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24. Oktober 2017 | 04:31 Uhr

TV-Tipp : Helden am Herd

vom

Zwei Männer, ein Restaurant: Daraus lässt sich doch etwas machen. Aber ganz so einfach ist das nicht, wie eine dänische TV-Serie auf Arte nun erzählt.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 00:01 Uhr

Kochen ist notwendig, kann aber auch zu einer Leidenschaft werden - oder gar zum Verhängnis. Ein Sommelier und ein Koch versuchen also, ein Restaurant zu eröffnen.

Darum geht es in der achtteiligen dänischen Serie «Bankerot», die unter dem deutschen Titel «Helden am Herd» an diesem und am kommenden Donnerstag mit jeweils vier Folgen am Stück (20.15 Uhr, Arte) zu sehen ist.

Ein kleiner Junge schreckt nächtens aus dem Schlaf; er hatte einen Alptraum, dann beginnt er zu zeichnen. Niklas (Viktor Lykke Clausen) ist seit dem Tod seiner Mutter verstummt. Er hatte mitansehen müssen, wie sie knapp zwei Jahre zuvor von einem Auto überfahren worden war. Auch sein Vater Thomas (Martin Buch) hadert mit dem Verlust - er trinkt seitdem und gibt sich ziemlich lethargisch. Der Legastheniker versucht erfolglos, alte Möbel und ausrangierte Kühlschränke zu verkaufen. Sie wohnen in einer üblen Bruchbude, und er sollte sich viel mehr um Niklas kümmern, auch weil die Schulpsychologin Thomas das Sorgerecht entziehen will.

Derweil wird ein Freund von ihm aus Kindheitstagen, Dion (Esben Dalgaard), auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Er taucht prompt bei Thomas auf, richtet sich bequem auf seinem Sofa ein und macht einen längst vergessenen Vorschlag. Gemeinsam wollen sie in Thomas' nicht gerade einladend wirkendem Haus ein Restaurant eröffnen - schließlich ist Dion ein leidenschaftlicher Koch und Thomas ein ebensolcher Sommelier. Es gelingt ihm, seinen verhassten Vater Kurt (Finn Nielsen) dazu zu bringen, ihnen das nötige Kleingeld zur Verfügung zu stellen. Soweit, so gut - wenn da nicht der Mafia-Sprössling Zahnfee (schön fies: Nicolas Bro) wäre, der auf die Begleichung von Dions Schulden besteht und dabei auch nicht davor zurückschreckt, ihm den kleinen Finger abzuhacken. Später gibt es sogar ein paar Leichen.

Die Serie ist ansonsten nicht brutal, sondern angenehm ruhig erzählt, und die Bilder sind in eher pastellfarbene Töne getaucht. Sie lebt vor allem von den durchweg eigenwilligen, aber eben auch sehr liebenswerten Figuren, die nur scheinbar auf der Verliererseite stehen und von den Schauspielern mit viel Herzblut und Feingefühl verkörpert werden. Es mangelt nicht an einiger Situationskomik - wofür auch zwei Frauen sorgen: Hannah (Rikke Louise Andersson) aus Thomas' Trauergruppe, und Dions Ex-Gefängniswärterin Kisser (Lærke Winter), mit der er ein Verhältnis hatte. Sie will auch jetzt nicht von ihm lassen.

Für die gut sitzenden Dialoge ist Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson (58, «Ein Mann von Welt», «Gnade», «Einer nach dem anderen») verantwortlich. Er ist zwar auch Comiczeichner, aber der originelle Vorspann stammt vom Peter Anderson Studio. In einem Arte-Statement zu seiner Serie sagt Aakeson: «Eine Restaurantküche wird von Feuer, Flunkereien, Messern und Drogen beherrscht - eine gute Kulisse für dramatische Szenen». Da ist was dran - aber die Dramatik gibt es auch außerhalb der Küche: Der Vertrag für das Restaurant hat es in sich, denn Papa Kurt möchte statt gehobener Küche lieber gutbürgerliche Speisen und den Namen «Mutters Mahlzeit» haben. Dann werden merkwürdige Baumaterialien (brauner Nadelfilz für den Speiseraum) geliefert, und ein fast pensionierter Kommissar taucht auch noch auf. Aber über allem steht: Zum Kochen gehört Liebe.

Helden am Herd

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