Deutsche First Lady : „Frauen nach vorne“

dpa_14972a00c1135d24

Vom Gerichtssaal ins Schloss Bellevue: Elke Büdenbender und ihr neuer Job als First Lady.

von
21. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Die Richterrobe hängt jetzt frisch gereinigt bei ihr zu Hause. Elke Büdenbender (55) hat ihre Arbeitskleidung am Berliner Verwaltungsgericht gemocht. Wenn sie die Robe anhatte, wusste jeder gleich: Da sitzt die Chefin. Seit neun Monaten hat Elke Büdenbender einen neuen Job. Unbezahlt, aber mit hohen Erwartungen: als Deutschlands First Lady. Ihr Alltag: Reisen durch die Bundesländer und in die weite Welt, Besichtigungen, Selfies, Small Talk, Grußworte, Schirmherrschaften, Protokoll und Akten.

Elke Büdenbender und Frank-Walter Steinmeier sind mehr als 20 Jahre verheiratet. Er machte Karriere in der Politik, sie als Juristin. Als Steinmeier im März Bundespräsident wurde, stellte sich die Frage, ob seine Frau weiter als Richterin arbeitet oder eben nicht. Elke Büdenbender erlebte das Dilemma vieler Frauen in Deutschland: Wie man es macht, ist es verkehrt. Sie fand die Debatte befremdlich. „Seitdem ich 16 bin, war ich entweder in der Ausbildung, habe studiert oder gearbeitet. Wie kann da jemand auf die Idee kommen, dass ich keine selbstbewusste Entscheidung treffe? Nach mehr als 20 Jahren als Richterin war das ein guter Zeitpunkt, eine Zeit etwas anderes zu machen.“

Hinter ihrem Schreibtisch im Schloss Bellevue hängt wie bei ihrer Vorgängerin ein Bild des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff, am Fenster ein Selbstporträt, das Tochter Merit (21) zu Schulzeiten malte. Ein Foto der Queen erinnert an den Besuch vor Kurzem in London.

Elke Büdenbender hat ein ansteckendes Lachen und Charme. Das Beste an Frank-Walter Steinmeier sei seine Frau, hieß es schon mal. Bei den vielen Reisen des Bundespräsidenten hat man nicht den Eindruck, diese seien eine Pflichtübung für seine Frau. Ihr ist es wichtig, bei Gesprächen nachzufragen. Sie nimmt Anteil am Schicksal ihrer Gesprächspartner.

2010 hatte ihr Mann ihr eine Niere gespendet. Das hatte eine Welle der Anteilnahme und Sympathie ausgelöst. Gerade sind die beiden in die Dienstvilla nach Berlin-Dahlem gezogen, wo auch schon Steinmeiers Vorgänger Joachim Gauck und Christian Wulff gewohnt haben. Ihr Haus in Zehlendorf haben sie auch aus Sicherheitsgründen verlassen müssen. Im neuen Heim sei es im Moment noch ein bisschen wie zu Besuch, sagt Büdenbender. Zum Abschalten rupft sie gerne Unkraut aus dem Garten.

Der neue Job? Büdenbender engagiert sich für das Kinderhilfswerk Unicef, das Müttergenesungswerk und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung. Das haben ihre Vorgängerinnen auch gemacht. Sie will sich besonders um das Thema berufliche Aus- und Weiterbildung kümmern.

Das passt zu ihrer eigenen Biografie: Die Siegerländerin machte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und war die Erste in der Familie, die studierte. Ihre Mitgliedschaften in der Gewerkschaft und in der SPD ruhen momentan. Aber sie weiß, wo sie herkommt.

Ob sie Feministin ist? „Diesen Begriff scheue ich überhaupt nicht. Für mich gibt es keinen Grund, Frauen zu benachteiligen. Natürlich: Frauen nach vorne!“ Auch die Frauenquote findet sie gut, die MeToo-Debatte über sexuelle Belästigung und Übergriffe hat sie „wirklich erschüttert“.

Weihnachten feiern Steinmeier und Büdenbender wie viele andere auch: Sie teilen es zwischen seiner und ihrer Familie. Heiligabend tischt Steinmeiers Mutter Ursula ein Gericht aus ihrer alten schlesisches Heimat Breslau auf: Kasseler mit Sauerkraut und Kartoffeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen