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Leute : Jürgen Drews: „Schlager finde ich geil“

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Aus der Onlineredaktion

Eine Stippvisite bei Sänger Jürgen Drews im münsterländischen Dorf Rorup. Er hat noch ein Haufen Ideen

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Er singt vom „Bett im Kornfeld“ vor grölenden Party-Touristen am Ballermann auf Mallorca oder bei TV-Schlagerparaden vor einem Millionenpublikum – aber Jürgen Drews' Rückzugsort im münsterländischen Dorf Rorup – einem Ortsteil von Dülmen – ist ausgerechnet eine enge Kammer im Keller seines Hauses.

Sie ist nur ein paar Quadratmeter groß, durch das Kellerfenster fällt auch an diesem strahlenden Herbsttag kaum Tageslicht. Ein schummriges Reich, in dem außer einem Schreibtisch mit Laptop, Mikrofon, Boxen, Gitarre und Banjo kaum etwas steht. Es ist das hauseigene Tonstudio.

Hier probiert er in seiner Freizeit neue Songideen aus. Die Liste auf seinem Laptop mit Ideen umfasst Hunderte von Dateien. „Das meiste davon nehme ich mit ins Grab und wird nie jemand hören“, sagt er.

Mit 72 Jahren veröffentlicht Drews nun ein Best-of-Album. Das Werk mit dem für Fans vielversprechenden Titel „Drews feat. Drews“ umfasst seine größten Erfolge – neu eingesungen und produziert.

Der Anfang von allem, der Gassenhauer „Ein Bett im Kornfeld“ aus den 70er Jahren, ist genauso auf dem Album wie das späte „Ich bau Dir ein Schloss“ von 2009. Auch alte Nummern mit den Les Humphries Singers („Mama Loo“, „Mexico“) sind zu hören, einer Gruppe, in der Drews vor seiner Solo-Karriere in den 70er Jahren sang. Das Album ist ein Partyschlager-Feuerwerk – und eine Erinnerung an fast fünf Jahrzehnte Drews im Showbusiness.

Mallorca, Jülich, Hannover, Dülmen und Berlin: Stationen von Drews in dieser Woche. Wo andere in seinem Alter schon lange in Rente sind, da hat er noch immer einen eng getakteten Terminplan. „Mir macht der Job einen tierischen Spaß, ich würde es sonst nicht mehr machen. Ich brauch es doch nicht mehr unbedingt“, sagt Drews.

Einmal pro Woche tritt er auf Mallorca auf – und er spielt als einer der wenigen die Haupt- und die Nebensaison durch. Dazu kommen Konzerte auch auf Firmenfeiern und Stadtfesten. „Bühne ist für mich wie Droge. So lange es gesundheitlich geht, mache ich das“, erzählt er. Jetzt ist noch die Promotion-Tour für das neue Album. Manchmal sei es allerdings auch ein bisschen viel, räumt er ein.

Drews – mit bürgerlichem Namen Jürgen Dönges –sieht deutlich jünger aus als er ist. Als ihn in den 70er Jahren das „Bett im Kornfeld“ als Schlagersänger berühmt machte, war ihm die Rolle nach eigenen Angaben peinlich. Schlager war für ihn keine ernstzunehmende Musik, privat mochte er viel lieber englische Pop- und Rockmusik. Aber er entschied sich, den Song aufzunehmen. „Ich mach eigentlich Sachen, von denen ich denke, muss das sein? Und dann mache ich es doch“, erzählt er.

Das „Bett“ wird ein Hit, es wird auch heute noch stets gespielt, wenn er auftaucht – doch statt den Erfolg zu genießen, fühlte sich Drews nicht wohl. „Naja, den kannst du doch nicht ernstnehmen, den Kornfeld-Sänger“, erinnert er sich. „Der Schlagerbarde. Was denkst Du, was ich gelitten habe? Ich bin verrückt geworden.“ Die Vorurteile der anderen, die er befürchtet, macht er zu seinen eigenen.

Heute hat sich das geändert: „Heute finde ich Schlager geil. Ich bin in der Altersmilde angekommen“, sagt er.

 

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