Hauschka : In Hollywood Fuß gefasst

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Der deutsche Komponist Hauschka tourt durch die USA und schreibt Filmmusiken

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07. November 2017, 12:00 Uhr

„Lion“-Komponist Volker Bertelmann ist ganz in seinem Element. In San Francisco, von Fans umringt, spricht der in Düsseldorf lebende Klangschöpfer mit dem Künstlernamen Hauschka über seine experimentelle Musik. Das sei „wie ein Drahtseilakt ohne Sicherheitsnetz“. Eine Stunde lang, ohne Pause, hat er am Klavier improvisiert und dem Instrument fremdartige, intensive Töne entlockt.

Der weltweit tourende Indiemusiker ist durch seine Soloauftritte am „präparierten Klavier“ bekannt. Dazu manipuliert er die Saiten mit Gegenständen wie Korken und Bällen, um ganz besondere Klänge zu schaffen. Er klebt auch Saiten zusammen, benutzt Filzkeile oder Holzstäbe, mit denen er dem Klavier Trommelklänge entlockt.

Seine Nordamerika-Tournee, mit Stationen von Toronto über New York bis zur US-Westküste, ist nur eine kurze Auszeit für den von Hollywood umworbenen Musiker. „Ich habe mittlerweile so viele Filmanfragen, dass ich überlegen muss, wie ich das Konzertgeschäft organisieren kann“, sagt Bertelmann.

Es war der Soundtrack für den mit Dev Patel und Nicole Kidman besetzten Film „Lion“, der den Düsseldorfer und seinen US-Kollegen Dustin O’Halloran in der vorigen Trophäensaison ins Rampenlicht rückte. Das Duo war für alle wichtigen Filmpreise nominiert, von den Golden Globes über die Baftas bis zum Oscar. Doch die Siegespreise heimste am Ende der „La La Land“-Soundtrack ein. „Es war gut, dass es nur Nominierungen waren und kein Gewinn, sonst wäre das alles noch anstrengender gewesen“, sagt der 51-jährige Komponist mit einem Augenzwinkern. Es sei „Wahnsinn“ gewesen, dass der erste große Film gleich so viel Erfolg hatte. „Wenn jetzt mehrere Projekte nachkommen, ist es klar, das dies keine Eintagsfliege war.“

Für Bertelmann ging es nach „Lion“ Schlag auf Schlag weiter. Derzeit vertont er das Terrordrama „Hotel Mumbai“, mit den Hauptdarstellern Dev Patel und Armie Hammer. Dann folgt die Musik für die Filmbiografie „Young Astrid“ über die Jugendjahre der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Auch der Soundtrack für die BBC-Serie „Gunpowder“ ist schon fertig.

Mit neun Jahren fing Bertelmann mit dem Klavierspielen an, mit 18 komponierte er Musik für die ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“. Dann ein abgebrochenes Medizinstudium, die Auflösung seiner Hip-Hop-Band „God’s Favorite Dog“, viele Jahre als Lehrer an einer Musikschule. Erst mit Mitte 30 kehrte er im Studio ans Klavier zurück, nannte sich fortan Hauschka und brachte 2004 das erste Album heraus.

Am Ende seiner Nordamerika-Tournee freut sich der Vater von zwei erwachsenen Töchtern und einem vierjährigen Sohn auf seine Familie – und auf weitere Filmprojekte. Dass er in seinem Alter noch in Hollywood Fuß gefasst habe, sei wirklich erstaunlich, meint der 51-Jährige. Und es gibt noch einen Pluspunkt: „Natürlich ist es auch so, dass die Arbeit besser bezahlt wird.“

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