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Regina Thoss wird 70 : „Gesang ist mein Lebenselixier“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Regina Thoss ist viel mehr als die „Milva des Ostens“. Auch zu ihrem 70. Geburtstag steckt sie voller Pläne

Heinz Quermann konnte diese Stimme einfach nicht überhören: Als der Entdecker so vieler ostdeutscher Sänger 1964 nach Karl-Marx-Stadt reiste, hatte die 18 Jahre alte Regina Thoss ihre Mikrofonprobe beim Vorsingen für die Sendung „Herzklopfen kostenlos“ bereits absolviert. Doch als „Heinz, der Quermann“ die Aufnahme eines von Thoss gesungenen Chansons hörte, war er wie elektrisiert. Umgehend fuhr er nach Zwickau, klingelte an der Wohnungstür von Familie Thoss und sagte zur Mutter: „Ich will ihre Tochter.“ Regina Thoss muss heute noch über diese Szene lachen.

An diesem Sonntag hat „die Thoss“ ihren 70. Geburtstag. Eine große Party fand unlängst schon mit Freunden und Kollegen statt. Thoss feierte Mitte Juni ein besonderes Jubiläum. Gut 50 Jahre zuvor hatte sie ihren Berufsausweis als Sängerin erhalten. „Da haben wir es richtig krachen lassen“, erzählt die Künstlerin.

Eigentlich steht Regina Thoss länger als 50 Jahre auf der Bühne. Bereits im Alter von 12 sang sie vor Tausenden Menschen auf der großen Freilichtbühne in Zwickau Volkslieder. In der Schule nutzte sie Pausen zum Auftritt vor Mitschülern. Ihr Klassenlehrer förderte sie. Im Schulchor war Regina Thoss Erster Sopran und lernte dort auch klassisches Repertoire kennen. Während der Oberschulzeit erhielt sie Unterricht in Klavier und Gesang am Robert-Schumann-Konservatorium ihrer Heimatstadt. Schon damals stand der Sängerberuf für sie fest: „Meine Stimme war für mich wie eine Berufung. Ich wollte nichts anderes als singen.“

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Mit dem noch druckfrischen Berufsausweis in der Tasche wurde Regina Thoss zum Internationalen Schlagerfestival der Ostseeländer nach Rostock delegiert. Sie gewann auf Anhieb mit dem Lied „Die erste Nacht am Meer“. Der Sieg brachte ihr Einladungen in viele Länder ein. Durch Hochzeit, Ehe und die Geburt ihres Kindes folgte eine Auszeit. „Trotz einer schwierigen Lebensphase war die Geburt meines Sohnes der glücklichste Moment meines Lebens“, sagt Thoss.

Im Rückblick empfindet sie die Pause sogar als Vorteil: „Wenn man so jung und unerfahren in der Branche ist, kann es passieren, dass man durch plötzlichen Erfolg leicht die Bodenhaftung verliert.“ 1968 stand sie wieder auf der Bühne und bekam im Studio für Unterhaltungskunst gemeinsam mit Nina Hagen Gesangs- und Schauspielunterricht. Thoss räumte nun im In- und Ausland Preise ab.

Nicht nur beim Song Contest International in Castlebar (Irland) wurde sie als beste Interpretin geehrt. Lieder wie „Die Liebe ist ein Haus“ oder „Rom-ta-rom“ avancierten zu Hits.

Als die Wende in der DDR kam, war Thoss schon lange als Stargast auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Diese Engagements und ihre Vielseitigkeit erleichterten den Übergang in die neue Zeit. Zwölf Jahre war sie mit ihrer Band „Evergreen Juniors“ durch mehr als 30 Länder getourt und hatte sich dabei ein breites Repertoire erarbeitet. Auch auf dem „Traumschiff“ sang sie Schlager, Seemannslieder, Musical-Melodien, Folksongs oder Rock’n’ Roll. Ein Hamburger Journalist hörte sie mit dem Lied „Zusammenleben“ von Mikis Theodorakis und gab ihr den Beinamen „Milva des Ostens“.

„Im Westen hat man natürlich nicht gerade auf uns gewartet. Bis zum Mauerfall waren wir Exoten, und plötzlich waren wir die Konkurrenz“, meint die Sängerin und lacht. Sie ist dankbar dafür, ihren Beruf ohne große Unterbrechungen bis heute ausüben zu können: „Der Gesang gibt mir positive Energie. Er ist für mich auch immer ein Ventil gewesen. Menschen meine Gefühle zu zeigen und ihnen Freude zu bereiten, das alles gab mir Kraft in schwierigen Lebenssituationen. Gesang ist für mich ein Lebenselixier.“ Wenn es nach ihren Fans geht, soll das noch lange so bleiben.

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erstellt am 09.Jul.2016 | 09:00 Uhr

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