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Sexismus-Debatte : „Es kamen Katzengeräusche“

vom
Aus der Onlineredaktion

Frauen im Heavy Metal kämpfen mit Akzeptanz-Problemen

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Die derzeitige Sexismus-Debatte dreht sich hauptsächlich um negative Erfahrungen von Frauen in der Film- oder Theaterbranche. Im Musik-Business gelten jedoch die gleichen Mechanismen aus Machtspielen und Diskriminierung. Eine Sonderstellung nimmt hierbei der Heavy Metal ein. Kaum ein anderes Genre wird so von Männern dominiert.

Sicherlich, das Klischee einer testosterongesteuerten Macho-Welt, in der das weibliche Wesen als reines Lustobjekt dient, hat auch hier an Bedeutung verloren. Doch nach wie vor müssen sich Frauen gegen Vorurteile, billige Anmache und körperliche Gewalt zur Wehr setzen.

Alissa White-Gluz hat dies besonders zu Beginn ihrer Karriere leidvoll erfahren müssen. Die Sängerin der Band Arch Enemy, die mit ihrem neuen Album „Will To Power“ bis auf Rang drei der deutschen Albumcharts geklettert ist, erlebte das, was Männern sicherlich nicht widerfahren wäre. „Als wir auf die Bühne gekommen sind, kamen plötzlich Katzengeräusche aus dem Publikum. Manche Leute haben der Band überhaupt keine Chance gegeben, nur weil dort eine Frau gesungen hat“, erzählte die 32-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

White-Gluz ärgert es besonders, dass es immer wieder thematisiert wird, wie sie aussieht oder was sie anzieht. Es sei aber noch nie jemand zu ihr gekommen und habe gesagt: „Hey, du siehst gut aus, lass uns eine Band gründen.“ Sie habe den Eindruck, dass bei Frauen nach einem anderen Grund für Erfolg gesucht wird als Talent oder harte Arbeit. „Bei Frauen liegt es oft daran, mit wem sie schlafen oder wessen Freundin sie sind“, kritisiert die Kanadierin.

Früher, als sie noch nicht so bekannt war, kam es schonmal vor, dass vor einem Auftritt beim Betreten der Halle gefragt wurde, ob sie die Freundin des Sängers sei. Sexuell belästigt sei sie noch nicht worden. Allerdings habe ihr auf einer Tour ein anderer Musiker angedroht, sie zu vergewaltigen.

Eine der ersten Frauen, die ihre Stimme im harten Business des Heavy Metal erhoben hat, war Doro. Als Vorreiterin im hart rockenden Geschäft hat sich die Düsseldorferin den Titel Metal-Queen redlich verdient. Sie startete 1982 mit Warlock ihre Karriere und ist bis heute als Solistin erfolgreich. „Ich habe damals einfach das gemacht, was ich fühlte, egal, ob ich jetzt ein Mann oder eine Frau bin“, erzählte Doro.

Die heute 53-Jährige zeigte früh, dass sie etwas kann, was ihr die männlich dominierte Metal-Szene nicht zugetraut hatte. Dass die blonde Sängerin in vielen Zimmern von Metalheads vor mehr als 30 Jahren als Poster über dem Bett hing, verdankte sie indes nicht nur ihren musikalischen Fähigkeiten.

Auf ihr Sex-Appeal reduziert werden möchte aber keine der Frauen. Sie wollen für ihre künstlerische Arbeit respektiert und akzeptiert werden. „Wenn du deinen Job machst und nicht nur das schöne Mädchen bist, ist alles kein Problem“, sagt die Italienerin Cristina Scabbia von der Band Lacuna Coil. White-Gluz ist der Meinung: „Mit Leidenschaft zu singen, macht attraktiv.“ Warum Frauen im Heavy Metal immer noch ein so großes Thema sind, glaubt die Sängerin von Arch Enemy zu wissen: „Metal wurde ausschließlich von Männern erschaffen.

Deswegen wird es als ein Musik für Männer angesehen.“ In der heutigen Zeit ist es nicht mehr so ungewöhnlich, eine Frau in eine Band aufzunehmen. Um eventuelle Akzeptanzprobleme gegenüber ihrer neuen Sängerin Angela Gossow, der Vorgängerin von White-Gluz, erst gar nicht aufkommen zu lassen, bedienten sich ausgerechnet Arch Enemy eines Tricks: Als Gossow im Jahr 2000 für Johan Liiva der Death-Metal-Kombo beitrat, verriet die Band zunächst nicht, dass die vakante Stelle eine Frau besetzt hatte.

Als die Gruppe das erste gemeinsame Album veröffentlicht hatte, wusste die Öffentlichkeit noch immer nicht, wessen Stimme dort zu hören war. Die Fans spekulierten im Internet: „Geil, das könnte der oder der sein.“ Als die Band dann das Geheimnis lüftete, konnte niemand mehr sagen: „Für eine Frau klingt das ja ganz gut.“

 

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