihre Eltern die Stirn gerunzelt, als Sie nach der Lehre wieder zum Theater wollten?

Nein, das war ein Deal: Ich mache die Banklehre, und danach darf ich tun, was ich will. Das wurde mit einem Handschlag besiegelt und fertig. Trotzdem war ich von den Auszubildenden Jahrgangsstufenbester und habe die Lehrzeit um drei Monate verkürzt. Wenn ich was mache, dann will ich es auch richtig machen. Mein damaliger Personalchef bei der Deutschen Bank – diesen Namen darf man heute fast nicht mehr sagen, ohne rot oder mitverhaftet zu werden (lacht) – ist natürlich aus allen Wolken gefallen, als ich ihm gesagt habe: Vielen Dank für die schöne Zeit, ich werde jetzt Schauspieler. Er sah für mich schon eine fantastische Karriere in der Frankfurter Hauptstelle vor. Meine Eltern wurden aber meine größten Fans.

„Highway to Hellas“ spielt in Griechenland und mit vielen Vorurteilen über das Volk. Wie haben Sie die Griechen erlebt?
Ich hatte auch eine bestimmte Vorstellung über die Griechen im Kopf. So dachte ich zum Beispiel, dass der Grieche schon tagsüber im Unterhemd oder Hemd an einer Bar sitzt und Ouzo trinkt. Exakt so haben wir es erlebt. Eins zu eins. Als wir für den Dreh auf der traumhaften Insel Tinos ankamen und ich das erste Mal auf unsere Bucht mit diesen kleinen Fischerhäuschen, Bars und Restaurants blickte, saßen dort einige Griechen, genauso wie ich sie gerade beschrieben habe. Ich aber dachte, dass es sich um Komparsen handelt, die mit Wassergläsern warten. Abgesehen davon war unser Set ein abgeschiedener kleiner Kosmos. Ich war der einzige Deutsche, Adam Bousdoukos ist Halb-Grieche. Alle anderen Schauspieler waren bekannte Griechen aus der Theater- und Filmszene. Aber ich kannte nicht einen, und sie kannten mich nicht.

Sie leben als Vegetarier und zum Teil auch vegan. Wie viel Rücksicht hat das Catering am Set auf Sie genommen?
Das war in Griechenland überhaupt kein Problem. Hier gab es sehr viel Gemüse: Auberginen, Linsenpüree oder mit Reis gefüllte Weinblätter. Ich bin kein strikter Veganer, sondern lebe vor allem vegetarisch. Am Schafskäse kam ich in Griechenland natürlich nicht vorbei und habe auch mal in einen Fisch reingegabelt. Im Film gibt es eine Szene mit einem Schafskopf, den würde ich privat nicht anrühren. Das ist mir dann zu ekelig. Daher fiel es mir nicht schwer, diese Szene zu spielen. Aber in Griechenland ist die mediterrane Küche viel weiter als wir hier mit unserer deutschen Brauhauskultur.

In den vergangenen Wochen ist ein Film nach dem anderen mit Ihnen erschienen…

Das ist ein bedauerliches Missverständnis und mir sehr, sehr peinlich. Das wird es so auch nicht mehr geben.

Einmal im Jahr nehmen Sie sich eine Auszeit. Gibt es schon Reisepläne für 2016?
Wir sind im Januar und Februar wieder komplett weg, wissen aber noch nicht genau, wo es hingeht. Entweder in den Südosten oder den Südwesten der Weltkugel, Südamerika oder Südostasien.

Wo waren Sie noch nie?
Südamerika ist noch ein schwarzer Fleck auf meiner persönlichen Landkarte. Trotzdem wird der Erdball langsam zu klein. Aber wir haben auf den verschiedenen Kontinenten so wunderbare Erfahrungen gemacht, dass wir das gerne wiederholen. So werde ich nicht als Nächstes den Mars oder Mond bereisen müssen.

Wie viele Drehbücher bekommen Sie pro Jahr angeboten?
Das kann ich gar nicht sagen. Ehrlicherweise geht die Hälfte in den Schredder. Viele bieten mir Rollen an, in denen sie Stromberg unter anderen Vorzeichen sehen wollen. Da habe ich keinen Bock mehr drauf. Bei „Er ist wieder da“ spiele ich zwar auch einen totalen Zyniker, aber ich hätte es mir selbst nicht verziehen, wenn ich dort nicht mal kurz durchs Bild gegangen wäre. Ich möchte mich aber nicht selbst wiederholen. Zum Glück stelle ich fest, dass ich so langsam die Kurve kriege, und das freut mich sehr.

Wie sehr hat Stromberg Ihren beruflichen Werdegang beeinflusst?
Das ist ein enormer Stempel und zudem ein Stempel, für den ich selbst gesorgt habe. Dass Stromberg eine Halbglatze hat und diesen schlimmen Bart trägt, war alles meine Idee. Heute bin ich sehr froh, dass der so und nicht wie ich aussieht. So kann ich locker und beschwingt durch jede deutsche Klein- und Großstadt gehen, weil mich niemand erkennt.

Stromberg bringt immer noch Riesenquoten. Nervt es, dass viele Sie darauf reduzieren?
Stromberg war für mich zehn Jahre das größte Geschenk. Denn ich durfte mich mit einer großen und vielfältigen Figur beschäftigen. Wir haben Stromberg ja in den verschiedensten Situationen gezeigt. Er war nicht nur ein Arsch, der rassistische und frauenfeindliche Dinge gesagt hat. Es war für mich ein Dorado, das spielen zu dürfen.

Ihre erste Rolle war ein Polizist im Stück Pippi Langstrumpf. Erinnern Sie sich noch an den Text?
Leider nein. Der Polizist hatte aber auch nicht viel Text. Mein Kollege, der inzwischen leider verstorben ist, und ich haben eine Stan-und-Ollie-Nummer daraus gemacht – zur Freude der Kinder. Ich habe die Rolle bestimmt 300-mal gespielt. Am Landestheater in Dinslaken war das der Blockbuster. Am Ende konnte ich es nicht mehr sehen, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Kindertheater ist sehr, sehr toll. Kinder sind gnadenlos und sehr ehrlich. Sie wollen ernst genommen werden und schmeißen auch mit Erdnüsschen, wenn ihnen etwas nicht gefällt.

Mit Erdnüssen wären Sie als Anwalt wahrscheinlich nicht beworfen worden. Sie haben tatsächlich einmal überlegt, Jura zu studieren.
Ja, es ist aber bei einem Fakultätsbesuch geblieben. Als ich die Leute aus der Uni rauslaufen sah, wusste ich sofort, dass es das nicht ist. Zudem habe ich mir von vielen sagen lassen, dass es ein sehr komplexes, schwieriges und trockenes Studium sei. Das wäre natürlich der Klassiker gewesen: erst eine Banklehre zu machen und dann noch ein Jura- oder Wirtschaftsstudium dranzuhängen. Das war so in meiner Generation. Aber das war nicht meine Welt.

Warum haben Sie dennoch mit dem Gedanken gespielt?
Weil es mit der Schauspielerei einfach nicht so gut klappte. Niemand wollte mich. Ich habe händeringend nach Jobs gesucht, bekam aber keine. Ich habe keine Schauspielausbildung, und das lud Dramaturgen nicht ein, meine Bewerbung auf dem Stapel ganz nach oben zu legen. Irgendwann habe ich eine Schauspielausbildung in meine Vita reingelogen. Statt Schauspielausbildung schrieb ich einfach Ausbildung in den Lebenslauf. Das stimmte auch, denn ich hatte eine Bankausbildung. Dieser kleine Eulenspiegel-Trick half. Ich bin nach Bremerhaven eingeladen worden, wo ich vier Jahre am Theater gespielt habe.

Was halten Sie von der Schauspielausbildung?
Damals war ich natürlich verzweifelt. Die Schauspielschulen wollten mich alle nicht, weil sie mich schlecht fanden. Ich bekam keinen Job am Theater. Dabei wurde mir immer, wenn ich gespielt habe, gesagt, dass ich das toll mache. Heute bin ich froh, keine Ausbildung zu haben, weil ich mir meine Neugier erhalten habe. Mein Beruf ist vor allem vom „learning by doing“ geprägt. Noch heute schaue ich am Set ganz genau, wie die anderen arbeiten, und sauge das wie ein Schwamm auf.

Sie waren in Ihrer Jugend Oberministrant und Lektor. Sind Sie nicht einmal ausgebrochen?
Im Sinne von Drogenexzessen und Umgang mit Prostituierten? (lacht) Nein, dafür war ich immer zu sehr Mamas Liebling und hatte den Scheitel immer an der richtigen Stelle. Das entspricht gar nicht meinem Naturell.

Wollten Sie schon immer Schauspieler werden?
Den Wunsch hatte ich tatsächlich sehr früh in mir. Aber noch viel, viel früher wollte ich Priester werden, und zwar katholischer. Da grätschte mir dann aber meine erste Freundin mit 17 Jahren dazwischen. Da habe ich dann die Fleischeslust in mir entdeckt. Es gibt ja dieses schlimme Wort, das mit Z anfängt und mit ölibat endet...

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