Gebärdensprachdolmetscher : Dolmetscher oder Betrüger?

Sorgte für den Aufreger des Tages: Thamsanqa Jantjie
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Sorgte für den Aufreger des Tages: Thamsanqa Jantjie

Sinnlosen Quatsch habe er übersetzt, kritisieren Gehörlose, er sei unfähig und ein Betrüger.

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13. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Egal was US-Präsident Barack Obama auf der Trauerfeier für Nelson Mandela sagte – der Gebärdensprachdolmetscher nutzte immer dieselben vier oder fünf Zeichen. Sinnlosen Quatsch habe er übersetzt, kritisieren Gehörlose, er sei unfähig und ein Betrüger.

Jetzt verrät der Mann: Stimmen in seinem Kopf hätten ihn abgelenkt. Er sei psychisch krank und habe halluziniert, sagte Thamsanqa Jantjie gestern südafrikanischen Medien. Gehörlose in Südafrika fühlen sich um ihren Abschied vom Nationalhelden Mandela betrogen.

Er leide unter Schizophrenie und nehme Medikamente gegen die Krankheit, verriet Jantjie. Am Dienstag stand er während der Trauerfeier direkt neben Obama oder UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Er wisse nicht, ob es die Wichtigkeit seiner Aufgabe oder die Freude war, die den Anfall auslöste, sagte der Mann aus dem Township Soweto. „Ich konnte nichts tun. Ich versuchte, mich zu kontrollieren und der Welt nicht zu zeigen, was los war.“

Gehörlose hatten ihm vorgeworfen, er könne überhaupt nicht übersetzen und habe daher nicht die bekannten Zeichen für Mandela und keine Körpersprache genutzt. Dem widersprach der Dolmetscher. Er dolmetsche bereits seit Jahren und nie habe sich jemand beschwert. „Ich glaube, ich bin ein Champion in Gebärdensprache“, sagte er. Jantjie war von der südafrikanischen Regierung eingestellt worden. Er sollte nach eigenen Angaben etwa 60 Euro für den Arbeitstag erhalten. Nach Informationen eines TV-Senders bekam er jedoch kein Geld.

Südafrikas Ministerin für Behinderte räumte ein, Jantjie sei kein ausgebildeter Gebärdensprachdolmetscher. Er könne sich aber in der Sprache verständigen und habe auch schon bei Gerichtsprozessen übersetzt. „Vielleicht beherrscht er nicht die zivilisierten Gebärden, die alle verstehen“, sagte sie. Die englischen Reden hätten ihn überfordert. Vor dem Haus des Dolmetschers sammelten sich gestern Journalisten. Er sorge sich um seine Familie und wolle sich deswegen nicht im Krankenhaus behandeln lasse, hieß es.

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