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Leute : Lady Gaga: „Der Ruhm hat einen Preis“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lady Gaga spricht über die Schattenseiten der Popularität

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Lady Gaga ist aus dem Häuschen. Sie wirbelt durch die Bibliothek eines Berliner Luxushotels. Bietet Getränke an. Nein? Dann vielleicht eine Zigarette? Auch nicht. Setzt Euch erstmal hin und hört mit mir die neue Single an. Ok. Los geht’s. Ihre kraftvolle Stimme ertönt aus der Box. Und die echte Lady Gaga, die jetzt gerade tatsächlich neben einem sitzt, bewegt die Lippen mit. Sie reißt die Hände in die Luft, ihre Aufregung wird spürbar. Danach ist sie bereit zum Interview.

 

Diesen Freitag kommt Ihre neue Single „Perfect Illusion“ heraus. Wie fühlt sich das an?
Es ist ein absoluter Traum, auf diesen Moment warte ich seit drei Jahren, seitdem mein letztes Album erschienen ist. Wenn wir (am Freitag) nach London kommen, ich weiß nicht genau, um wie viel Uhr der Song im Radio rausgeht, will ich im Auto rumfahren und ihn dann zum ersten Mal hören. Ich muss mir diesen Moment nehmen (...) Es geht nichts über das Gefühl, einen Song zum ersten Mal auf dem Sender zu hören – auch nach fast zehn Jahren.

Worum geht es in „Perfect Illusion“? Über das Ende einer Beziehung?
Das kann definitiv so interpretiert werden. Vor allem geht es aber um all die gefakten Dinge, die den Anschein haben, echt zu sein. Und wie man damit umgeht. Ob das eine Beziehung ist und Liebe – oder die sozialen Netzwerke, wo man sich durch endlose Bilder von perfekten Illusionen scrollt. Versuchen herauszufinden, was aufrichtig ist und was nicht – das beschäftigt uns doch alle derzeit.

Wie ist das für Sie als Superstar, fühlen Sie sich auch als Illusion? Oder genauer gefragt, haben die Fans eine Illusion davon, wer oder was Sie sind?
Es ist weniger so, dass ich mich selbst so betrachte. Aber ich bin mir darüber im Klaren, dass ich für manche eine perfekte Illusion sein kann – so wie viele andere Entertainer auch. Die Art wie wir geformt werden, wie man über uns kommuniziert, um diese Art von perfektem Wesen zu schaffen. Aber das sind wir ja eigentlich nicht, wir sind doch wie alle anderen auch.

Was sind für Sie die Nachteile des Ruhms?
Er ist extrem isolierend. Am wenigsten daran mag ich, dass ich keine wirklichen menschlichen Erfahrungen in der Gesellschaft mehr mache, wenn ich in die Welt rausgehe. Ob in einer Bar, einem Club, einem Restaurant oder in einem Buchladen: Ich kann einfach kein normales Gespräch mit jemandem führen, den ich zufällig treffe. Ich liebe Menschen wirklich, sie inspirieren mich. Beim Musikmachen versuche ich immer, zu spüren, was Leute bewegt. Aber je berühmter ich wurde, desto schwieriger wurde es, dieses Gefühl zu bewahren – weil ich nicht mehr zu den Menschen durchkomme.

Der Ruhm hat Ihnen aber doch auch Freiheiten gegeben. Sie klingen, als wären sie heute entspannter als zu Karrierebeginn.
Das bin ich auch. Aber nur, weil ich akzeptiert habe, wie es ist. Früher, wenn ich in einen Supermarkt gegangen bin und überall Paparazzi waren, habe ich Panikattacken bekommen, konnte nicht aus dem Auto aussteigen, habe geweint. Dann habe ich mich ins Bett gelegt und gedacht, „mein Leben ist vorbei!“. Aber nun denkt man sich, fuck it. Das ist halt so – das ist mein Leben, und der Ruhm hat definitiv einen Preis. Aber ich bin sehr dankbar und versuche, das auch immer zu bleiben und nicht aufzugeben. Ich versuche, mich nicht mehr einschränken und mich meiner Kreativität und meiner Träume berauben zu lassen. Ich muss weitermachen.

Wenn sie jetzt drei Wünsche frei hätten bei einer guten Fee, welche wären das?
Nichts für mich, ich würde mir ein Ende der Gewalt in der Welt wünschen. Ich würde mir wünschen, Menschen dazu zu inspirieren, mehr auf Verbindungen untereinander zu fokussieren und öfters ihre Smartphones wegzulegen. Und ich würde mir eine Welt wünschen, in der kein Kind hungert, zurückgelassen wird oder krank ist und keine Hilfe erhält.

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