Student als Bürgermeister : Großer Ärger wegen Satire

Henricus Pillardy
Henricus Pillardy

Aktion eines Studenten aus Nordhessen endet vor Gericht

svz.de von
19. September 2017, 21:00 Uhr

Ist es ernst oder Satire? Bei Henricus Pillardy kann man sich nie sicher sein. Der 23 Jahre alte Student aus Nordhessen steht morgen vor Gericht wegen Wählertäuschung und Volksverhetzung. Pillardys Reaktion: „Das Dorf versammelt sich und bereitet in wilder Freude die finale Lynchjustiz vor“, schreibt er öffentlich im sozialen Netzwerk Facebook.

Mit einer Satire begann für den 23-Jährigen in der nordhessischen Kleinstadt Volkmarsen auch der Ärger. Denn dort forderte der Student 2016 den Amtsinhaber Hartmut Linnekugel (parteilos) im Rathaus heraus. Sein Ziel: für Aufruhr sorgen.

Das gelang dem Studenten. Mal indem er für die Legalisierung von Cannabis warb, mal indem er überspitzt die Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht kommentierte. So schrieb Pillardy, er lehne monokausale Erklärungen dafür ab – und gab die Schuld Dunkelhäutigen, die „ihre Triebe nicht im Griff haben“, und Frauen, „welche sich immer so aufreizend anziehen müssen“.

Das brachte ihm eine Anzeige wegen Volksverhetzung ein. Der zweite Vorwurf, dem er sich morgen stellen muss, ist Wählertäuschung.

Beim Sammeln der Unterschriften für seine Kandidatur soll er vorgegeben haben, Stimmen zur Rettung des Freibades und eines Jugendraums zu sammeln. Bei der Wahl hatte Pillardy keine Chance: Er bekam nur 4,7 Prozent der Stimmen.

Dafür musste er im November vor Gericht. Das blieb ohne Urteil: Ob er die Unterschriftenlisten manipulierte, sollte zunächst ein Gutachten klären. Sollte Pillardy diesmal vom Amtsgericht Korbach verurteilt werden, droht ihm voraussichtlich eine Geldstrafe. Der Student lädt im Internet dazu ein, die Verhandlung zu verfolgen. Schon im November hatte er angekündigt, man könne ihn dort in „sokratischer Manier für sein Leben kämpfen sehen“.

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