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Senta Berger : „Ich glaub die Zahl 75 nicht“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Senta Berger hat in diesem Jahr zwei persönliche Feiertage: ihren 75. Geburtstag und ihre Goldene Hochzeit

Senta Berger gehört zu den ganz Großen im deutschsprachigen Film- und Fernsehgeschäft. In mehr als 100 Kinofilmen hat sie mitgespielt – und mit nun bald 75 Jahren geht sie noch nicht in Rente. Im Interview mit Britta Schultejans erzählt sie, was sie an der Schauspielerei liebt, warum sie inzwischen ihre Söhne um Rat fragt– und warum ihr Mann Michael Verhoeven ihr auf der Wiesn ein Herz schießen muss.

Was fasziniert Sie eigentlich am Schauspiel-Beruf?

Berger: „Faszinieren“ ist vielleicht nicht das richtige Wort. Natürlich – als Teenager, so mit 16, da war ich von der großen Kinoleinwand fasziniert und von den Geschichten über Stars in den wenigen Illustrierten, die es damals gab. Der Beruf bedeutet aber so viel mehr. Um Menschen und ihre Geschichten spielen zu können, muss man erst einmal Menschen verstehen lernen und vor allem sich selbst.

Durchlässig zu sein, sich zu öffnen, seine Gefühle zu zeigen, aber auch klug zu zügeln – das ist ein langer Lernprozess. Was ich wirklich „faszinierend“ finde – und hier passt das Wort unbedingt - ist, wie bei Filmarbeiten in einem Bruchteil von Sekunden alles zusammenkommt: Fantasie, Imagination, Disziplin, Konzentration, Technik, Handwerk, Licht, Wetter. Das ist unglaublich herausfordernd.

Wenn das dann glückt, freut man sich, ist erleichtert, geht heim, kocht Abendessen und ist wieder die Senta.

Verstehen Sie sich als politische Künstlerin?

Ich verstehe mich als politisch interessierte Bürgerin. Ich interessiere mich für unsere Gesellschaft und unsere Zeit. Ich bin keine politisch motivierte Aktionskünstlerin, aber natürlich nimmt man seine Überzeugungen auch in die Arbeit mit. Unsere Produktionsfirma Sentana hat 50 Filme produziert und in jedem steckt unsere Haltung. Vor Jahren habe ich die Ostpolitik der SPD unterstützt. Ich fand die Öffnung dem Osten gegenüber richtig. Da war ich natürlich für das Gegenlager „die rote Hexe“. Aber ich habe keine Schwierigkeiten, zu meiner Meinung auch öffentlich zu stehen, wenn ich danach gefragt werde.

Wie ist das berufliche Verhältnis zu Ihren Söhnen? Fragen sie Sie um Rat?

Ja, schon. Aber langsam kehrt sich das Verhältnis um, wie sich das gehört. Ich werde jetzt zum ersten Mal mit Simon einen Film machen. Eine Satire über eine Familie, die einen Flüchtling aufnimmt.

Simon ist ein völlig unabhängiger, sehr eigensinniger Filmemacher, der leider – das hat er von mir – auch ein großer Zweifler ist. Mein Mann hat immer mit bewundernswerter Naivität und Freude an seine Arbeiten geglaubt. Ich habe mich von früh auf eigentlich immer infrage gestellt. Es entsteht zwar auch etwas aus dieser latenten Unsicherheit und Überprüfung, aber man nimmt sich auch viel und manchmal ist das schwer auszuhalten.

Mein Sohn hat ganz große Disziplin – das könnte ich gar nicht. Seinen Horrorfilm „Unfriend“ hat er in monatelangem Schnitt zusammengestellt und an jedem Effekt herumgetüftelt. Ich hätte wahrscheinlich längst hingeworfen. Ich bewundere ihn auch dafür. Er ist ein sehr guter Regisseur. Gisela Schneeberger hat in Simons erstem Film seine Mutter gespielt und hat gesagt: Der ist genau wie sein Vater, der liebt Schauspieler. Darum hoffe ich, dass er mich auch lieben wird.

Feiern Sie die Goldene Hochzeit im Herbst groß?

Das wissen wir noch nicht. Es kann sein, dass ich da aus München gar nicht weg kann, weil ich für „Unter Verdacht“ drehe. Aber wir machen zu unserem Hochzeitstag gerne etwas, das für uns beide große Bedeutung hat: Wir gehen auf die Wiesn. Denn unseren Polterabend am 25. September haben wir im Schottenhamel-Zelt gefeiert. Am nächsten Tag sind wir zum Standesamt gegangen, aber die wenigsten Gäste wussten das. Nur unsere Eltern und enge Freunde. Und das war so schön und so lustig.

Daran erinnern wir uns natürlich gerne und darum gehen wir immer am 26. auf die Wiesn, fahren Achterbahn, was wir damals auch gemacht haben und mein Mann schießt mir ein Herz, wie er das damals auch gemacht hat.

Gibt es solche Rituale an Ihrem Geburtstag auch?

Ich bin eigentlich ein Geburtstagsmuffel. Es fällt mir schwer, die Jahre mit zufälligen Geburtstagen einzuteilen. Die Zeit rast und wir rasen mit. Nein, sagt Kästner: Wir sind es, die rasen – Die Zeit steht still. Die letzten fünf Jahre sind so unglaublich schnell vergangen, ich kann es gar nicht beschreiben. Freunde von mir sind gestorben, der Helmut Dietl, Roger Willemsen. Das schmerzt und eben wurde ich noch gefragt: Na, wie fühlt man sich mit 70, Frau Berger? Und das soll schon fünf Jahre her sein? Ich kann die Zahl 75 aussprechen – aber ich glaube sie nicht.

 

 

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