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„Dschungelcamp“ vor dem Finale : „La Familia am Arsch“

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Aus der Onlineredaktion

Urwald-Show bleibt in diesem Jahr irgendwie hinter ihren Möglichkeiten zurück

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Straußen-Anus, Ziegen-Vagina, Krokodil-Penis, lebende Kakerlaken. Was RTL seinen Dschungelcampern in diesem Jahr serviert, hat es in sich. So unangenehm wie 2017 dürften die Dschungelprüfungen wohl noch nie gewesen sein. Jüngst scheiterten der strippende Sänger Marc Terenzi und die phobiegeplagte Ex-TV-Maklerin Hanka Rackwitz daran, allerlei tierische Genitalien zu verspeisen. Terenzi lutschte immerhin Fischaugen aus.

Da klingen ganz kurz wieder die warnenden Worte der Medienpädagogen der Kinderprogrammberatung „Flimmo“ im Ohr des geneigten Dschungel-Fans: „Der Zuschauer wird zum Voyeur gemacht, Häme und Schadenfreude sind die wesentlichen Bestandteile der Sendung.“ In Sachen Ekel hat RTL also noch eine Schippe draufgelegt. Aber: „Bei den Dschungelprüfungen und den Abläufen der Tageszusammenfassungen fehlten Innovationen“, bemängelt die Medienwissenschaftlerin und erklärte Dschungelcamp-Expertin Joan Kristin Bleicher von der Uni Hamburg kurz vor dem großen Finale am Wochenende.

Und auch ansonsten bleibt die Sendung etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück: „Einzelne Kandidaten wurden den Erwartungen der Zuschauer nicht gerecht. Dazu zählte etwa Nicole, bei der ich schon fast an ein Schweigegelübde glaubte“, sagt Bleicher über Schauspielerin Nicole Mieth. Und: „Es gibt dieses Jahr wenig unbekannte Seiten der Stars zu entdecken. Mallorca-Jens beispielsweise wich nicht von seinen selbstinszenierten Klischees ab.“ Dabei zog der nun Ausgeschiedene schon nach wenigen Tagen seelisch blank, erzählte am Lagerfeuer von einem Selbstmordversuch, von seinen Zwillingen, die eigentlich Drillinge waren und schließlich auch noch von einer fälschlicherweise diagnostizierten Lungenkrebs-Erkrankung.

Das ganz große Echo produzierte dieser Seelen-Striptease aber irgendwie nicht, ebenso wenig wie die Drogengeschichten von Florian Wess und Hanka Rackwitz. Dazu passt auch, dass die Quoten bislang ein bisschen schlechter waren als im vergangenen Jahr. 2016 schalteten im Schnitt 7,1 Millionen Menschen ein, in diesem Jahr waren es bei den bisherigen zwölf Folgen nach Angaben von RTL durchschnittlich 6,62 Millionen bei einem Marktanteil von 27,7 Prozent. In der RTL-Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil bei immerhin 35,9 Prozent.

Richtig Schwung in die Hängematten kam erst nach mehr als einer Woche, als Model-Ex Alexander „Honey“ Keen mit Verweis auf seinen dicken Hals und eine Bronchitis eine Dschungelprüfung verweigerte, dabei (so sah es sogar die ihn stets anhimmelnde Gina-Lisa Lohfink) diabolisch lächelte und seine Mitbewohner gegen sich aufbrachte. „Grinsemann“ nennt ihn Anja Rützel bei „Spiegel Online“ und schreibt „das lebende Lachgummi, der Mittelstrahler, das Schmunzelstilzchen“ oder „Bleckbaron“.

Wie auch immer man zu dem nun leider ausgeschiedenen „Honey“ stehen mag – der Sendung hat er gutgetan. „Dank des stark reduzierten Engagements von ,Honey‘ in den Dschungelprüfungen steigerte sich der Unterhaltungswert des Konfrontainment“, formuliert es Joan Bleicher.

Rackwitz sagt da mit Blick auf den Niedergang der am Lagerfeuer ausgesungenen Großfamilie deutlicher „La Familia am Arsch“. Und Kader Loth, spätestens jetzt die weise große Dame des Reality-Fernsehens, fasst ungerührt zusammen: „Jetzt zeigen alle ihre wahren Fressen.“ Außerdem fantasiert sie von Hammer, Kettensäge und was sie damit tun könnte. Unerreichbar ist die Dschungelkrone für sie nicht.

Mit Terenzi und Rackwitz gelten inzwischen allerdings zwei Teilnehmer als Favoriten für den Platz auf dem Dschungel-Thron, die zu Beginn wahrscheinlich niemand so richtig auf dem Schirm hatte. „Ich denke, dass Hanka Rackwitz viele Sympathien besitzt“, sagt Bleicher. „Auch Marc Terenzi inszeniert sich selbst als fürsorglich.“ Die „BildSportwetten“ sehen die beiden laut Wettquoten ebenfalls deutlich vorne. Dahinter überraschenderweise Florian Wess, den RTL in Ermangelung einer anderen Berufsbezeichnung einen „It-Boy“ nannte und der sich im Camp bisher überraschend reflektiert, bissig und wenig aufmerksamkeitsheischend zeigte.

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