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Vermisster geborgen : Gefährliche Wanderung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mann nach 47 Tagen im Himalaya gerettet - seine Freundin stirbt entkräftet in Höhle

Am Ende waren es die Geier, die das zweite Rettungsteam nach wochenlanger Suche zu den Vermissten führten. Sie kreisten über einer Schlucht, in die ein Wasserfall stürzte. Ein rotes Tuch am Eingang einer Höhle unter dem Wasserfall war schließlich das Signal: Die Retter hatten das seit 47 Tagen vermisste Paar aus Taiwan endlich gefunden.

Die Mitteilung des nepalesischen Reiseveranstalters „Asian Trekking“, der die Suche anführte, liest sich teilweise wie ein Krimi – mit gleichzeitig glücklichem und schrecklichem Ausgang. Denn als das Team am Mittwoch endlich die Höhle erreichte, fand es dort nur noch eine Person lebend vor. Der junge Taiwanese, der gestern seinen 22. Geburtstag im Krankenhaus feierte, konnte gerettet werden. Seine 19-jährige Freundin war, wie er erzählte, drei Tage vorher gestorben.

Der Fall wirft ein Licht auf die Gefahren von Wanderungen in den nepalesischen Ausläufern des Himalaya-Gebirges. Das Paar war dem Bericht von „Asian Trekking“ zufolge ohne Bergführer unterwegs, als es in einem Schneesturm die Orientierung verlor. Als dieser sich verzog, seien sie einem Fluss gefolgt, von dem sie hofften, er würde sie zu einer Siedlung führen, so habe es der 22-Jährige erzählt.

Stattdessen seien sie abgerutscht, als sie am Wasserfall entlang in die Schlucht hinabstiegen – und fanden wegen der steilen Steigung weder einen möglichen Auf- noch einen Abstieg. Nachdem ihre Vorräte aufgegessen waren, sei ihnen wochenlang nichts als Salz und Wasser geblieben, um zu überleben, wie der Mann „Asian Trekking“ zufolge sagte. D. B. Koirala, Vorsitzender der nepalesischen Bergrettungsvereinigung HRA, sieht die Schuld für den Vorfall auch bei den Behörden: „Warum hat die Regierung zwei Touristen erlaubt, solch eine schwierige Route ohne einen Bergführer zu wandern?“ Eigentlich gibt es in Nepal seit 2015, als ein Erdbeben große Teile des Landes verwüstete, entsprechende Gesetze: Demnach darf kein Tourist größere Wanderungen ohne einen Bergführer machen. „Es ist offensichtlich, dass diese Regel nicht streng durchgesetzt wird“, sagt Koirala.

Größere Unfälle und Tote im Himalaya sind keine Seltenheit. Im Jahr 2014 starben 16 Sherpas bei einer Lawine auf dem Mount Everest. Im gleichen Jahr kamen 39 Wanderer während eines Schneesturms in der Annapurna-Region ums Leben. Zudem fürchten Bergsteiger zunehmend den Klimawandel. Im Himalaya gibt es tausende Bergseen. Sollte einer davon wegen schmelzender Eismassen aus seinem Tal ausbrechen, wären nicht nur Wanderer gefährdet.

John Parajuli und Stefan Mauer

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