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15. Dezember 2017 | 17:14 Uhr

TV-Tipp : Endel der Fechter

vom

Das Schicksal eines jungen Sportlehrers im Estland nach dem Zweiten Weltkrieg, der gegen alle Widerstände fechtet, beschreibt ein Spielfilm, der jetzt auf Arte zu sehen ist.

svz.de von
erstellt am 25.Aug.2017 | 00:01 Uhr

Im Winter 1952: Ein junger Mann flieht vor der sowjetischen Geheimpolizei. Er muss aufgrund «seiner deutschen Vergangenheit« die Elite-Sportuniversität in Leningrad verlassen und eine Stelle als einfacher Lehrer in der estnischen Provinz annehmen. Darum geht es in dem Film «Endel der Fechter», der an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Estland wurde nach dem Ersten Weltkrieg unabhängig. Während des Zweiten Weltkriegs war das Land dann abwechselnd von deutschen und sowjetischen Truppen besetzt, zum Ende ausschließlich von sowjetischen. Danach wurde es zu einem Teil der Sowjetunion - bis zur erneuten Unabhängigkeit 1991. Die Handlung des Films setzt 1952 ein: Im ehemaligen estnischen Kurort Haapsalu tritt Endel Nelis (Märt Avanti) eine Stelle als Sportlehrer an. Da es dort so gut wie keine Ausrüstung gibt, will er den Kindern das Fechten beibringen.

Die Kinder haben keine passende Kleidung, ihre Mütter sind Kriegswitwen oder warten auf ihre Ehemänner, die in den Gulag deportiert wurden. Er beginnt den Unterricht mit eiserner Disziplin, Herumalbern oder Reden während des möglichst lautlosen Trainings mit selbst geschnittenen Ruten sind streng verboten. Er bläut seinen rund zwei Dutzend Schülern ein: «Das Wichtigste beim Fechten ist das gute Gefühl für den richtigen Abstand. Es geht nicht ums Zustoßen oder gar Töten; es geht auch um die eigene Körperbeherrschung mit dem Arm als Verlängerung des Armes». Vieles muss wiederholt werden, den Kindern fehlt es zunächst an Leidenschaft und Lockerheit.

Der Schuldirektor ist zudem der Ansicht, dass der Fechtsport ein Relikt der Feudalzeit mit reaktionärem Beigeschmack sei, das nicht dem Proletariat angemessen erscheine. Doch die Elternversammlung beschließt mehrheitlich, dass der Unterricht fortgesetzt werden solle. Vor allem Jaan (Joonas Koff) und Marta (Liisa Koppel) lernen schnell, und über einen Freund in Leningrad bekommt Endel gebrauchtes Fechtzeug. Zaghaft verliebt er sich in seine junge Kollegin Kadri (Ursula Ratasepp).

Dem finnischen Regisseur Klaus Härö («Elina - Als ob es mich nicht gäbe») ist ein feinfühliger Film gelungen, der ganz behutsam eine ebenso anrührende wie wahre Geschichte nacherzählt. Endel Nelis (1925 - 1993) hieß ursprünglich Keller und hatte einen deutschen Wehrpass, er kam nach einem gewonnenen Turnier in Leningrad in Haft. Später hat er in Haapsalu eine Fechtschule gegründet, die bis heute existiert, und zahlreiche Weltmeistertitel und Olympische Medaillen errungen.

Der wahrhaftige Film ist prächtig ausgestattet, die Schauspieler sind großartig besetzt (vor allem die Kinder). Die Sehnsüchte und Träume aller Figuren - angesichts von Unterdrückung und Verfolgung - werden förmlich greifbar. Und so ist Endel der Fechter alles andere als ein Versager, weil er sich an diesem abgeschiedenen Ort befindet und in einem Beruf arbeiten muss, von dem er nichts versteht. Er bewies einfach Anstand, Können, Mut - und ein fabelhaftes Gefühl und Verständnis für seine Schüler.

Endel der Fechter

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