Gérard Depardieu : Ein maßlos talentiertes Ungeheuer

Eine  seiner  Paraderollen:  Gerard Depardieu  als  Obelix
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Eine seiner Paraderollen: Gerard Depardieu als Obelix

Filmlegende, Steuerflüchtling, Trunkenbold: Gérard Depardieu, ein fleischgewordenes Unikum, wird 65

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27. Dezember 2013, 00:33 Uhr

„Alter schützt vor Torheit nicht“ heißt der Titel des amerikanischen Films von Harmon Jones, der Gérard Depardieu wie auf den Leib geschrieben ist - auch wenn Frankreichs Filmikone nicht darin spielt. Die Komödie wurde 1951 gedreht, da war Depardieu noch keine drei Jahre alt. Doch in den vergangenen Jahren kam das monstre sacré, das heilige Monster, wie Stars in Frankreich genannt werden, mehr wegen Steuerflucht und Trunkenheit am Steuer in die Schlagzeilen als wegen seiner schauspielerischen Leistung. Dabei hat Depardieu, der am heutigen Freitag 65 Jahre alt wird, Filmgeschichte geschrieben.

Frankreich hat neben Gabin und Belmondo nur wenige monstres sacrés hervorgebracht. Doch kaum ein anderer hat solchen Nimbus so schnell erworben wie Depardieu. Seine aufbrausende Wut als Graf von Monte Cristo oder sein hingebungsvolles Liebesgeflüster als Cyrano von Bergerac suchen seinesgleichen. Depardieu spielt mit einer urgewaltigen Energie und explosiven Emotionalität. Zuletzt ist er jedoch in Rollen geschlüpft, die dem Publikum weniger gefallen. Seine medienwirksame Steuerflucht nach Belgien, seine Staatsbürgerschaft als Russe, sein übermäßiger Alkoholkonsum haben die Filmkarriere von Frankreichs bestbezahlten Schauspieler etwas in den Schatten gerückt.

Depardieu kann auf über 200 Filme blicken – große wie kleine, gute wie schlechte. Filmperlen wie „Die Ausgebufften“, „Cyrano von Bergerac“, „Die letzte Metro“ und „Green Card - Schein-Ehe mit Hindernissen“ sind in die Kino-Annalen eingegangen, andere wie „Disco“ oder „Bouquet final“ sind vergessen, kaum dass man sie gesehen hat. Der Franzose spielt, was ihm gefällt. Das sei seine Freiheit, wie er in einem Interview sagte. „Mich interessieren nicht die Filme, sondern die Geschichten und die Personen, mit denen ich mich identifizieren kann“, erklärte er.

Draufgänger, Zuhälter, Rebell, Vagabund, Hedonist: Depardieu verkörpert in seinen Filmen das ganze Spektrum des europäischen Mannes. Dabei sprengt seine Präsenz den Bildschirm, ob in lumpigen oder noblen Rollen, ob als Danton, Balzac und Résistance-Aktivist oder als Obelix. Depardieu spielt seine Rollen nicht, sondern lebt sie.

Für Depardieu sind große Schauspieler jene, die gelebt haben. Und dazu gehört er. Der Franzose ist unersättlich, maßlos. Er schöpft aus dem Vollen, frönt dem Wein und den kulinarischen Freuden. In den letzten Jahren hat er mehrere Weingüter gekauft und Restaurants eröffnet. Man nennt ihn gern einen Genussmenschen. Er selbst nennt sich in seiner Autobiografie „Ich liebe das Leben, das Leben liebt mich“ einen „Bulimiker des Glücks“, einen Menschen, der nach Glück strebt, das ihm nicht in die Wiege gelegt wurde.

Depardieu kommt von ganz unten. Sein Vater, ein Schmied, war Alkoholiker und konnte kaum schreiben. Er war eines von sechs Kindern und galt als aufsässig, litt an Sprachstörungen und trieb sich herum, statt zur Schule zu gehen. Er klaute und prügelte sich und wäre wahrscheinlich einer dieser Halunken und Vagabunden aus seinen Filmen geworden, hätte er nicht als 17-Jähriger die Schauspielerei entdeckt.

Mit seiner Blumenkohlnase und seinen unzähligen Kilo zu viel ist Depardieu der Antityp des französischen Beaus. Seiner Anziehungskraft hat das nicht geschadet. Er war mit der Schauspielerin Élisabeth Guignot verheiratet, führte unter anderem eine langjährige Beziehung mit der James-Bond-Darstellerin Carole Bouquet („In tödlicher Mission, 1981) und hat vier Kinder von drei verschiedenen Frauen gezeugt.

„Ich finde, dass alle Frauen schön sind, wirklich schön, schon weil die so anders sind als wir!“, zitierte das „Hamburger Abendblatt“ den Don Juan.

Anders als alle anderen ist Depardieu auf jeden Fall. Er ist ein fleischgewordenes Unikum, ein Schauspieler, der das Leben spielt, so wie es ist.

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