Dagobert Duck wird 70 : Geld, Gier und Gamaschen

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Die reichste Ente der Welt: Dagobert Duck feiert seinen 70. Geburtstag – ist aber eigentlich schon 150

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01. Dezember 2017, 06:25 Uhr

Den Hechtsprung in die goldenen Wogen beherrscht der Rentner wie eh und je. „Leute, die Geld ausgeben, verstehen nichts von den wahren Freuden eines Kapitalisten“, strahlt Dagobert Duck und krault im Comic – „schnorch! schnurch!“ – durch sein Meer aus Münzen.

Dass er die reichste Ente der Welt ist, weiß nicht nur jedes Kind. Der knausrige Fantastilliardär aus Entenhausen muss oft als Symbol herhalten, wenn es um Geld, Gier und Geiz geht – und das nun schon seit 70 Jahren.

Dabei hat sich die Welt gehörig verändert, seit Donalds reicher Onkel das Licht der Welt erblickte. Weihnachten 1947 tauchte Scrooge McDuck, wie er in den USA heißt, erstmals in einer Entenhausen-Geschichte von Zeichnerlegende Carl Barks auf. Benannt nach dem Geizhals Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, saß er da noch einsam im Ohrensessel seiner Fabrikantenvilla und schimpfte: „Grauenhaftes Fest!“

80 Jahre alt sei der greise Schotte schon damals gewesen, errechnete Barks-Nachfolger Don Rosa in der Biografie „Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden“ – Geburtsjahr: 1867, vor 150 Jahren. Seine erste Million im Goldrausch Nordamerikas: 1899. Seit den frühen Comics wurde Dagobert zwar immer jünger und fitter. Die Falten auf dem Schnabel verschwanden, der Backenbart war weniger zerzaust. Doch auch modisch, mit Zylinder, Gehrock, Spazierstock, Zwicker und Gamaschen, blieb Dagobert eine Ente seiner Zeit.

Die Milliardäre von heute tragen schon lange keine Zylinder mehr. Wer heute Geld hortet, lässt es sich in Briefkastenfirmen vermehren oder investiert in digitale Kryptowährungen wie Bitcoin. „Natürlich wirkt ein Dagobert Duck bisweilen ein bisschen wie aus der Zeit geraten“, sagt Peter Höpfner, Chefredakteur beim Verlag Egmont Ehapa. Schon beim Arbeitsethos: Dagobert ist stolz darauf, wie hart er sich sein Vermögen – eine Schätzung: fünf Fantastilliarden, neun Trillionen Taler und 16 Kreuzer – erarbeitet hat.

Trotzdem ist der Knauser auch im 21. Jahrhundert immer wieder Sinnbild, wenn es um Reichtum geht – in der Bankenkrise etwa oder Steuerpolitik. Auch für politische Parabeln. „Der Punkt ist: Man kann nicht zu gierig sein!“, ließ US-Satiriker Stephen Colbert jüngst Dagoberts Synchronsprecher vorlesen. „Teil meiner Schönheit ist, dass ich sehr reich bin.“ Die Zitate in Entenstimme stammten von US-Präsident Donald Trump.

Christina Peters

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