Donald Trump : „Geistig sehr stabiles Genie“

Ist Donald Trump mental fit oder nicht?
Ist Donald Trump mental fit oder nicht?

Debatte um Geisteszustand des US-Präsidenten erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt. Trump geht in die Offensive

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07. Januar 2018, 21:00 Uhr

Es waren denkwürdige Augenblicke, wie sie die USA von den Amtsinhabern im Weißen Haus bisher noch nie erlebt hatte. Ein Präsident, der gegen jene in die Offensive geht, die seinen Geisteszustand und seine mentale Fitness für das hohe Amt anzweifeln. Zunächst gab es am Wochenende – von Camp David aus – eine Serie von Tweets von Donald Trump. Dann folgte eine Pressekonferenz mit Größen der Republikaner. Die Kernaussage des Präsidenten war dabei typisch Trump: Er sei ein „geistig sehr stabiles Genie“, brüstete er sich über die von ihm so geliebte Twitter-Plattform, und „sehr schlau“. Bei dem Medienauftritt wenig später nahm er sich sowohl den Autor des für ihn wenig vorteilhaften Enthüllungsbuchs „Feuer und Zorn“, Michael Wolff, wie auch den darin zitierten früheren Chefstrategen Stephen Bannon („Er hat den Verstand verloren“) vor – und beklagte, dass ihm die geltenden Gesetze nur wenig Schutz vor Verleumdung böten. Trump nannte das Buch eine „Schande“, „langweilig und unwahr“ und „frei erfunden“. Wolff bezeichnete er als „Loser“ (Verlierer).

Damit wurde eine Debatte erstmals auf die öffentliche Bühne gehievt, die bislang meistens nur hinter vorgehaltener Hand geführt worden war. Doch das Wolff-Buch hat sie auf für Trump brutale Art und Weise demaskiert: In dem Werk behauptet der Autor, dass „100 Prozent des Trump-Teams“, also auch Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner, Zweifel an der Kompetenz des Präsidenten hätten – und dass diese Zweifel in den letzten Monaten nur noch gewachsen seien.

Trump hatte schon früher gerne seine Intelligenz verteidigt – unter anderem mit dem Satz, er habe einen der höchsten Intelligenz-Quotienten. Diese Argumentation griff er jetzt in Camp David wieder auf. Er sei auch ein „sehr exzellenter Student“ gewesen, sagte Trump, der als „Top-Geschäftsmann“ Milliarden Dollar verdient habe, dann zum Fernsehen gegangen sei und auch dort „enormen Erfolg“ gehabt habe. Ob diese Strategie klug ist, wird von Experten in Washington bezweifelt. Es wäre wohl besser gewesen, ganz das Thema zu wechseln, kommentierte gestern ein CNN-Analyst. Das Magazin „politico“berichtete jetzt, einige besorgte Volksvertreter auf dem Kapitol hätten kürzlich sogar einen Psychatrie-Professor der Yale-Universität vorgeladen, um eine bessere Einschätzung über den Präsidenten zu bekommen. Allerdings hatte dieser Mediziner Trump nie persönlich untersucht – so dass diese Aktion wohl eher als rein politischer „Stunt“ zu sehen ist.

Kommentar des Autors: Ist er verrückt?
Ist Donald Trump das, was man gemeinhin als „verrückt“ bezeichnen würde? Die Debatte um diese brisante Frage ist nicht nur in den USA, sondern auch in Europa spätestens seit dem Enthüllungsbuch „Feuer und Zorn“ mit voller Wucht entbrannt. Wer den Präsidenten jetzt als geistesgestört abstempelt, dürfte allerdings eines übersehen: Das Verhalten, das so unter der Lupe ist, hat ihn bereits durch seine Karrieren als Moderator und Immobilienjongleur begleitet. Trump war immer eine Figur, an der man sich reiben konnte. Ein impulsiver Mann, der gerne protzt und für den Fakten interpretierbar sind. Und er ist eine Person, der Gefühle und vor allem Ärger rücksichtslos offen zeigt – ganz im Gegensatz zu anderen Politikern wie Angel Merkel, deren Emotionen-Richterskala gewöhnlich auf der Null-Anzeige festgefroren steht. Diese Charakterzüge machen Trump noch nicht verrückt im medizinischen Sinn. Sondern zu einem politischen Exoten.
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