Interview Mickie Krause : Glaube, Geld, Grenzen

imago82931086h

Ballermann-Star Mickie Krause über die Grundpfeiler seines Lebens

von
08. Juli 2018, 05:00 Uhr

Auf der Bühne gefeierter Entertainer, zu Hause bodenständiger Familienvater: Sänger Mickie Krause gelingt es wie kaum einem anderen deutschen Künstler, Berufliches von Privatem derart stringent zu trennen. Im Interview spricht er über seinen Erziehungsstil, die AfD, seinen Glauben und die Auswirkungen der „MeToo“-Debatte auf seine Branche.

Herr Krause, Sie sind mittlerweile vierfacher Vater. Was fällt Ihnen leichter: die Kinder zu erziehen oder auf der Bühne zu stehen?
Naja, als Künstler muss man die Gabe besitzen, ein Publikum zu unterhalten. Wenn man die nicht hat, wird es schwer, die Bühnen zu rocken. In die Rolle des Vaters wächst man dagegen rein. Wenn man da mal einen schlechten Job macht, wird dir das verziehen. Als Künstler kann man sich das nicht erlauben.

Wie würden Sie sich denn Ihren Erziehungsstil charakterisieren?
Ich bin sehr konsequent. Das bin ich auch in meinem Job, auf mich ist immer Verlass. Diese Konsequenz versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln. Sie sollen lernen, dass es gewisse Richtlinien gibt, an die man sich halten muss. Es ist wichtig, dass Kinder mit einem roten Faden durchs Leben laufen. Und den versuchen meine Frau und ich ihnen zu vermitteln. Natürlich kommt auch mal die Situation vor, dass die Kinder uns gegenseitig ausspielen wollen. Aber dann muss man als Eltern ein eingespieltes Team sein. Das klappt bei uns hervorragend.

Sie haben eine Ausbildung zum Erzieher gemacht und sind dann ins Musikbusiness gewechselt. Wirklich gebrochen mit Ihrer Vergangenheit scheinen Sie nicht zu haben, immerhin bezeichnen Sie Ihren Job als Künstler gerne als „pädagogischen Beruf“. Wie meinen Sie das?
Scherzhaft sage ich immer: Früher war ich Jugend- und Heimerzieher – und heute ist die Klientel auf meinen Konzerten dieselbe. Ich sehe jetzt aber keinen wirklichen pädagogischen Auftrag in meinem Schaffen. Mein einziger Auftrag ist es wohl, für gute Laune zu sorgen.

Sie behaupten von sich, dass Sie eigentlich nie schlecht gelaunt seien. Mit was kann man Sie trotzdem ärgern?
Ich lasse mich eigentlich nicht mehr ärgern. Außer vielleicht, wenn Falschmeldungen über mich verbreitet werden – von Medien oder Künstlerkollegen. In den vergangenen Jahren gab es einige Berichte darüber, was Künstler auf Mallorca oder in Deutschland verdienen. Da wurden viele Zahlen falsch dargestellt. Es hieß zum Beispiel, dass ich vier Millionen Euro pro Jahr verdiene. Das wurde einfach schlecht recherchiert und war absolut peinlich. Es zeigt aber auch, wie viel Macht die Medien haben, dass solche Meldungen hängen bleiben. Ansonsten ärgert mich das Finanzamt alle paar Monate. Natürlich verdiene ich gutes Geld. Aber es wird häufig vergessen, dass mehr als die Hälfte davon wieder abgezogen wird. Vier Kinder, eine Frau, ein Hund und ein Haus müssen zudem noch finanziert werden.

Aber klagen können Sie ja eigentlich nicht, oder?
Es geht mir sehr gut. Aber es hat auch Jahre gegeben, in denen ich sehr belächelt wurde und in denen ich nicht so viel verdient habe. Finanziell waren die Anfangsjahre schon schwierig. Aber zum Glück hat sich das zum Positiven gewendet. Ich hatte nie den Anspruch, mit meiner Musik viel Geld zu verdienen. Mittlerweile habe ich aber den Eindruck, dass viele Künstler, die nach Mallorca gehen, dies nur machen, um Geld zu scheffeln. Sie vergessen, dass es eigentlich darum geht, ein Publikum zu unterhalten.

Sie sind jetzt auf Mallorca seit 20 Jahren erfolgreich im Geschäft. Andere Künstler scheitern dagegen dort recht schnell. Warum?
Der Hauptgrund ist, dass sie keinen Hit landen. Wenn ich mich in eine Location auf Mallorca stelle und nur andere Lieder covere, geht das schief. Zudem muss man die Gabe besitzen, das Publikum unterhalten zu können. Die meisten Leute können das nicht. Selbst, wenn man mal einen Hit gelandet hat, muss man diesen Erfolg erst mal bestätigen. Sonst wird die Luft da oben ganz schnell sehr dünn. Ich und mein Team haben in diesem Bereich in den vergangenen Jahren mehr Glück als Verstand gehabt.

Sie sind ein sehr gläubiger Mensch. Was bedeutet der Glaube für Sie?
Der Glaube gibt mir Halt in vielen Situationen, er hat für mich sehr viel mit Gemeinschaft zu tun. Ich versuche das auch meinen Kindern zu vermitteln. Früher habe ich viele Messen mitorganisiert, war als Jugendlicher mehrmals in Taizé – was mich sehr geprägt hat. Leider schaffe ich es aber nur noch zwei- oder dreimal pro Jahr in die Kirche.

Die Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder, die Gottesdienste sind bis auf Weihnachten schlecht besucht. Können die Kirchen möglicherweise sogar etwas von Ihnen lernen? Immerhin schaffen Sie es ja, bei Ihren Konzerten für volle Säle zu sorgen?
Auch ein Priester muss ein Entertainer sein. Wenn der eine Messe abhält, muss er auch versuchen, sein Publikum zu erobern. Hier in der Gegend gibt es aber einige gute Priester, denen das auch gelingt. Ich finde es aber immer schade, wenn sich die Menschen über die Kirche aufregen. Man sollte stattdessen aktiv mitwirken. Kirche kann nur funktionieren, wenn man sich mit einbringt und sich dafür einsetzt, Missstände zu beheben.

Gibt es in Ihrer langen Karriere einen Moment, den Sie bereuen?
Im vergangenen Jahr habe ich einen Beitrag für das ZDF gemacht zum Thema „Wir reden über Geld“. Eine Woche zuvor hatten RTL und die „Bild“-Zeitung falsche Zahlen über die Verdienste in unserer Branche veröffentlicht. Deshalb wollte ich mal Tacheles reden – auch über meine sieben Doppelhaushälften und die Tatsache, dass ich 10 000 bis 15 000 Euro pro Auftritt verdiene. Von vielen Leuten habe ich Lob für den Beitrag erhalten, weil sie wussten, wie hart ich dafür kämpfen musste. Anderen Personen hat es dagegen nicht gefallen.

Weil sie den Beitrag als arrogant empfanden?

Ein bisschen schon. Geld ist in Deutschland generell ein schwieriges Thema. In Amerika klopft man dir auf die Schulter, wenn du eine Million verdienst. Hier ist dagegen der Neidfaktor sehr groß. Auf der anderen Seite würde niemand mit mir tauschen wollen.

Warum machen Sie den Job dann?
Musik und Gesang waren schon immer mein Leben. Mein Schlüsselerlebnis war mit 16 Jahren, als ich mit meiner Band bei einem Talentwettbewerb in Rheine aufgetreten bin. Ich war damals der derjenige, der die ganze Halle binnen kürzester Zeit auf links gezogen und 3000 Leute begeistert hat. Damals habe ich meine Unterhalterqualitäten bemerkt. Von da an bestand meine Intention darin, weiterzumachen und das zu bestätigen. Das hat sich bis heute nicht verändert. Der Spaßfaktor steht für mich an oberster Stelle. Geld ist nicht mehr mein Antrieb, sondern meine Leidenschaft für die Musik. Was gibt es Schöneres, als bei der Arbeit Spaß zu haben und den Menschen einen tollen Abend zu bereiten.

Ihre Songs wurden schon des Öfteren als angeblich frauenverachtend und sexistisch kritisiert. Auch andere Mallorca-Sänger sehen sich häufig diesen Vorwürfen konfrontiert. Hatte die MeToo-Debatte irgendeinen Einfluss auf Ihre Branche?
In keinster Weise. Wir haben uns da gar nicht wirklich mit auseinandergesetzt. Die Songs sind sicherlich häufig doppeldeutig. Aber ich habe den Eindruck, dass die Menschen oftmals etwas völlig Falsches in die Lieder hineininterpretieren. Bei meinem Song „Biste braun, kriegste Fraun“ gab es sogar den Vorwurf, dass das Lied rechtsradikal angehaucht wäre. Dabei wäre ich die letzte Person, die die AfD wählen würde. Viele machen sich einfach keine Gedanken über meine Texte. Sie müssten einfach nur zuhören – dann wüssten sie, worum es geht. Wir haben nicht die Intention, frauenfeindlich zu wirken.

Bis auf Mia Julia gibt es aber nur wenige Frauen, die in der Branche erfolgreich sind. Ist die Mallorca-Szene sexistisch?
Nun ja, bis vor einigen Monaten hat Mia Julia immer auf der Bühne blank gezogen. Vielleicht hat sie ja auch dazu beigetragen, dass die Szene sexistisch ist und dass Frauen auf ihren Körper reduziert werden. In anderen Musik-Genres gibt es aber auch nur wenige Frauen, die erfolgreich sind. Im Schlagerbereich zum Beispiel gibt es Helene Fischer und Andrea Berg – und dann lange erst mal nichts. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Frauen ein schlechteres Standing bei den Plattenfirmen hätten.

Woran liegt es dann?
Vielleicht ist es halt doch so, dass Lieder von Männern ein bisschen besser oder kompatibler sind. Ich glaube, letztlich ist es eine Frage der Qualität. Wenn man berühmte Bands anschaut, fällt auf, dass sie selten aus Frauen bestehen. Welche Frau füllt denn heute noch ein ganzes Stadion? Das sind vielleicht Madonna oder Jennifer Lopez. Mir fallen auch nur zwei, drei Frauen ein, deren Musik ich gerne mag.

Sie haben vorhin die AfD angesprochen. Bereitet Ihnen der Rechtsruck in der Gesellschaft Sorge?
Beunruhigt muss man immer sein. Wenn ich mir beispielsweise die Querelen in der Union anschaue, frage ich mich manchmal, ob die handelnden Personen überhaupt noch wissen, was sie machen – und für wen sie eigentlich da sein müssten. Der Rechtsruck wird immer größer. Deshalb muss man ihm massiv entgegentreten. Wenn es von mir verlangt würde, würde ich mich dafür auch einbringen. Immerhin habe ich auch gegenüber meinen Kindern eine Verantwortung. Die AfD gehört einfach nicht in den Bundestag.

Sie haben mal gesagt, dass RTL Ihnen eine Million Euro bieten müsste, damit Sie ins Dschungelcamp ziehen würden. Hat es das Angebot schon gegeben?
Nein, aber ich würde auch noch nicht mal mehr für eine Million da mitmachen.

Was ist denn jetzt Ihre Grenze?
Es gibt keine. Vor ein paar Jahren habe ich beim TV-Format „Hell’s Kitchen“ mitgemacht. Da war ich auch elf Tage lang eingeschlossen und von meiner Familie getrennt. Da zehn, elf Stunden pro Tag gedreht wurde, fühlte ich mich auf Schritt und Tritt verfolgt. Im Dschungelcamp sagen ja viele Teilnehmer, dass sie nach ein paar Tagen die Kameras vergessen hätten. Ich würde mich dagegen zu sehr beobachtet fühlen. Außerdem hat die Redaktion die Möglichkeit, dich darzustellen, wie du eigentlich gar nicht bist. Hinzu kommt: Ich bin eigentlich viel zu harmoniebedürftig, um dort Stress zu machen. Aber von den Reibereien lebt ja eigentlich dieses Format.

Sie lassen eine gewisse Medienkritik durchblicken. Glauben Sie, dass dort Falschmeldungen lanciert werden, um für eine Schlagzeile oder hohe Einschaltquoten zu sorgen?
Wir haben keine guten Journalisten mehr. Ich glaube, dass die meisten Leute, die auf Mallorca journalistisch tätig sind, weder eine richtige Ausbildung hatten noch anderweitig kompetent gebrieft wurden. Die professionelle Arbeit einiger Journalisten lässt dort sehr zu wünschen übrig. Es geht nicht mehr darum, etwas sachlich und fair zu berichten. Vielmehr hauen sie etwas raus, was in vielen Fällen gar nicht stimmt. Mit diesen Medien arbeite ich nicht mehr zusammen, wenn so etwas passiert ist. Keine Medienpräsenz ist mir wichtiger als falsche.

Ihr Sänger-Kollege Jürgen Drews ist über 70 und steht noch auf der Bühne. Können Sie sich das auch vorstellen?

Mein Rentenbescheid wird am 30. Juni 2037 zugestellt. Dann bin ich 67 Jahre alt – und bis dahin werde ich auf jeden Fall noch machen.

Und danach?
Ich kann mir schon vorstellen, weiterhin auf der Bühne zu stehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen