Leute : Eine supergeile Karriere

Der Entertainer Friedrich Liechtenstein posiert im Rahmen einer Single Release Party in Berlin.
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Der Entertainer Friedrich Liechtenstein posiert im Rahmen einer Single Release Party in Berlin.

Friedrich Liechtenstein wurde durch Internetvideo bekannt. Jetzt veröffentlicht er ein Album.

svz.de von
21. März 2014, 21:03 Uhr

Wie das mit der Werbung funktioniert, hat YouTube-Star Friedrich Liechtenstein verstanden. Vor einem alten Berliner Industriegebäude liegt ein roter Teppich, ein Page bringt die Gäste mit dem Aufzug in den fünften Stock. Der Künstler hat eingeladen, um nach seinem Überraschungserfolg eine neue Single vorzustellen. Bis vor Kurzem kannte ihn kaum jemand. Dann kam das „Supergeil“-Video.

In dem Werbeclip für eine Supermarktkette singt und tanzt Liechtenstein zu Elektro-Bässen, schwoft im Anzug und mit Siegelring an den Regalen vorbei und findet alle Produkte „supergeil“. Er klaut in dem Video Croissants, badet in Milch und kippt dabei Schokomüsli in die Wanne.

Innerhalb von vier Wochen ging das Video durch die Decke. Der Spot hat mehr als 7,5 Millionen Klicks bekommen – und eine Debatte über Marketing im Internet losgetreten. Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete über den Werbegag, das US-Fachmagazin „Adweek“ sprach vom „merkwürdigsten Supermarktwerbevideo der Welt“. Und die amerikanische Website „Buzzfeed“ lobte ausgiebig Liechtensteins Tanzstil. Doch der Ruhm im Netz kann flüchtig sein – und was kommt dann?

Mit verspiegelter Sonnenbrille und schwarzem Anzug steht Liechtenstein am Donnerstag in den Räumen einer Brillenfirma. Dort hat er mehrere Monate gewohnt – als „Schmuckeremit“. Im 18. Jahrhundert seien Einsiedler so genannt worden, die in englischen Gärten und Parks gewohnten hätten, um die Herrschaften zu unterhalten. Auch Liechtenstein unterhält gerne. Er ist Puppenspieler und Theatermann, eine Künstlertype aus dem Osten Deutschlands.

Bei seiner Party verteilen Hostessen Drinks ans Publikum, Leute machen Fotos. Liechtenstein ist mit seinen 58 Jahren wohl der Älteste im Raum. Neben ihm taucht seine Sprecherin auf. Die hatte er vor dem Clip noch nicht. „Es ist viel Arbeit, seit Wochen, von früh bis nachts“, sagt er. Im Video zur neuen Single „Belgique, Belgique“ inszeniert er sich mit Pelzmütze und nostalgischen Bildern als Reisender und Frauenheld.

Im Sommer soll bei einem kleinen Berliner Label das Konzeptalbum „Bad Gastein“ erscheinen. Benannt ist es nach einem Ort in Österreich. Eine Mitarbeiterin der Tourismusabteilung aus dem Kurort ist extra nach Berlin geflogen. Auf die Frage, ob der Ort Liechtensteins Album sponsert, weicht sie eher aus: Er könne gelegentlich mal umsonst übernachten, sagt sie und lächelt. Das mit der Werbung hat Friedrich Liechtenstein drauf.

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