Junge Syrer in Schwerin : Ein Jahr nach der Flucht

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Die Jugendlichen Mohammed und Ronycan sind aus Syrien geflohen und berichten über ihren Alltag in Deutschland

svz.de von
11. Mai 2017, 20:45 Uhr

Im letzten Jahr führte ich ein Interview mit mehreren unserer geflüchteten Mitschüler. Ich dachte mir, dass es interessant wäre, zu sehen, wie es ihnen jetzt geht. Deshalb sprach ich noch einmal mit Mohammed und Ronycan in Schwerin.

„10 Jahre KiZ“ – anlässlich des Jubiläums unserer Kinder-Zeitung lassen wir heute diejenigen zu Wort kommen, um die es geht: Kinder und Jugendliche. Auf jeder Seite der Printausgabe vom Freitag schreiben Mädchen und Jungen über ein Thema, das sie bewegt. Mit dabei: die Redaktion der Schülerzeitung „Knuutsch“ der Schweriner Werner-von-Siemens-Schule, die gerade als beste Schülerzeitung von Regionalschulen in MV ausgezeichnet wurde. Die jungen Reporter haben in unserer Redaktion mitgearbeitet.

Wer bist du? Kannst du dich bitte kurz vorstellen?
Mohammed: Ich heiße Mohammed, ich bin 15 Jahre alt und komme aus Syrien, aus der Stadt Aleppo. Ich wohne am Platz der Freiheit in einer Wohngemeinschaft. Ich spiele Fußball in einem Verein. Ich kann gut malen und Origami. Ich habe drei Brüder und zwei Schwestern.
Ronycan: Ich heiße Ronycan, ich bin 14 Jahre alt und komme aus Syrien. Ich bin Kurde. Meine Familie hat in Syrien in einer Stadt gelebt, in der viele Kurden gelebt haben. Ich habe fünf Brüder und eine Schwester. Jetzt wohne ich in Neu Zippendorf. Ich spiele gern Fußball und zeichne gern. Ich habe einen Hamster. Ich mag es, Deutsch zu lernen. Ich spreche Kurdisch, Türkisch, ein bisschen Deutsch und jetzt lerne ich auch noch Englisch.

Wie bist du nach Deutschland gekommen?
Mohammed: Ich habe in der Türkei für ein Jahr als Schneider gearbeitet. Das war echt hart. Ich habe das Geld gespart, um nach Deutschland zu kommen. Ich habe für die Fahrt von der Türkei nach Griechenland 1200 Euro bezahlt. Auf dem Weg habe ich immer wieder neue Leute kennen gelernt, die mir geholfen haben. Irgendwie habe ich es nach Österreich geschafft und von dort bin ich dann mit dem Zug nach Deutschland gekommen. Hier wollte ich eigentlich weiter arbeiten, aber ich bin zu jung und dann habe ich mich dazu entschieden, meine Schule zu beenden. Ich bin mit meinem besten Freund gekommen, aber in einem Flüchtlingsheim haben wir uns verloren. Ich habe sehr viele schlimme Dinge in Syrien und auf der Reise gesehen. Menschen wurden von der Polizei verprügelt.
Ronycan: Ich war in der Türkei und habe einen Monat gebraucht, um herzukommen. Wir sind mit einem Boot von der Türkei nach Griechenland gefahren. Es waren sehr viele Menschen auf diesem Boot und wir mussten viel Geld bezahlen. In Ungarn sind wir auch eine sehr weite Strecke zu Fuß gelaufen.

Wie fühlst du dich jetzt hier in der Schule?
Mohammed: Ich fühle mich sehr gut in der Schule. Meine Mitschüler sind alle nett und helfen mir. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann versuchen mir meine Klassenkameraden zu helfen.
Ronycan: Ich finde die Schule gut, aber leider verstehe ich nicht alles, was die Lehrer sagen. Manche Mitschüler ärgern mich, aber dafür hilft mir der Großteil. Manchmal ist es auch ein bisschen laut in der Klasse und ich kann dann nicht so gut zuhören. Ich arbeite jetzt auch in der Schülerfirma mit. Das macht mir großen Spaß. Ich bereite Essen zu und verkaufe in den Pausen Brötchen und andere Snacks. Einmal haben wir sogar Plätzchen nach einem Rezept meiner Mutter gebacken.

Gibt es Schwierigkeiten?
Mohammed: Ich habe große Schwierigkeiten in Mathe, da ich nicht alles verstehe. Manche Wörter kann man einfach nicht erklären, scheint mir. In der Wohngemeinschaft muss ich immer jedem sagen, wohin ich gehe, das finde ich ein bisschen doof. Zu Hause musste ich nicht sagen, wohin ich gehe und wann ich wieder nach Hause komme.
Ronycan: Ich finde die Sprache etwas schwer und verstehe daher auch nicht alles. Besonders in AWT, Mathe, Bio und Geographie gibt es sehr viele Ausdrücke, die ich nicht verstehe.

Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Mohammed: Ich möchte Fußballprofi werden. Ich trainiere mehrmals die Woche.
Ronycan: Ich würde gerne nach Witten ziehen, weil mein Cousin mit seinen Eltern dort wohnt. Ich vermisse ihn sehr. Ich würde auch gerne Arzt werden, wenn ich es schaffe.

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