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Modedesignerin : Im Museum mit Jil Sander

vom
Aus der Onlineredaktion

Harmonie, Schlichtheit, Eleganz: Seit Jahrzehnten hat die Designerin damit Erfolg . In Frankfurt werden ihre Entwürfe nun „zum ästhetischen Ereignis“. Ausstellungseröffnung mit Phantom.

Die Modedesignerin Jil Sander mag aus Norddeutschland stammen und auf den Laufstegen von Paris und New York zu Hause sein – aber Frankfurt setzt ihr nun ein Denkmal. Das Museum für Angewandte Kunst hat der 73-Jährigen eine umfangreiche Ausstellung gewidmet und dafür fast das ganze Haus leer geräumt. „Präsens“ – Gegenwart – heißt die Schau, die laut Museum die erste Einzelausstellung über Sanders Werk überhaupt ist. Sie wird am Wochenende eröffnet und ist bis Mai 2018 zu sehen.

„Jil Sander gehört zu den einflussreichsten Modedesignern ihrer Generation“, sagte Museumsdirektor Matthias Wagner K bei der Vorbesichtigung gestern. „Ihr Purismus veränderte die Vorstellung von Schönheit.“ Die Gestaltungsprinzipien seien „Harmonie, Understatement und dynamische Eleganz“.

Jil Sander – 1943 als Heidemarie Jiline Sander im ländlichen Schleswig-Holstein geboren – studierte zunächst Textilingenieurswesen und arbeitete für Modezeitschriften. Mit 24 Jahren eröffnete sie eine Boutique und gründete 1968 die Jil Sander GmbH. In den 80ern eroberte sie mit zeitlosen und schlichten Kreationen die Modewelt. Über den Schaffensprozess erfährt der Besucher der Ausstellung allerdings wenig. Ebenso wenig wie über die Entwicklung ihres Stils durch die Jahrzehnte. Die Ausstellung beleuchte ihre Ästhetik, sagte Wagner K, der die Schau zusammen mit Sander kuratiert hat. Keine Retrospektive sollte es werden, sondern ein „Gesamtkunstwerk, das durch Jil Sanders Präsenz zum ästhetischen Ereignis wird“.

In einem Raum laufen auf deckenhohen Leinwänden Ausschnitte aus Laufstegschauen, in anderen hängen Fotostrecken. In einem kahlen Zimmer sind schwarze Kleider, Jacken, Mäntel an abstrakten Puppen zu sehen. In einem anderen verschwinden bunt gemusterte Kreationen vor ebenso gemusterten Wänden zu einem Suchbild. Das alles ist luftig arrangiert, schlicht und elegant. Hypnotische Musik durchflutet die lichten Räume.

Bei der Gestaltung der Schau war Sander stark involviert. Man spürt ihre Handschrift überdeutlich. Er habe Jil Sander erlebt als jemanden, „der immer bis ans Letzte geht“, sagte der Museumschef gestern.

Eigentlich habe sie eine Museumsausstellung nie interessiert, sagte Sander in einem Interview. Sie sei immer „gegen eine Puppenparade“ gewesen, „weil Kleider, wenn sie nicht getragen werden, ihre Energie verlieren“. Nun aber habe sie sich gefragt: „Wie sehe ich, was ich bisher gemacht habe, mit meinem Auge von heute, wie beurteile ich das, was ich sehe?“ Bei der Vorbesichtigung gestern schwieg die 73-Jährige. Sie war zwar im Museum, saß bei der Pressekonferenz aber nicht auf dem Podium. Zum Fototermin erschien Sander ganz in Schwarz mit Sonnenbrille wenige Sekunden und verschwand ohne ein Wort wieder.

 

 

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