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Hollywood boykottiert Trump : Donald sucht den Superstar

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hollywood attackiert ihn, Musiker distanzieren sich: Die Suche nach Stars zur Vereidigung wird für Trump zur Blamage

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Wenn Barack Obama im Weißen Haus eine Party schmiss, kamen sie alle: die Crème de la Crème der Filmbranche, Popstars, Musiklegenden, Talkmaster, Comedians, Spitzensportler. Selbst die Erfolgreichsten ließen sich nicht zweimal bitten, wenn der als kultiviert geltende US-Präsident mit seiner Frau Michelle in seinen Amtssitz einlud.

Sobald Nachfolger Donald Trump mit Frau Melania am Freitag an der 1600 Pennsylvania Avenue in Washington vorfährt, brechen für Hollywood und die Stars der Musikwelt andere Zeiten an. Wie tief die Gräben zwischen dem Republikaner und der vorwiegend linksliberal eingestellten Kunstwelt der USA sind, zeigt schon Trumps Suche nach Stars für seine Vereidigungszeremonie. Die peinlichste Absage kam von Elton John: Nachdem ein Mitarbeiter Trumps in einer BBC-Sendung erklärt hatte, dass der britische Sänger auftreten würde, reagierte dessen Sprecher mit einem entschiedenen Dementi. Auch die Beach Boys, die Dixie Chicks, die britische Sängerin Rebecca Ferguson und der italienische Tenor Andrea Bocelli waren nicht für die Feierlichkeiten vor dem Kapitol zu gewinnen.

Der Gedanke an einen Auftritt scheint für manche Musiker sogar komplett aberwitzig zu sein. „Hahahahaha, wartet, hahahaha, wirklich?“, schrieb DJ Moby auf Instagram, als ein Booking-Agent ihn im Auftrag Trumps kontaktiert hatte. „Ich lache immer noch.“ So einen Auftritt würde er höchstens in Betracht ziehen, wenn Trump im Gegenzug seine Steuererklärung veröffentlichen würde.

Trump lässt das – zumindest äußerlich – kalt. „Ich will die Menschen!“, twitterte er im Dezember nach der Behauptung, dass „A-Promis“ sich alle um Tickets zur Vereidigung bemühten. „Das ist nicht Woodstock. Es ist kein Konzert“, pflichtete ihm der für die Vereidigung zuständige Sprecher gegenüber CNN bei.

Das Problem ist nur: Obama hatte schon 2008 das Gegenteil bewiesen. Der damalige Hoffnungsträger holte etwa die Schauspieler Forest Whitaker, Denzel Washington, Tom Hanks und Samuel L. Jackson auf die Bühne. Und mit Auftritten von Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, U2 oder Beyoncé zeigte er, dass die von Millionen verfolgte Vereidigungs-Zeremonie in Washington feierlich und eine Party zugleich sein kann.

Nun nimmt Hollywood Abschied von Obama. Bei dessen letzter Rede sei ihm bewusst geworden, wie „sehr, sehr tief wir sinken“ werden, schrieb der aus der Serie „Star Trek“ bekannte George Takei, und weiter: „Lebewohl, o Captain mein Captain! Möge der Himmel uns schützen.“

Wirkliche Stars sind auch wenige Tage vor Trumps Vereidigung nicht in Sicht. Die Nationalhymne soll Jackie Evancho singen, die bei der Casting-Show „America’s Got Talent“ 2010 den zweiten Platz holte. Sonst im Programm: die Tänzerinnen The Rockettes, die vor allem zu Weihnachten in New York ihre Beine in die Höhe werfen. Und dann wäre da noch der Mormon Tabernacle Choir, ein 360 Männer und Frauen zählender religiöser Chor aus Utah…

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