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Schwaben in Berlin : „Isch des bio?“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Prenzlschwäbin“ Bärbel Stolz hat ein Buch über die Berliner Schwaben geschrieben

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Der Höhepunkt waren Spätzle auf einem Denkmal im Prenzlauer Berg. Die Wut über zugezogene Schwaben in dem beliebten Berliner Stadtteil gipfelte vor einigen Jahren darin, dass Unbekannte deren Spezialität auf eine Skulptur der Künstlerin Käthe Kollwitz warfen.

Noch immer werden Schwaben kritisch beäugt. Die Exil-Schwäbin Bärbel Stolz versucht, mit Humor Wind aus den Segeln zu nehmen: Als „Prenzlschwäbin“ stellt die Schauspielerin seit 2014 Videos ins Netz, in denen sie sich und ihre Landsleute aufs Korn nimmt. Mit „Isch des Bio?“ (Goldmann Verlag) erscheint nun ihr erstes Buch.

Worum es darin geht? Um gut situierte, Biokuchen backende Schwabenmütter im Prenzlauer Berg natürlich. Die „Prenzlschwäbin“, die eigentlich Bärbel Stolz heißt, lässt darin kein Klischee aus. Von Müttern auf Ritalin, die ihre vermeintlich hochbegabten Kinder mehrsprachig erziehen (wollen) bis hin zur richtigen Mülltrennung auf dem Spielplatz.

Aus der Luft gegriffen ist das mitnichten. „Es kommt tatsächlich alles irgendwoher“, sagt Stolz. „Wie autobiografisch es tatsächlich ist, möchte ich gar nicht so preisgeben.“

Die 38-Jährige weiß, wovon sie spricht: Stolz wurde in Esslingen am Neckar geboren, wuchs auf der Schwäbischen Alb auf und zog vor 20 Jahren in die Hauptstadt. Dort landete sie zunächst in der Dunckerstraße im damals noch wilden Prenzlauer Berg. Inzwischen ist sie selbst Mutter zweier Kinder, denen sie als Snack am liebsten Brezeln zu essen gibt, wie sie verrät. Ihr beliebtester Clip als „Prenzlschwäbin“ namens „Shit Prenzlschwaben say“ wurde auf Facebook und Youtube in einer Woche mehr als eine Million-mal angeklickt.

Auch in ihrem Buch sammelt sie kurzweilig verschiedene Geschichten aus dem Leben der „Prenzlschwäbin“ – von Kindergeburtstagen („nur förderliche, vernünftige, schöne Dinge“ verschenken) bis hin zum Brotkauf beim angesagten französischen Bäcker (das Buchweizenbrot wird pro Person nur in begrenzter Menge ausgegeben).

Auch der Schwabenhass wird thematisiert – etwa wenn eine Freundin sich nicht traut, der Kassiererin zu verraten, warum sie so viel Käse kauft (für Spätzle) oder wenn die „Prenzlschwäbin“ Hassparolen von ihrer Hauswand entfernen muss. Das bietet so viel Stoff, dass die „Prenzlschwäbin“ demnächst sogar ins Kino kommt. Die Dreharbeiten sollen 2017 stattfinden. Lago Film mit Sitz in Berlin produziert den Streifen.

Bei so vielen Geschichten aus dem Nähkästchen dürfte eines den Leser überraschen: Bärbel Stolz wohnt gar nicht im Schwaben-Kiez, sondern seit Jahren schon in Berlin-Mitte. Das wird aber bald anders. „Ich ziehe Ende des Jahres zurück in den Prenzlauer Berg“, kündigt sie an. „Da hat sich wirklich eine Menge verändert, seit ich zuletzt vor 20 Jahren da gewohnt habe.“

Am Ende ihres Buches entwirft Stolz auch eine Version, wie der Schwaben-Kiez Prenzlauer Berg 2035 aussehen könnte – mit Badesee am Kollwitzplatz und sprechenden Mülleimern.

Wäre das wirklich ihr Ideal? Eher nicht. „Eine schöne Vorstellung für mich wäre, wenn es weniger Autos auf den Straßen gäbe und mehr Fahrradwege.“

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