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Leute : Erdogan Atalay: 20 Jahre „Cobra 11“-Cop

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erdogan Atalay hat in der RTL-Autobahnserie den härtesten Job – seit 1996

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Der Mann, zu dem als Fernsehkommissar schnelle Autos gehören wie zu Schimanski die schmuddelige Jacke, ist nicht mit dem Wagen da. Erdogan Atalay hat sich für einen Tretroller entschieden, um zu dem Treffen auf der Terrasse eines italienischen Restaurants in Köln zu kommen. Er wohnt nicht weit entfernt. Der Roller ist für den Weg also praktisch, verschleiert in seiner Harmlosigkeit aber ein wenig, was Atalay im Hauptberuf ist: ein Actionheld. Die Deutschen kennen ihn als Semir Gerkhan, als bekanntestes Gesicht der RTL-Autobahnserie „Alarm für Cobra 11“. Selbst wer sie nicht schaut, kennt oft zumindest die Trailer. Ständig explodiert dort etwas.

Manche Kritiker belächeln die „Cobra“, weil sie die Plots für arg ausgedacht und die Dialoge für Füllmasse zwischen absurd bombastischen Explosionen halten. Für RTL war die Serie aber von Anfang an ein Riesenerfolg. Und fast von Anfang an war auch Erdogan Atalay dabei. Den Semir spielt er seit 1996. Mittlerweile wurde er schon „Matula von RTL“ und „Derrick des Privatfernsehens“ genannt.

Wer Atalay trifft, erlebt einen uneitlen Schauspieler. „Das ist nicht so wild“, sagt er, nachdem der Blick auf das große blaue Pflaster an seinem Oberarm gefallen ist. „Das ist nur eine kleine Blessur aus einer Schlägerei.“ Das gehört zu seinem Job.

Atalay wurde in Hannover geboren. Sein Vater stammt aus der Türkei und drehte in jungen Jahren selbst Filme. Der Sohn spielt schon früh mit dem Gedanken, Schauspieler zu werden. Einem Mitarbeiter des Berufsbildungszentrums trägt er diesen Wunsch auch vor. „Der Berater lachte und meinte: ,Nein, das ist nichts für dich. Werde doch Mechaniker.‘ Da dachte ich: ,Blöder Hund‘“, erzählt Atalay.

Er schafft es aber zum Theater. In Hannover darf er bei „Aladin“ eine Geist-Puppe bewegen, für 25 Mark pro Vorstellung. Er war zuvor einfach zum Theater gegangen und hatte gesagt, er wolle Schauspieler werden. Klappte erstmal nicht. „Aber sie fanden es lustig, wie ich da aufgetreten bin und gaben mir eine Rolle als Statist.“

Nach dem Schauspielstudium spielt Atalay kleinere und größere Theaterrollen. Den Weg zur „Cobra“ ebnet ein gescheitertes Casting für einen türkischen Gemüsehändler in der ARD-Soap „Marienhof“. Den Gemüsehändler bekommt er nicht, aber die Caster erinnern sich, als jemand für „Cobra 11“ gesucht wird.

Die Serie macht aus deutschen Autobahnen krachende Abenteuerspielplätze. „Cobra“ ist pure Unterhaltung und nimmt sich mitunter selbst nicht so bierernst – so wie Atalay. Vielleicht passen beide deswegen so gut zusammen. Über Filmunterhaltung kann er schwärmen, mit Begeisterung spricht er von „Alien“, den er wieder geschaut hat. Oder über Jean-Paul Belmondo. Atalay hat ihn kürzlich bei einem Klitschko-Kampf getroffen.

Bei der von der Kölner Firma „action concept“ produzierten „Cobra“ ist Atalay, der zwei Kinder von zwei Frauen hat, mittlerweile beratender Produzent mit Einfluss auf die Drehbücher. Im Herbst läuft Staffel 29. Und wie stehts mit spannenden Hobbys? Klingt auch ein bisschen nach Krimi. Er lacht. „Ich kann ganz gut mit dem Messer umgehen.“

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