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Ungewöhnliche Mitarbeitersuche : Gesuche mit Fleischeslust

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Um zu zeigen, wie attraktiv der Metzger-Job ist, greift Annette Kopf zu ungewöhnlichen Mitteln

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die junge Frau trägt einen knappen Bikini – und ein Stück Fleisch über der Schulter. Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern hat eine Metzgerin das Wort „Fleischbeschau“ wörtlich genommen: Annette Kopf (43) aus dem schwäbischen Städtchen Lauffen am Neckar macht Aufsehen mit einer sexy Stellenausschreibung. Denn neben ihrem Gesuch ist eine knapp bekleidete junge Frau zu sehen. „Wenn Sie diese Voraussetzungen mitbringen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung als Fleischereifachverkäufer/in“ heißt es.

Gemeint sind nicht die optischen Reize, sondern Eigenschaften wie „Freude, Begeisterung, Engagement“, wie auf dem Plakat zu lesen ist. Warum die Metzgerin mit Fleischeslust um Mitarbeiter buhlt? „Wir wollten einfach mal was Knackiges machen“, sagt die 43-Jährige, die damit zeigen will, wie attraktiv der Job sein kann.

Das finden derzeit nämlich nicht alle: Bestimmt zwei Jahre lang suche sie schon nach Leuten, erzählt Kopf. Immer mal wieder fanden sich auch Interessenten - doch die warfen nach einigen Wochen wieder hin oder waren ständig krank, wie die Metzgerin erzählt. „Im Handwerk muss man halt einfach körperlich arbeiten“, räumt Kopf ein. Die meisten schrecke ab, „dass man dabei schmutzig wird“.

Deutlich wird das vor allem beim Nachwuchs. „Hier ist die Zahl der Auszubildenden seit 2010 um mehr als ein Drittel zurückgegangen“, erklärte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit mit Blick auf die deutschlandweite Entwicklung.

Die ausgeschriebene Stelle habe durchaus Vorzüge, betont Metzgerin Kopf. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Man hat jeden Tag andere Kunden.“ Vom Schlachten bekämen Fachverkäufer ohnehin nichts mit. „Viele denken noch, Fleischer müssen halbe Schweine durch die Gegend tragen“, sagt Gero Jentzsch, Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbandes. „Es gibt generell einen Mangel an Jugendlichen, die eine Ausbildung im Handwerk machen wollen“, sagt er. „Das Fleischer-Image hat nochmal ein besonderes Geschmäckle.“ Hat das Plakat mit der halbnackten Frau auch ein Geschmäckle?

Justizminister Heiko Maas (SPD) will zumindest sexistische Werbung in Deutschland unterbinden. Über einen Entwurf zur Änderung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb soll die schwarz-rote Regierung in Kürze beraten. Der Vorstoß des Ministers hatte jedoch auch Kritik geerntet.

Bei Facebook gibt es zur Ausschreibung der Metzgerin geteiltes Echo. „Also ich finde es total daneben“, schreibt eine Nutzerin. Männern scheint es zu gefallen: „Ich nehm’ 500g von dem Fleisch unter dem Schinken.“

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