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João Pereira de Souza : Eine ungewöhnliche Freundschaft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit fünf Jahren schwimmt ein Pinguin jedes Jahr tausende Kilometer zu seinem Retter in Brasilien

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Das Boot schaukelt auf dem offenen Meer. Es ist nicht leicht, dieses versteckte Nest auf der Ilha Grande, einer Insel im Atlantik, zu finden. An der Einfahrt zur Bucht steht auf einem Fels: „Bem vindo a Provetá. Jesus te ama“, „Herzlich willkommen in Provetá, Jesus liebt dich“. Ein eher trister Ort, rund 170 Kilometer Luftlinie westlich von Rio de Janeiro. Hier lebt der pensionierte Maurer João Pereira de Souza. Er ist Protagonist einer recht unglaublich anmutenden Geschichte. Im Frühjahr 2011 war er am Strand unterwegs, als er plötzlich einen Pinguin dort liegen sah, verklebt mit Öl, ein Bein gebrochen, am Rücken verletzt. Dem Tod geweiht. Er nahm ihn die 50 Meter mit zu seinem Häuschen und pflegte ihn wieder gesund, er schmierte ihm den Rücken sogar mit seiner eigenen Rückensalbe ein.

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Nach ein paar Monaten fuhr er mit einem kleinen Boot raus auf das offene Meer und setzte den Pinguin, den er Dindim getauft hatte, wieder aus. Doch noch ehe Pereira de Souza wieder den Strand erreicht hatte, war dort: der Pinguin. Er blieb noch einige Monate, dann schwamm er wohl zurück nach Patagonien, seine argentinischen Heimat.

Aber dann folgte das Ungewöhnliche: 2012, 2013, 2014 und 2015 stand immer im Juni oder Juli Pinguin Dindim wieder am Zaun aus Bambusrohren. Er muss mehrere Wochen tausende Kilometer hoch bis zur Ilha Grande geschwommen sein und vom Strand den Sandweg zum in der zweiten Reihe stehenden Häuschen gewatschelt sein. João hat ihm in den Vorjahren einen Ring angelegt, um ihn wiedererkennen zu können. Es wird davon ausgegangen, dass seine Heimat rund 4000 Kilometer weiter südlich in Patagonien liegt und er daher bis zu 8000 Kilometer für den „Retter-Besuch“ unterwegs sein kann. Er blieb in der Vergangenheit bis zu acht Monate, dann schwamm er wieder in andere Gefilde, der brasilianische Sommer ist dann doch zu warm. So zumindest die Geschichte. Kann das stimmen?

Das Häuschen ist schnell gefunden. João und seine Frau sitzen auf einer Holzbank, mürrischer Blick. Ganz Provetá wirkt nicht besonders einladend, warum sollte Dindim hierhin immer wiederkommen? Dann ein Blick über den Zaun und tatsächlich: links, da steht ein Pinguin. Durch Reporter des Senders „Globo TV“ ist die Geschichte einer der ungewöhnlichsten Freundschaften publik geworden. Der deutsche Pinguinforscher Klemens Pütz nennt die regelmäßige Wiederkehr ungewöhnlich, aber möglich. „Der Ort liegt an der Route der Magellan-Pinguine, nach dem Brüten in Patagonien schwimmen sie im Winter oft tausende Kilometer hoch in den wärmeren Norden bis nach Brasilien“, erklärt der wissenschaftliche Direktor des Antarctic Research Trust. Sie würden nach Monaten auf See auch ihre Bruthöhle wiederfinden, daher sei die Rückkehr nach Provetá, das Finden des Hauses, realistisch – zumal sie gerne dorthin zurückkehren, wo sie sich wohlfühlen.

Ungewöhnlich sei, dass der Pinguin so lange an Land lebe. Es komme aber immer wieder vor, dass sich Pinguine in Retter oder Pfleger verliebten, auch in Zoos. Aber Dindim ist doch ein Männchen. „Da machen Pinguine keinen Unterschied“, lacht Pütz. Um seinen Schwimmweg nachvollziehen zu können, wo er sich den Rest des Jahres aufhält, soll ihm nun ein GPS-Sender eingepflanzt werden.

Dindim kuschelt sich gern an seinen Retter, der spült ihn mit Wasser ab, spielt mit ihm. Wie sieht denn der Abschied aus, wenn der Pinguin wieder in kühlere Gefilde entschwindet? Das sei nichts Besonderes, erzählt Pereira de Souza. „Dindim geht einfach zum Strand und schwimmt los.“  

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