Country- und Schlagersänger : Gunter Gabriel ist tot

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Erfolge, Abstürze, Comebacks: Gunter Gabriels Leben glich einer Achterbahnfahrt. Nun ist er gestorben - nach einem Treppensturz.

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22. Juni 2017, 16:17 Uhr

Das Management des Künstlers hat es bestätigt: Gunter Gabriel ist nach einem bewegten Leben gestorben. Der bekannte Sänger, Freund von Johnny Cash und Komponist litt seit Jahren unter schweren gesundheitlichen Beschwerden und sorgte immer wieder durch seine wirtschaftlichen Probleme für Aufsehen. Im Januar 2016 nahm er am Dschungelcamp teil, verließ die Show aber nach wenigen Tagen wegen eines Schwächeanfalls.

Laut der Agentur war Gabriel einen Tag vor seinem 75. Geburtstag (11. Juni) von einer Steintreppe gestürzt. In einem Krankenhaus in Hannover sei er dreimal operiert worden. „Doch er schaffte es nicht. Heute Vormittag hat das Herz eines großen Musikers aufgehört zu schlagen“, teilte die Agentur am Donnerstag mit. Beim Pressebesuch wenige Tage zuvor sagte der Musiker, er wolle noch „mindestens 20 Jahre“ leben. „Aber dafür muss ich was tun“, sagt er. „Im Moment muss ich an meinen Körper denken, daran, dass ich wieder gesund werde. Ich merke, dass ich schnell abbaue.“

Als Dschungelcamp-Bewohner mit Toupet und ohne Hemmungen sahen ihn junge TV-Zuschauer damals vielleicht überhaupt zum ersten Mal. Ältere kannten ihn bereits als Musiker, der mit Eskapaden und Schulden, mit Pöbeleien und zotigen Bemerkungen Stoff für Boulevardberichte in den Medien lieferte. Und noch Ältere hatten seine Hits im Ohr, mit denen er es in den 70er Jahren in die Charts geschafft hatte. Mit „Er ist ein Kerl (Der 30 Tonner Diesel)“ fing 1973 alles an, Lieder wie „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ oder „Komm' unter meine Decke“ landeten in den Top 10.

Der aus Westfalen stammende gelernte Maschinenschlosser Günther Caspelherr, der durch seine Frau Gabriele zu seinem Künstlernamen kam, stach heraus aus der damaligen Schlagerszene. Er schrieb Lieder für andere, etwa „Wenn du denkst, du denkst“ (Juliane Werding), und war selbst zum Fernfahrer-Idol, zum Malocher-Musiker geworden. „Ein bisschen Macho, ein bisschen Punk, ein bisschen Proll“ - so sieht er sich. „Die Trucker sind mir schon immer die wichtigsten Leute gewesen. Das sind die Helden für mich“, sagt er. Auch an seinem Geburtstag will er bei einem Truckertreffen auf der Bühne stehen.

Gabriel kannte die große Show und er kannte den Absturz. Neue Hits blieben aus, seine Ehen zerbrachen, bei Immobiliengeschäften verspekulierte er sich und verlor Millionen. Alkohol und Affären und ein Leben auf der Autobahn - jahrelang war er auf der Straße zu Hause. Gestrauchelt, aber nicht gescheitert: 2009 kehrte er ins Rampenlicht zurück, als „Sohn aus dem Volk“ mit dem gleichnamigen Album - wie schon vorherige Stücke eine Hommage an die 2003 gestorbene Countrylegende Johnny Cash. Eine weitere folgte mit dem Musical „Hello, I'm Johnny Cash“.

Jetzt ist die markante tiefe Stimme verstummt. Der Raum auf seinem Hausboot, in dem er viele Papiere aufbewahrt, sah beim Geburtstagsbesuch nach einem wilden Durcheinander aus. Aber seine Tagebuchsammlungen hatte Gabriel ebenso schnell zur Hand wie Auszüge zu Schulden.

„Frauen sind das Wichtigste, das es gibt im Leben“, sagte er damals. „Ich möchte ohne Frau nicht leben, aber ich kann es.“ Es gebe eine Frau, die ihm sehr wichtig und auch seine „beste Freundin“ sei. Vier erwachsene Kinder hat Gabriel, an seinem Geburtstag werde er aber keines von ihnen sehen. Dieser Tag sei für ihn einer wie jeder andere. „Die 75 ist für mich nichts Bedeutsames, es geht doch immer weiter.“ Nicht glücklich, sondern beglückt, beschrieb sich Gabriel, der sich auch gern einen „Pflegelfall“ nannte und selbst eingefleischte Fans bei Auftritten mit ungehobelten Sprüchen schockte.

„Ich bin okay, ich bin nur anders - und das will ich auch sein“, sagte er. Wenn ihm ein Arzt sage, er habe bestimmte Probleme, weil er ein alter Mann sei, fordere ihn das geradezu heraus. „Ich bin ein Lösungsmann, kein Jammermann. Ich löse Probleme.“

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