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Wochenend-Interview: Leon Windscheid : Ins Dschungelcamp? Nur mit Günther Jauch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Jauch-Millionär Leon Windscheid über Angela Merkel, Romantik und seine Zukunft

Leon Windscheid hat im vergangenen Jahr bei „Wer wird Millionär?“ die Millionenfrage geknackt. Im Interview spricht der Münsteraner über gesellschaftliche Verantwortung, seine Sympathie für Angela Merkel, die Wichtigkeit von Romantik und die Chance, ihn bald im Dschungelcamp zu sehen.

„Hallo, Leon, ich bin zurzeit knapp bei Kasse, könntest du mir mit etwas Kohle aushelfen?“ Wie häufig haben Sie diesen Satz in den letzten Monaten gehört?
Von Freunden eigentlich gar nicht. Wenn, dann eher von Fremden. Und dann per E-Mail oder Brief, telefonisch eigentlich nicht.

Wie reagieren Sie auf solche Bitten?
Ich habe am Anfang den Fehler gemacht, tatsächlich dann reinzugucken – einfach interessehalber. Das Krasseste, was ich gelesen habe, war eine Mail von jemandem, der sich nicht wirklich viel Mühe gegeben hat, sondern so frei heraus sagte, er wäre von seiner Lebensversicherung betrogen worden – und seit einem halben Jahr auf der Suche nach 250  000 Euro. Anbei hinterließ er seine Kontodaten mit der Bitte um schnelle Überweisung.

Ihr Schiff, die MS Günther, soll auch für gemeinnützige Initiativen eingesetzt werden, außerdem waren Sie in Katar, um über die Arbeitsbedingungen im Vorfeld der WM 2022 zu berichten. Im Studium haben Sie mit Kommilitonen einen Verein gegründet, der kostenlose Nachhilfe für Schüler anbietet. Warum liegen Ihnen solche sozialen Projekte am Herzen?
Ich denke, wenn man plötzlich viel Geld hat oder als Unternehmer aktiv ist, muss man immer auch Verantwortung übernehmen. Es ist wichtig, dass man sich dieser Verantwortung nicht entzieht und einfach sagt: „Nein, ich mache gar nichts, ich sitze hier mit meinem Geld im Elfenbeinturm.“ Als Psychologe weiß ich zudem, dass es jedem auch etwas gibt, wenn man anderen hilft. Ich finde es sehr wichtig zu sehen, dass man etwas bewegen kann.

Gab es dafür einen Schlüsselmoment in den vergangenen Jahren, der Sie besonders berührt hat?
Als ich letztes Jahr mit meinem Freund und Reporter Tim Röhn von der „Welt am Sonntag“ in Katar gewesen bin, habe ich eine ganz andere Welt kennengelernt. Vor allem den Kontrast zwischen dem, was die Autoritäten dort für die Fußball-WM vorgaukeln, und dem, was da wirklich passiert. Was wir im Endeffekt vorgefunden haben, war moderne Sklaverei.

Sie möchten sich jetzt auch in der Flüchtlingshilfe engagieren. Sind Sie ein sehr politischer Mensch?
Grundsätzlich würde ich sagen, dass ich politisch sehr interessiert bin. Es gibt auch in Deutschland viele Dinge, die zu beklagen sind. Nämlich soziale Unterschiede, die frappierend sind und krasse Missstände darstellen. Außerdem halte ich es für ganz wichtig, dass man den Blick über den Tellerrand wagt. Wir dürfen uns nicht auf unserem Wohlstand ausruhen und Menschen auf der Flucht als eine Gefahr betrachten. Das empfinde ich als in höchstem Maße unmenschlich. Der Rechtsruck, der gerade durch Europa geht, ist die Gefahr.

Also sind Sie ein Unterstützer von Merkels Motto „Wir schaffen das schon“?
Ich bin viele Jahre überhaupt kein Merkel-Fan gewesen. Aber was sie in der Flüchtlingsthematik aufstellt gegen Stimmen in ihrer eigenen Partei und die noch viel lauteren Stimmen ihrer Schwesterpartei im Süden Deutschlands, das finde ich beachtlich. Da zolle ich ihr größten Respekt. Wenn Barack Obama dann darüber spricht, wie Deutschlands Rolle in der Flüchtlingsthematik im Ausland wahrgenommen wird, kann ich jeden verstehen, der sagt: „Ich bin stolz darauf, was wir hier gerade leisten.“

Marlene Grabherr, die erste Frau, die die Million bei Jauch geknackt hat, starb am Ende in Armut. Haben Sie die Sorge, dass auch Ihr Geld irgendwann mal futsch sein könnte?
Eigentlich hat man als Unternehmer immer die Sorge, dass man pleite geht. Aber ich lerne besser, mich von dieser Angst loszumachen. Mein Credo ist im Endeffekt: Du bist von heute auf morgen maximal reicher, als du vorher warst. Was würdest du denn alles anders machen? Ich komme dann mittlerweile zu der Einsicht, ich mache eigentlich gar nichts anders. Natürlich bin ich in der glücklichen Situation, Tätigkeiten nachzugehen, die mir große Freude bereiten. Aber das Geld hat mich nicht verändert. Die Sorge, in Armut zu sterben, habe ich auch nicht. Ob die Million, die ich gewonnen habe, dazu führt, dass ich nicht in Armut sterbe, weiß ich aber auch nicht. Ich glaube, wenn man sich nicht sehr gut im Griff hat und da kein Auge drauf hat, ist das Geld schneller weg, als man gucken kann.

Nach Ihrem Millionengewinn hat Ihre Freundin gesagt, sie glaube nicht, dass sich Ihr Leben grundsätzlich verändern werde. In den vergangenen Monaten waren Sie aber fast nur noch auf der Baustelle der MS Günther. Hatte sie also unrecht?
Die letzten Monate auf der Baustelle waren zu krass. Wenn du um 21 Uhr vom Schiff kommst und dann an den Computer musst, um die restlichen E-Mails noch fertig zu machen, die da alle auf dich einprasseln, um dann am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder aufzustehen, dann kannst du das gerne zwei Wochen lang machen. Aber dann muss auch mal Schluss sein. Bei uns waren das jetzt mehrere Monate – und das zehrt an einem. Es war notwendig, und jetzt blicke ich schon wieder lachend darauf zurück. Aber in dem Moment selbst war das nicht immer zum Lachen, und manchmal habe ich schon gedacht, dass sich unser Leben schon ein bisschen verändert hat. Aber mir und meiner Freundin war klar, dass das eine temporäre Sache ist – und jetzt ist das Ganze auch schon viel entspannter. Natürlich ist es immer noch anstrengend, wir arbeiten viel an dem Schiff.

Was ist Ihre schlechteste Angewohnheit?
Ich bin sehr unromantisch. In einer Beziehung ist Romantik aber sehr wichtig. Außerdem kann ich eher schlecht kochen und bin noch dazu unmusikalisch. Wenn ich an einem Projekt tüftele, dann vergesse ich manchmal so ein bisschen die Welt um mich herum. Dann bin ich wie der verwirrte Professor, der in seinem Labor zwischen den Büchern untergeht und dann vergisst zu essen oder sich bei den Eltern zu melden.

Stimmt es, dass RTL Sie auch schon mal in den Dschungel schicken wollte?
Das war ganz witzig. Nach meinem Millionen-Gewinn haben mir zwei Pressesprecher von RTL im Umgang mit den Medien und den ganzen Anfragen geholfen. Die waren sehr freundlich und extrem hilfreich. Der eine fragte mal lachend, ob ich nicht ins Dschungel-Camp gehen wolle. Man müsste da ja gar nicht als Verlierer herausgehen, sondern könnte auch gewinnen. Aber ich glaube, ihm war schon klar, dass ich das sicher ablehnen würde, und ich es mehr als peinlich und affig finde.

Schließen Sie es kategorisch aus, jemals an einem solchen Format teilzunehmen?
Also mit Günther Jauch zusammen würde ich ins Dschungelcamp gehen. Aber da Herr Jauch wohl eher noch den Musikantenstadl moderieren würde als in den Dschungel zu gehen, bin ich damit wohl auf der sicheren Seite.

Was denken Sie denn, wo Sie in zehn oder 20 Jahren sein werden?
Was hätte ich wohl gesagt, wenn Sie mir letztes Jahr um diese Zeit dieselbe Frage gestellt hätten? Da wusste ich noch gar nicht, dass ich mich bei „Wer wird Millionär?“ bewerben werde – und jetzt bin ich Millionär, und mir gehört ein Schiff. Jetzt zu sagen, wo ich in zehn oder 20 Jahren bin, wäre mehr als anmaßend und eher Wahrsagerei. Was ich aber gerne hätte, kann ich sagen: Ich hätte gerne eine Familie, ich hätte gerne einen Beruf und keinen Job. Also eine Berufung, das heißt für mich, dass ich etwas mache, was den Leuten etwas bringt und bei dem ich Verantwortung übernehmen kann, an dem ich Spaß habe und was ich gut kann. Ich liebe es zwar zu reisen, um andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Aber langfristig möchte ich in Deutschland wohnen bleiben. Mein Zuhause ist hier.

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