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Konventionell : Filmbiografie «Rodin»: Kalt wie Marmorstein

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In «Rodin» beschreibt der französische Regisseur Jacques Doillon das manische Schaffen des Bildhauers und sein Verhältnis zu Frauen. Dabei ist ein Bild des weltbekannten Künstlers entstanden, das überrascht.

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erstellt am 28.Aug.2017 | 11:29 Uhr

Er knetet den Ton, so als würde er sich mit der Materie eine Schlacht liefern. Dafür hat Frankreichs Leinwandstar Vincent Lindon lange geübt. Sechs Monate lang habe er bei einem Bildhauer Unterricht genommen.

Denn in dem biografischen Drama «Rodin» des Franzosen Jacques Doillon ist er in der Rolle des berühmten Bildhauers zu sehen. Doch der 58-Jährige, der 2015 in dem Film «Der Wert des Menschen» mit dem Preis des besten Schauspielers der Festspiele in Cannes ausgezeichnet wurde, überzeugt diesmal nicht, ebenso wenig wie der Film.

Die Geschichte setzt im Jahr 1880 ein. Zu diesem Zeitpunkt ist Auguste Rodin bereits ein anerkannter Künstler. Er hat Gehilfen und Schülerinnen und erhält vom französischen Staat seinen ersten Auftrag, den Entwurf eines Bronzeportals für das Pariser Museum für dekorative Künste. Das «Höllentor» wird sein Lebenswerk werden, denn Rodin arbeitete 37 Jahre an den rund 200 Figuren des sechs Meter hohen Portals.

Im Jahr 1883 lernt Rodin die 24 Jahre jüngere Camille Claudel kennen. Sie wird seine Schülerin, Muse und Geliebte. Die Beziehung ist leidenschaftlich und schwierig. Claudel leidet unter dem Verhältnis zu Rose, der Mutter von Rodins Sohn. Nach mehr als zehn Jahren trennt sie sich von Rodin, weil er sie nicht heiraten will.

Die Geschichte ist den meisten aus dem Film «Camille Claudel» von Bruno Nuytten mit Gérard Depardieu als Rodin und Isabelle Adjani als Claudel bekannt. Das Doku-Drama zog 1988 Millionen von Zuschauern vor die Leinwand. Doch Doillon präsentiert uns eine Lesart, die jener widerspricht, die Claudel als verkannte und tragische Künstlerin darstellt.

«Ich glaube nicht an die Darstellung, dass Rodin ihr Genie unterdrückt und ihre Karriere verhindert hat», sagte der 73-Jährige in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Talent hätte sie durchaus gehabt, meinte er. Doch während sie dem 19. Jahrhundert treu geblieben sei, habe sich Rodin der Moderne verschrieben.

«Rodin» soll kein Antifilm sein. Er habe das Drama nicht gedreht, um Rodins Image zu rehabilitieren, erklärte Doillon. Doch sei der Künstler in den 1980er Jahren in der Literatur und im Kino schlecht behandelt worden.

Und so präsentiert Doillon Claudel nicht als Künstlerkollegin, sondern als Geliebte. Es wird leidenschaftlich geliebt und ebenso heftig gestritten. Lust und Wut folgen aufeinander, doch keine der Emotionen springt auf den Zuschauer über. Lindon Vincent überzeugt ebenso wenig wie die 26-jährige Iziä Higelin als Claudel.

Rodin à la Doillon ist ein besessener Künstler und Schürzenjäger. Die einzige Beziehung, die etwas Einblick in die Psyche der Figuren erlaubt, ist die mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Rose, eine einfache bäuerlich wirkende Frau, die Rodin wenige Monate vor seinem Tod im November 1917 heiratete.

Doillon gilt als einer der umstrittensten Autorenfilmer. Auch an seinem Rodin scheiden sich die Geister. Während sein Drama, das in Cannes 2017 im Hauptwettbewerb gezeigt wurde, von der französischen Presse eher positiv aufgenommen wurde, fiel es bei den angelsächsischen Kritikern durch.

Als konventionell, frauenfeindlich und kalt wie Marmorstein wurde der Film qualifiziert. Die amerikanische Fachzeitschrift «Hollywood Reporter» schrieb: «Für einen Film, der die Ausdruckskraft der Dreidimensionalität feiern sollte, ist «Rodin» schrecklich flach geworden».

Rodin, von Jacques Doillon, Frankreich, Belgien, 2017, 119 Min., FSK ab 6, mit Vincent Lindon, Izïa Higelin, Séverine Caneele

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