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Barack Obama in Berlin : Fast schon der Messias

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Barack Obama kommt zum Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Berlin

von
erstellt am 11.Apr.2017 | 21:00 Uhr

„Ja, er kommt“. Als die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Christina aus der Au, am Dienstag vor Journalisten in Berlin diese Worte sprach, klang ihre Stimme fast schon wie bei einer Ankündigung der Wiederkehr Christi: So groß war die Begeisterung für den mit Abstand prominentesten Teilnehmer des Protestantentreffens, das vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfindet. Denn Barack Obama, der ehemalige US-Präsident kommt dafür nach Deutschland. Vor dem Berliner Brandenburger Tor wird er in einer von Aus der Au und dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm moderierten Podiumsdiskussion mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Thema „Engagiert Demokratie gestalten – zu Hause und in der Welt“ sprechen.

Wie es dazu kam, dass Barack Obama seinen vielleicht sogar größten öffentlichen Auftritt nach dem Ausscheiden aus dem Amt ausgerechnet beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin absolviert? Heinrich Bedford-Strohm probierte es gestern mit etwas Understatement: „Ich habe Barack Obama im Sommer letzten Jahres einfach zum Reformationsjubiläum eingeladen“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Doch auch das Kanzleramt und – im Jahr des Bundestagswahlkampfs durchaus bemerkenswert – der dem Kirchentag eng verbundene frühere Bundesaußenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hätten dazu beigetragen, dass Obama nach Deutschland kommt, präzisierte der EKD-Ratsvorsitzende auf Nachfrage. Zuletzt war Obama im November 2016 zu seinem Abschiedsbesuch in Deutschland. Und Merkel hatte er mehrfach als seine wichtigste Verbündete in der internationalen Politik bezeichnet. Auf die deswegen natürlich im Raum stehende Frage, ob es sich bei seinem Besuch schlicht um Wahlkampfhilfe für die Kanzlerin handele, reagierte Bedford-Strohm indes aufrichtig empört. „Hier spricht die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland als Bundeskanzlerin mit dem ehemaligen US-Präsidenten“, sagte Bedford-Strohm. Dies habe nichts mit der „Farbenlehre eines Wahlkampfjahres“ zu tun. Tatsächlich wird auch der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz beim Kirchentag mehrere öffentliche Auftritte haben und etwa mit dem Soziologen Armin Nassehi im Berliner Dom über die Frage der „Glaubwürdigkeit in der pluralen Gesellschaft“ diskutieren.

Für den Kirchentag, zu dem mehr als 140 000 Besucher in Berlin erwartet werden, dürfte die Zusage Obamas in jedem Fall der Gewinn des Jackpots sein. Denn auch wenn die Organisatoren gestern strikt verneinten, dass der Obama-Besuch nur organisiert wurde, um dem Reformationsjubiläum neuen Schub zu geben – dass es diesen Schub geben wird, kann kaum jemand ernsthaft bestreiten. Dabei ist der ehemalige US-Präsident sogar noch weit von der kirchlichen Verbundenheit seiner Amtsvorgänger entfernt: Während etwa Jimmy Carter nach seinem Ausscheiden aus dem Amt als Prediger die Gottesdienste einer Baptistengemeinde leitete, war Obama nie ein fleißiger Kirchgänger. Doch christliche Werte seien für ihn immer leitend gewesen, und er habe sein Engagement für Demokratie, Solidarität und Freiheit immer auch aus seinem christlichen Glauben heraus verstanden, würdigte Bedford-Strohm den ehemaligen US-Präsidenten. Unvergessen sei etwa seine Rede für die Opfer des Anschlags auf eine Kirche in Charleston, die er mit dem Kirchenlied „Amazing Grace“ geschlossen habe. Womit Obama dann am Ende auch persönlich recht gut zum liberalen Protestantismus des Deutschen Evangelischen Kirchentags passt.

Obamas Deutschland-Besuche im Überblick

Juli 2008: Als Senator tritt Obama während des US-Wahlkampfes in Berlin auf. Der Kandidat der Demokraten spricht mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und vor rund 200.000 Menschen an der Siegessäule. Eine Rede vor dem Brandenburger Tor - als Kandidat und nicht Präsident - hatte Merkel ihm nicht gestattet.

April 2009: Obama kommt erstmals als Präsident. Im Rahmen eines Nato-Gipfels besucht er Baden-Baden und die badische Grenzstadt Kehl. Mit Merkel trifft er sich zu einem persönlichen Gespräch.

Juni 2009: In Dresden beten Merkel und Obama in der Frauenkirche. Nach einem Rundgang im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald erinnern beide an die Gräuel des Nationalsozialismus. Obama schließt seinen Besuch in Rheinland-Pfalz ab.

Juni 2013: Ein gutes halbes Jahr nach seiner Wiederwahl kommt Obama nach Berlin. Jetzt darf er seine Rede auch vor dem Brandenburger Tor halten. Er schlägt weitere Schritte zur atomaren Abrüstung vor.

Juni 2015: Obama kommt zum G7-Gipfel der Staats- und Regierungschefs führender Industrieländer auf Schloss Elmau in Bayern. Klimaschutz und der Ukraine-Konflikt stehen im Fokus.

April 2016: Obama eröffnet gemeinsam mit Merkel die Hannover Messe, deren Partnerland diesmal die USA sind. Er schwärmt von der Kanzlerin und bezeichnet sie als große Kraft in Europa und verlässliche Politikerin.

November 2016: Obama unternimmt eine letzte Europareise als Präsident und sagt Merkel in Berlin goodbye. Sie war für ihn nach eigenen Worten die wichtigste ausländische Partnerin in seiner Amtszeit.

Mai 2017: Obama nimmt voraussichtlich am Evangelischen Kirchentag teil, der vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfindet.

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