ARD-Telenovela : Langläufer im TV: 2500 Folgen «Rote Rosen»

An «Rote Rosen»-Souvenirs herrscht in Lüneburg kein Mangel.
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An «Rote Rosen»-Souvenirs herrscht in Lüneburg kein Mangel.

Die «Roten Rosen» laufen seit 2006, Folge 2500 ist erreicht. Die Serie wird in Lüneburg gedreht, die Bilder aus der Altstadt ziehen Besucherscharen an. Die Fans können an speziellen Führungen teilnehmen. Für manche geht es um mehr als nur Ablenkung vom Alltag.

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05. September 2017, 10:04 Uhr

Treffpunkt ist das historische Rathaus in der Altstadt von Lüneburg, dort haben die Rosen-Souvenirs in der Tourist-Info eine eigene Ecke. Es gibt «Rote Rosen - Das Buch», Rosen-Bettwäsche, Tassen und die passenden Servietten.

Auch Kristallsalz mit Rosenblättern ist im Angebot, schließlich hat Salz die Hansestadt einst reich gemacht. Heute sind die Touristen in Lüneburg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Viele kommen wegen ihrer Lieblingsserie «Rote Rosen». Die Fans sind treu, auch fast elf Jahre nach dem Start schalten werktags rund 1,5 Millionen Zuschauer ein. Folge 2500 ist abgedreht.

«Ich bin immer froh, wenn ich aus meinem Alltag verschwinden und bei den Roten Rosen eintauchen kann», sagt Claudia Greising, die bei einer der fast immer ausgebuchten «Rosen»-Führungen durch die idyllische Altstadt dabei ist. Die 51-Jährige ist aus Tübingen gekommen und hat Tochter Linda mitgebracht, sie ist erst acht und damit diesmal die jüngste Teilnehmerin. Auch die Mutter von Claudia Greising ist dabei, die 77-Jährige ist aus Düsseldorf angereist.

Männer sind bei den «Rosen»-Führungen eher die Ausnahme, sie sind auch nicht die Zielgruppe der Serie. Die «Roten Rosen» sind für Frauen «40 plus». Auch heute sind die weitaus meisten der 20 Teilnehmer weiblich. «Einige von den Herren sind die Fahrer, und aus Liebe gehen sie mit», sagt Stadtführerin Verena Fiedler. Die 60-Jährige ist gebürtige Lüneburgerin, am Handgelenk trägt sie ein Haarband mit roten Rosen aus Stoff. Auch das Rathaus und andere Sehenswürdigkeiten zeigt sie, aber vor allem geht es um die Rosen.

«Hier hat Gunter Flickenschild seine Merle geheiratet», sagt Fiedler am Heinrich-Heine-Haus. Gunter Flickenschild wird von Hermann Toelcke gespielt, aber die Namen der Schauspieler fallen heute kaum. Hier zählt die Rolle, das ist der Kosmos, um den es sich dreht. «Man lebt mit denen mit, man trauert mit ihnen und freut sich mit ihnen», erklärt Claudia Greising ihre Leidenschaft.

«Hier hat sich Johanna angekettet», hat Fiedler schon am Rathaus erklärt, und alle wissen Bescheid. Johanna Hansen wird von Brigitte Antonius gespielt, nur sie und Gerry Hungbauer sind seit dem Start im November 2006 dabei.

Die Serie stellte damals als erste Telenovela eine Frau über 40 in den Mittelpunkt. Alle 200 Folgen wechselt die Hauptdarstellerin, um am Ende der Staffel ein neues Glück zu finden. Derzeit steht Patricia Schäfer (50) im Fokus, vor ihr waren es unter anderem Jenny Jürgens, Sandra Speichert, Elisabeth Lanz, Isabel Varell und Angela Roy.

Die Schicksale der Protagonisten werden auf den Führungen diskutiert, als wären es Familienmitglieder. Fiedler hat einen Ordner mit Autogrammkarten dabei, dick wie ein Telefonbuch. An den jeweiligen Drehorten hält sie die Fotos der Akteure hoch. «Sie war ja dann von dem schwanger» oder «Der war ja furchtbar», kommentieren die Teilnehmerinnen, während die Männer eher schweigsam mitstapfen. In den alten Gassen entstehen die Außenaufnahmen, nur Salzmarkt und Sülfmeistergasse haben die Macher im Studio am Stadtrand errichtet, wo unter Federführung des NDR täglich eine Folge von 48 Minuten produziert wird.

«Wir waren in Hamburg und haben für die Führung einen Abstecher nach Lüneburg gemacht», sagt Babette Sobe aus Mittweida in Sachsen. Die 53-Jährige ist mit Tochter Lisa gekommen. «Wir gucken die Rosen fast täglich», sagt die 24 Jahre alte Studentin. «Sonst gucken wir es im Internet, wenn wir mal eine Folge verpasst haben.» Ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein hat den Sohn im Schlepptau, ein Pärchen aus Bremerhaven ist auch dabei. «Wir sind mit meiner Mutter da», sagt der junge Mann fast ein wenig entschuldigend.

Mehr als zwei Stunden ist die Gruppe unterwegs, auch Linda hält tapfer durch. Zur Belohnung bekommt sie am Ende das Haargummi mit den Rosen geschenkt, sie kann es kaum glauben, dann löst sich die Gruppe auf. «Viele sind richtig selig, wenn sie herkommen», sagt Verena Fiedler, Stadtführerin seit 16 Jahren. «Für viele Alleinstehende ist das wirklich ein Familienersatz. Da haben sie ein Stück Zuhause, wo sie jeden Tag sein können.»

«Rote Rosen»

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