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Oliver Kalkofe : „Godzilla war mein Lieblings-Schauspieler“

vom
Aus der Onlineredaktion

Oliver Kalkofe liebt das Medium TV und findet scharfe Worte für schlechte Formate

Oliver Kalkofe ist eine feste Größe der Fernsehkritik. Der 50-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren und über mehrere Sender hinweg mit seiner „Mattscheibe“ im deutschen Fernsehen unterwegs, er macht sich darin über stammelnde Moderatoren, dilettantische Schauspieler und billige Produktionen lustig. Im Interview mit Benedikt Wenck spricht er über schlechte Filme, die Affäre Böhmermann und darüber, warum Fernsehverantwortliche ihre eigenen Sendungen sehen sollten.

Mit den „Schlechtesten Filmen aller Zeiten“ ist Ihnen und Peter Rütten auf Tele 5 ein Nischen-Erfolg gelungen. Haben sie nicht Angst, Fans dieser Filme auf die Füße zu treten?

Kalkofe: Jeder schlechte Film hat auch Fans, die dann wütend darüber sind, dass wir uns darüber lustig machen. Das gehört aber dazu. Die alten Godzilla-Filme habe ich als Kind im Kino mit absoluter, ehrlicher Begeisterung gesehen. Godzilla war mein Lieblings-Schauspieler. Später, als ich 18 oder 19 Jahre alt war, kamen die Filme dann im Fernsehen und ich war schockiert, wie schlecht die waren. Später, wenn man im Erwachsenen-Leben angekommen ist, kommt die Selbstironie, mit der man darüber lachen kann.

Haben die Produzenten die neueren Godzilla-Filme auch so verkauft?

Die professionelle Verarschung des Zuschauers – daraus entstehen heute ganze Industrien. Ein großer Teil im TV und Kino ist Schrott. Früher, bei den Kinofilmen in den 50er- und 60er- Jahren, war es noch etwas unbedarfter, da war alles noch recht naiv. Die haben auch sehr viel Mist gemacht, aber nicht mit so viel bösem Willen. Heute geschieht das mit Zynismus.

Was zum Beispiel?

Was uns an Scripted Reality im Fernsehen gezeigt wird, das ist schlechter als jeder „SchleFaZ“. Da wird bewusst Müll produziert. Keiner macht sich mehr Gedanken, ob das irgendeinem Menschen Freude macht oder unterhält. Das wird lieblos und gedankenlos hingerotzt und das nur aus einem Grund: Es ist billig und füllt Sendezeit. Da ist nichts mehr zu sehen, was den Geist von Fernsehen hat – und das macht mich wütend und ärgerlich.

Wenn es eine Sache gäbe, die Sie am deutschen Fernsehen ändern könnten, was wäre das?

Jeder Redakteur und jeder Zuständige für eine Serie oder einen Film, vor allem für Scripted Reality, wird gezwungen, sich sein Produkt in voller Länge selbst anzuschauen. Auf einem Sessel sitzend, angeschnallt. Der wird aufhören, so etwas zu machen, weil er merken wird, dass ihm seine eigene Lebenszeit zu schade ist.

Sind Sie es leid, wie zuletzt in der Affäre um Jan Böhmermann, Satire erklären zu müssen?

Ich glaube jeder, der mit Satire oder Humor zu tun hat, ist es leid, darüber immer wieder reden oder dafür kämpfen zu müssen. Ich finde es erschreckend, weil Humor nicht diese Kraft hat zu verletzen, dass Leute ihre Ehre angekratzt sehen oder dass man dafür im schlimmsten Fall tötet. Das geht mir nicht in den Kopf rein. Es ist doch viel besser, wenn man das abperlen lässt und sagt: Erzähl, was du willst. Bist selber scheiße.

Fanden Sie die Schmähgedicht-Performance denn witzig?

Ich möchte dazu kein Urteil abgeben. Wie ich das fand, ist völlig egal. Ich habe mich tierisch geärgert, wie viele Satiriker und Comedians in Sendungen saßen und gesagt haben: „Ich fand das auch nicht lustig. Ich habe es nicht gesehen, aber dieses Gedicht ist furchtbar. Ich habe zu diesem Thema viel Besseres gemacht.“ Und dann haben sie alle präsentiert, was sie dazu gemacht haben, um auf der Welle mitzuschwimmen.

Abgesehen von den eigenen Projekten – worauf freuen Sie sich?

Ich bin im Herzen immer Fan und Kind geblieben. Ich bin immer auf der Suche, was es Neues im Fernsehen, an Filmen oder Comics gibt. Ich freue mich wie ein Kind, wenn der nächste Bond oder Superhelden-Film kommt. Ich kaufe mir Fan-Artikel und T-Shirts oder ersteigere Action-Figuren. Wenn ich es dann schaffe, eine coole Figur zu einem guten Preis zu holen, dann freue ich mich.

 

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