Traumzauberbaum : „Ich brauche nur mein Kinderherz“

Knallrote Brille und blonde Haare: Monika Ehrhardt-Lakomy
Knallrote Brille und blonde Haare: Monika Ehrhardt-Lakomy

Wie Monika Erhardt-Lakomy auch mit 70 die Erfolgsgeschichte „Traumzauberbaum“ alleine am Leben erhält

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18. September 2017, 05:00 Uhr

„Warum seh ich nie ein Ei? Ja was wär denn schon dabei? Mich doch auch mal zu benutzen, statt mich immer nur zu putzen.“ Der Song vom unzufriedenen Eierbecher hat schon Generationen von Kindern begeistert – ebenso wie die anderen Lieder vom „Traumzauberbaum“. Die Schallplatte aus dem Jahr 1980 wurde und wird bei vielen Familien immer wieder aufgelegt. Sie ist das erfolgreichste Gemeinschaftswerk des Künstler-Paares Reinhard Lakomy und Monika Ehrhardt-Lakomy: Sie schrieb die Texte, er lieferte die Kompositionen. Vor vier Jahren starb der Musiker „Lacky“ an Krebs. Sie hält nun das Unternehmen „Traumzauberbaum“ mit diversen Verästelungen allein am Leben – und zwischendurch feiert die agile Autorin heute nun ihren 70. Geburtstag.

Mit ihrer knallroten Brille, den kurzen blonden Haaren und der knallroten Kleidung ist die zierliche Künstlerin kaum zu übersehen. Zu Lebzeiten des beliebten Komponisten – er schuf auch Musicals, Ballett- und Filmmusik und Jazz-Werke - hatte sie in seinem Schatten gestanden. So mancher wisse bis heute nicht, dass die Texte der Kinderlieder von ihr stammen, sagt sie. „Er war der Frontmann, ich hatte es schön bequem hinter ihm – und jetzt habe ich richtig viel Arbeit.“

Schon als Achtjährige steht die gebürtige Thüringerin auf der Bühne des Theaters in Greiz, während des Abiturs macht sie eine Maurer-Ausbildung, dann studiert sie klassisches Ballett, reist mit einer Tanzkompanie um die Welt und absolviert ein Fernstudium der Kulturwissenschaften. 1977 heiratet sie Reinhard Lakomy. Seit 1981 ist Monika Ehrhardt freie Autorin - von Fernsehfilmen, Bühnenwerken, Kurzgeschichten und mehr als ein Dutzend Hörspiel-CDs. „Meine Arbeit ist mein Hobby“, sagt die vielseitig begabte Wahl-Berlinerin, die als Kind drei Berufswünsche hatte: Tänzerin, Schriftstellerin und Kapitän. Zwei hat sie sich ganz erfüllt, den Dritten zumindest halb: Auf einem See in Brandenburg hat sie ein Boot, auf dem sie auch schöpferisch arbeitet. Und so manche Texte entstehen bei Aufenthalten auf ihrer Lieblingsinsel Elba. Faul am Strand liegen – das ist nicht ihr Ding.

Die „Geschichtenlieder“ mit dem Regentropfen Paule Platsch, der frechen Nudel Springginkel, dem dicken Kürbis Kugel und den Waldgeistern Waldwuffel und Moosmutzel, die es als Hörbücher und als Bühnenstücke gibt, wurden zum Dauerbrenner. Doch woher nimmt die quirlige Mutter einer Tochter ihre Ideen?

„Ich brauche keine bestimmten Umstände, nur meinen Kopf und mein Kinderherz“, berichtet die Künstlerin. Als Kind habe sie viel gelesen und manchmal ganz allein im Wald übernachtet – oder auf einem Hochstand auf dem Apfelbaum Gedichte verfasst. 350 Lieder hat das Ehepaar Lakomy gemeinsam geschaffen – in jahrzehntelanger Arbeitsteilung. „Er war mein Komponist, er hat mit niemand anderem mehr arbeiten wollen“, sagt die Witwe. Im März 2013 starb Reinhard Lakomy im Alter von 67 Jahren im gemeinsamen Haus in Berlin an Lungenkrebs.

Monika Ehrhardt-Lakomy führt nun das Unternehmen „Traumzauberbaum“ alleine weiter und hat jede Menge Projekte und Ideen. Sie schreibt das Drehbuch für einen „Traumzauberbaum“-Animationsfilm. „Das muss ein Klassiker werden - so wie die CD!“, sagt die Künstlerin. Der „Traumzauberbaum“ wurde millionenfach verkauft. Auch die nächste CD habe sie „schon im Kopf“. An mehreren Grundschulen betreut sie Inszenierungen von Lakomy-Bühnenwerken. „Ich bin streng und verlange was – und die Kinder lernen Disziplin und Gemeinsinn.“

Auch bei ihr Zuhause gibt es nach dem Tod von Reinhard Lakomy keinen Stillstand. Gemeinsam hatten sie beschlossen, dass in sein Studio ein Kindergarten einziehen soll. Wo der Komponist einst alleine frickelte, toben nun zehn Kinder.

Sophia-Caroline Kosel

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