Annekathrin Bürger : Eine schöne, knackige Mutterrolle

Annekathrin Bürger als Dr. Irene in „Die Anfängerin“
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Annekathrin Bürger als Dr. Irene in „Die Anfängerin“

Annekathrin Bürger spielt nach langer Zeit wieder eine Hauptrolle in einem Kinofilm. „Die Anfängerin“ startet am 18. Januar

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11. Januar 2018, 05:00 Uhr

Annekathrin Bürger zählte nicht nur zu den größten Filmstars der DDR, sie galt auch als eine der Schönsten im Land. Nach der Wende musste sich die Berlinerin zunächst mit kleineren Auftritten begnügen, bevor sie als Frederike im Leipziger „Tatort“ neue Popularität erlangte. Nun spielt die 80-Jährige im Kinofilm „Die Anfängerin“ eine Ärztin im Ruhestand, deren Verhältnis zu ihrer sitzengelassenen Tochter (Ulrike Krumbiegel) verhärtet ist. André Wesche sprach mit Annekathrin Bürger über den Film, deutsch-deutsche Probleme und sexuellen Missbrauch in der DDR.

Frau Bürger, die Geschichte von „Die Anfängerin“ ist sehr vielschichtig, sie erzählt von Mutter und Tochter, von Alt und Jung, von zerstörten und erfüllten Träumen. Welchen Aspekt mochten Sie besonders?
Für mich war eher entscheidend, dass mir eine junge Regisseurin nach zwanzig weiblichen Hauptrollen in DDR-Spielfilmen endlich wieder eine Hauptrolle in einem Kinofilm angeboten hat. Natürlich war auch meine Rolle in „Sein letztes Rennen“ mit Dieter Hallervorden sehr schön. Bei der Premiere des Filmes kam eine junge Frau auf mich zu und sagte, sie würde gern eine Rolle für mich schreiben. Sie war sehr nett, wirklich bezaubernd. Aber ich weiß, wie lange Projekte heutzutage brauchen, wenn sie überhaupt Geld bekommen. Ich dachte mir, dass das wohl nichts werden wird. Ich fand es aber sehr nett, dass jemand, der in Hamburg geboren wurde und drüben studiert hat, viele meiner Filme kannte und mit mir arbeiten wollte. Das war 2013. 2016 bekam ich das Buch mit der Figur Dr. Irene. Über diese schöne, knackige Mutterrolle habe ich mich sehr gefreut.

Was für ein Bild haben Sie sich von Ihrer Figur Irene geschaffen?
Sie ist so, wie Mütter öfter sind, aber nicht sein sollten. Sie hat ihr Studium mit einem Kind bewältigt. Wahrscheinlich wurde sie irgendwann verlassen, aber trotzdem hat sie ihre Praxis aufgemacht. Nun legt sie ähnlich strenge Maßstäbe an ihre Tochter an. Sie hat Angst, dass ihre Tochter die Praxis herunterwirtschaftet. Irene ist eine robuste Frau und vielleicht nicht gerade liebenswert. Und ihre Tochter ist ihr da sehr ähnlich. Und das ist das Problem.

Auf der Leinwand kracht es meistens gehörig zwischen Mutter und Tochter. Wie harmonisch war die Arbeit mit Frau Krumbiegel in der Realität?
Hervorragend. Ulrike und ich haben schon in meinem letzten, großen DDR-Fernsehfilm zusammengearbeitet: „Der Rest, der bleibt“, nach dem ich auch meine Biografie benannt habe. Wir kannten uns, als wir das Casting machten. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Kannten Sie auch die Eiskunstlauf-Weltmeisterin Christine Errath schon vorher, die im Film eine Schlüsselrolle spielt?
Persönlich kannte ich sie nicht. Wir haben uns bei Alexandra (Anm.: Sells, die Regisseurin) kennengelernt. Christine war ganz begeistert. Ich habe damals nicht so wahnsinnig oft Eislauf geschaut. Und ich selbst hatte noch nie Schlittschuhe an den Füßen. Mein Mann wollte es mal mit mir ausprobieren, aber es hätte gar keinen Sinn gemacht. Und als Kind hatte man 1945 oder 46 kaum Schuhe, geschweige denn Schlittschuhe.

Ihre Biografie trägt den Untertitel: „Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben“. Das klingt, als seien Träume auf der Strecke geblieben?
Nee, dieses Gefühl habe ich nicht. Das wollte die Co-Autorin so. Es ist nichts unerfüllt geblieben. Aber vielleicht ist mit der Rolle in diesem Film noch mal ein Punkt gesetzt worden. Nach der Wende ist es für mich ja nicht so toll gelaufen.

Warum eigentlich?
Ich weiß auch nicht. Vielleicht hängt es mit meinem Alter zusammen und mit der Tatsache, dass meine Generation im Westen nicht sehr bekannt war. Bei den Männern war das anders und bei den Jüngeren sowieso. Die sind ja alle inzwischen ganz toll dabei. Ich bin auch nicht in den Westen gegangen, so wie Jutta Hoffmann oder Angelica Domröse, die drüben sofort wieder einstiegen. Ich habe mit einer Ein-Minuten-Rolle in „Praxis Bülowbogen“ wieder angefangen. Es ging mit kleinen Sachen weiter, bis der „Tatort“ Leipzig kam. Das war natürlich sehr wichtig für mich. Es war sehr schön, plötzlich wieder vorhanden zu sein.

Sind das Einschnitte im Leben einer Schauspielerin: Die erste Mutterrolle, die erste Rolle als Großmutter?
Nö. Ich habe das gar nicht so empfunden. Und ich habe auch nie Lust gehabt, mir Botox zu spritzen oder mich aufmöbeln zu lassen. Das ist doch totaler Quatsch. Ich bin achtzig. Und manchmal sieht man das auch. Manchmal gehe ich aber auch noch als 68 durch. Ich habe mich mit dem Alter sehr bequem abfinden können. Vor allem muss man auch nicht mehr den ganzen Scheiß mitmachen, wenn man nicht will. Das finde ich äußerst angenehm.

 

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