Jürgen Prochnow wird 75 : Hollywoods Bösewicht vom Dienst

Prochnow (r.) mit Herbert Grönemeyer in seiner Paraderolle als der Alte in dem Kriegsdrama „Das Boot“
Prochnow (r.) mit Herbert Grönemeyer in seiner Paraderolle als der Alte in dem Kriegsdrama „Das Boot“

Schon mit 40 Jahren war Jürgen Prochnow in dem legendären Kriegsdrama „Das Boot“ der Alte – heute nun wird er 75

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10. Juni 2016, 08:00 Uhr

Jürgen Prochnow war schon mit vergleichsweise zarten 40 Jahren „der Alte“: 1981 schrieb er Filmgeschichte als Kommandant in Wolfgang Petersens legendärem Filmdrama „Das Boot“. Jetzt kommt er langsam in ein Alter, in dem der Spitzname von früher passt. Heute wird Prochnow 75 Jahre alt. „Als ich 50 wurde, dachte ich schon, dass mein Leben vorbei ist“, sagte er kurz vor seinem Geburtstag. „Bei 75 bin ich jetzt relativ entspannt.“ Seinen Ehrentag will Prochnow in Düsseldorf verbringen – im Filmmuseum wird er über sein Leben und Werk sprechen und mit Weggefährten feiern. Das Filmmuseum widmet ihm vom 10. bis 30. Juni eine Filmreihe.

Neben seiner Ausbildung zum Bankkaufmann jobbte er Anfang der 1960er-Jahre im Düsseldorfer Schauspielhaus als Statist und Beleuchter. Dort habe er die Anziehungskraft des Theaters gespürt, erzählt er. An der renommierten Folkwang-Schule studierte er dann Schauspiel und trat an zahlreichen Bühnen auf.

Die Rolle in einem TV-Krimi veränderte schließlich sein Leben: 1973 wurde er von Petersen, mit dem er acht Jahre später auch „Das Boot“ drehen sollte, für den „Tatort“ „Jagdrevier“ engagiert. Drei Jahre später schrieben beide mit dem Liebesdrama „Die Konsequenz“ TV-Geschichte. Prochnow spielte darin einen Homosexuellen. Der Bayerische Rundfunk blendete sich aus dem Programm aus.

1981 dann bedeutete „Das Boot“ für beide, Regisseur Petersen und Schauspieler Prochnow, den internationalen Durchbruch. Seit dem Welterfolg des Films gehört Prochnow zu Hollywood.

Prochnow spielte in David Lynchs „Wüstenplanet“ (1984), in „Beverly Hills Cop II“ (1986) an der Seite von Eddy Murphy und mit Madonna in dem Erotik-Thriller „Body of Evidence“ (1992). Wieder für Regisseur Petersen schlüpfte er in dem Film „Air Force One“ (1997) als Gegenspieler von Harrison Ford in die Rolle eines russischen Rebellen.

Prochnow hat mit Ralph Fiennes zusammen in „Der englische Patient“ gespielt, mit Sylvester Stallone in „Judge Dredd“ und mit Tom Hanks in „Sakrileg“. In der Erfolgsserie „24“ gab er den Anführer eines osteuropäischen Verbrecherrings. Obwohl seine Rolle in „Das Boot“, die ihm den internationalen Durchbruch bescherte, eine sympathische war, ist er in den USA meist auf Bösewichte abonniert.

Er erschrecke manchmal selbst darüber, wie sehr er sich in Rollen hineinsteigere, sagte er dem „Playboy“. „Man lernt ja eigentlich als Schauspieler, diesen schmalen Grat nicht zu überschreiten.“ Sonst könne man nicht mehr arbeiten. „Aber manchmal kommt man nahe dahin.“

Als er in den 80er-Jahren den Film „Ich muss sie töten“ gedreht habe, in dem er einen Mann spielte, der seine Frau umbringt, habe seine damalige Ehefrau Angst vor ihm bekommen: „Sie wollte nicht mehr mit mir zusammen in einem Bett liegen.“

Heute ist Prochnow in dritter Ehe mit seiner Schauspielkollegin Verena Wengler verheiratet. Das Paar lebt in Los Angeles und München, will aber so bald wie möglich nach Berlin umziehen – in Prochnows Geburtsstadt.

An den Ruhestand verschwendet der Schauspieler keinen Gedanken. Solange es gehe und er interessante Rollenangebote erhalte, wolle er weitermachen. Erst im April stand er in Kiel für einen „Tatort“ vor der Kamera.

In Deutschland und der Ukraine drehte er den Film „Leanders letzte Reise“, in dem er einen 95-Jährigen spielt – einen wirklich „Alten“.

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