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Norwegen : König verblüfft mit Gefühl und Humor

vom
Aus der Onlineredaktion

Harald V. von Norwegen wird 80 und wirkt gar nicht mehr so steif

Viele Norweger finden ihren König ein bisschen steif. Wenn er eine Rede hält, sieht Harald V. manchmal aus, als würde er gleich einschlafen. Im Vergleich zum beliebten Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit gilt er als langweilig. In letzter Zeit haben seine Landsleute aber auch andere Seiten an dem Monarchen entdeckt, der heute seinen 80. Geburtstag feiert.

Besonders überrascht hat Harald die Norweger und viele andere Menschen weltweit mit einer berührenden Rede, die er im vergangenen Jahr beim sommerlichen Schlossfest hielt.

Bei der Feier in Oslo, zu der 1500 Gäste aus allen Gegenden des Landes angereist sind, ruft der König Anfang September zu Mitmenschlichkeit und Toleranz auf. „Norwegen seid ihr. Norwegen sind wir. (...) Norwegen ist eins“, sagt der 79-Jährige. Zu seinem Land zählt er Schwule und Lesben, Christen und Muslime genau wie Einwanderer. „Norweger sind auch aus Afghanistan, Pakistan und Polen, Schweden, Somalia und Syrien eingewandert“, macht Harald seinen Besuchern klar. „Das, was wir unser Zuhause nennen, ist dort, wo unser Herz ist – und das kann man nicht immer innerhalb von Landesgrenzen einordnen.“ Mit dem flammenden Appell an seine Landsleute landete der König einen Hit im Netz: Mehr als drei Millionen Menschen teilten „The King’s Speech“ 2.0 bei Facebook.

Überhaupt scheint Harald heute mehr von sich preiszugeben, als er es früher getan hat. Die erste Zeit als Regent fiel ihm nicht leicht, wie er oft in Interviews sagt. Nach dem Tod seines Vaters am 17. Januar 1991 wurde er neuer norwegischer König. Der übernimmt vor allem repräsentative und zeremonielle Aufgaben. „Es war eine ziemlich schwierige Aufgabe, den Thron von König Olav zu übernehmen, der so beliebt war“, sagte Harald in der Fernsehsendung „Das Jahr mit der Königsfamilie“ des norwegischen Rundfunks. „Ich hab mich gefragt, ob ich das überhaupt annähernd schaffe.“ Diese Unsicherheit scheint verflogen zu sein. Als Harald und seine Frau Sonja im vergangenen Jahr ihr 25. Thronjubiläum begingen, waren sie gerührt von der Herzlichkeit, mit der die Norweger sie feierten. Bei einem Gottesdienst verdrückte der Monarch sogar ein paar Tränen.

Unprätentiös gab das Paar zum Auftakt des Jubiläumsjahres ein Winterfest für die Osloer auf dem Hügel vor dem Schlossplatz – mit Skipiste für die Kinder. „Es ist sehr schön, den König zu treffen“, sagte Norwegens Regierungschefin Erna Solberg da über den Monarchen. „Ich muss bei jedem Treffen mindestens einmal richtig lachen.“

Nicht nur bei seinen Besuchen im Land kommt Harald inzwischen öfter mal ein Scherz über die Lippen. Auch Königin Sonja bleibt von seinen Neckereien nicht verschont: In einem Fernsehinterview flachste er, die norwegische Forschungsstation „Troll“ sei nach seiner Frau benannt. Wie viel Sonja ihm bedeutet, hat Harald schon sehr früh deutlich gemacht. Gegen den Willen seines Vaters kämpft er um die Beziehung mit der Bürgerlichen, die er 1968 endlich vor den Traualtar führen darf. Von einer Journalistin gefragt, ob er sich manchmal einsam fühle, sagte der Monarch vor Kurzem: „Ich habe eine an meiner Seite, mit der ich reden kann.“  

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