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Wochenend-Interview : Die Unzertrennlichen

vom
Aus der Onlineredaktion

Michael Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz über Freundschaft und Humor

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Zurück zu den Wurzeln: Nach ihren Kassenschlagern „Der Schuh des Manitu“ und „T(R)aumschiff Surprise“ beleben Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian in ihrem neuen Kinofilm die TV-Show „bullyparade“ wieder, die sie einst berühmt gemacht hat. Im Interview sprechen die drei Komiker über ihre Freundschaft, die Macht der Quoten und die Angst vor dem Scheitern.


Durch Ihren neuen Film zieht sich sehr stark das Thema Freundschaft. Inwiefern trifft auf Sie der Slogan zu „Gute Freunde kann niemand trennen“?
Tramitz: Der passt sehr gut. Wir haben lange miteinander durchgehalten – zwar mit Pausen, aber ein gewisser Draht hat zwischen uns immer bestanden, nicht nur beruflich. Dass es nun nochmal zu einem gemeinsamen Film kommt, hätte von uns trotzdem wohl niemand gedacht.
Herbig: In den sechs Jahren, in denen wir die TV-Show „bullyparade“ produziert haben, waren wir kaum zu Hause. Unsere Frauen haben uns in der Zeit weniger gesehen als wir uns. Wir haben permanent aufeinander gehockt, geschrieben, gedreht, Show aufgezeichnet, wieder geschrieben und gedreht.

Sie haben damals und jetzt wieder sehr viel Zeit miteinander verbracht. Geht man sich da auch manchmal gehörig auf die Nerven?
Herbig: Heute können wir darüber lachen, aber früher ist man sich schon mal auf den Keks gegangen. Zum Beispiel, wenn man Christian wieder alles hinterher tragen musste – vom Schlüssel bis zum Schuh (lacht). Irgendwann hatte ich darauf keine Lust mehr und habe es einfach nicht mehr gemacht.

Gab es Momente, in denen Ihre Freundschaft tatsächlich auf der Kippe stand?
Tramitz: Klar gab es die.
Herbig: Ich kann mich sogar an einen konkreten Fall erinnern. In welcher Staffel der „bullyparade“ das passiert ist, kann ich nicht mehr genau sagen, aber Rick und ich saßen damals beim Abendessen und ich habe zu ihm gesagt: „Entweder wir lösen das Problem jetzt und raufen uns zusammen oder wir hören mit der TV-Show auf“. Die Freundschaft war mir wichtiger als die Show. Das war mein absoluter Ernst. Ich wäre am nächsten Tag zu Pro Sieben gefahren und hätte den Verantwortlichen mitgeteilt, dass die Show vorbei wäre.

Wäre Ihre Freundschaft zerbrochen, wenn die Bullyparade noch weiter gelaufen wäre?
Herbig: Das ist schwer zu sagen. Von außen ist es schwer nachvollziehbar, wie intensiv die Zeit damals war. Wir mussten ständig kreativ sein, ständig für die Show vor- und nachproduzieren.
Tramitz: Und das Ganze noch unter immensen Zeitdruck. Es gab Zeiten, da saßen wir stundenlang zusammen und uns ist nichts eingefallen. Da war der Kopf einfach leer. Und das ist schlimm, weil man dann auch in Panik gerät.
Kavanian: Man ist panisch, man ist gereizt, man vergisst dabei auch die richtigen Umgangsformen. Dadurch leidet auch das Selbstvertrauen. Das war massiv so in der ersten Staffel der „bullyparade“.

Warum war das so?
Herbig: Das war damals ein unglückliches Timing. Wir mussten unter der Woche produzieren für die nächste Show, das hat uns teilweise massiv unter Druck gesetzt. Wir hatten ja zudem noch eine Live-Show im Radio. Ab der zweiten Staffel hat sich das dann ein wenig entspannt, da konnten wir dann am Stück vorproduzieren und mussten uns nicht mehr von Sendung zu Sendung hangeln.

Beschreiben Sie mal das Gefühl, wie es für Sie war, für den neuen Film wieder gemeinsam vor der Kamera zu stehen. War es genauso wie früher?
Tramitz: So blöd es sich anhören mag, aber für mich war es genauso wie früher. Das soll auch kein Klischee sein à la „Wir sind alle eine große Familie“. Als wir zusammenkamen, um über den Inhalt zu grübeln, hat man gleich wieder gemerkt, dass wir wieder auf einem guten Weg sind und es einfach passt.
Herbig: Beim Dreh gab es einen witzigen Zufall. Der erste Drehtag fand an exakt derselben Stelle statt wie der letzte Drehtag von „Der Schuh des Manitu“. Auch da haben wir gedacht: Krass, es fühlt sich nicht wie 16 Jahre an, die zwischen den beiden Filmen liegen.
Kavanian: Es kommt auch eine gewisse Vertrautheit hinzu. Wenn man die anderen wieder in den Kostümen sieht, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind, treten automatisch bestimmte Mechanismen in Kraft. Es ist genauso wie beim Radfahren: Das verlernt man nicht.

Warum harmonieren Sie so gut?
Tramitz: Vielleicht, weil wir so unterschiedlich sind.
Herbig: Wir können übereinander lachen. Das ist das Entscheidende. Es gibt Sachen, die sind einfach typisch für Christian – und darüber schmeißen Rick und ich uns weg. Genauso wie Rick seine lustigen Eigenheiten hat. Und vermutlich habe ich auch solche Macken. Man kennt die anderen einfach so gut, dass man sie imitieren kann – und darüber kann man dann auch lachen. Die anderen zeigen einem die eigenen Schwächen.
Tramitz: Bei anderen Produktionen ist oftmals die Konkurrenz das Problem. Aber die gibt es bei uns nicht. Bei uns ist es vollkommen logisch, wer welche Rolle spielt – ohne, dass wir darüber diskutieren oder uns streiten müssten.
Kavanian: Die Besonderheit unserer Konstellation hat mit unserer Freundschaft zu tun. Wir wissen, dass wir uns untereinander gewogen sind und uns mögen. Es klingt zwar ein wenig romantisch, aber man kann sich einfach fallen lassen. Bei Bully als Regisseur wissen wir zum Beispiel schon im Vorhinein, wie stark er darauf achtet, dass der Film möglichst gut wird und Christian und ich darin auch gut rüberkommen. Und das ist besonders.
Herbig: Was hinzukommt: Es gibt keinen Neid zwischen uns. Jeder von uns freut sich, wenn der andere eine tolle Performance hinlegt.

Herr Herbig, von Ihnen stammt das Zitat „Wenn die TV-Show „bullyparade“ heute im Fernsehen laufen würde, wäre sie wohl schnell abgesetzt.“ Warum glauben Sie dann, dass der Film funktioniert?
Herbig: Naja, weil wir mittlerweile die Erfahrung haben, wie man einen solchen Film produziert. Man muss sich in die Zeit von damals hineinversetzen: Damals gab es kein Youtube, es gab auch kein Social Media. Was es damals gab, war ein Privatfernsehen, dass sich etwas getraut hat. Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Das Privatfernsehen befand sich in einer Aufbruchstimmung. Die Verantwortlichen haben gesagt: „Ja, wir machen das. Wir mischen alles auf.“ Die Mitarbeiter in der Marketing-Abteilung waren um die 20 Jahre alt, also ein sehr junger Haufen. Und genau in dieses Fahrwasser sind wir geraten, sodass wir uns ausprobieren und austoben konnten.

Wie sehr hat sich diese Ausgangsposition im Privatfernsehen verändert?
Tramitz: Heute zählt nur noch die Quote. Wenn eine Sendung getestet wird und die Quote schlecht ist, ist sie sofort weg vom Fenster. Das war früher gar nicht so wichtig.
Herbig: In der ersten Staffel hatten wir sehr überschaubare Einschaltquoten. Auch die Zuschauerresonanz war ganz anders als heute. Da kam vielleicht hin und wieder mal ein Fax. Um als Zuschauer mit dem Sender in Kontakt zu treten, musste man anrufen, ein Fax oder ein Brief schreiben. Da musste sich jemand schon sehr aufregen, um das zu machen. Heute ist es ein Klick auf Facebook und du wirst vom Hof gejagt. Die Sender haben Respekt davor, wenn die Reaktionen in den sozialen Netzwerken zu massiv werden. Wir hätten in der heutigen Zeit nicht überlebt.

Nicht nur das Fernsehen hat sich in den vergangenen Jahren verändert, sondern ein Stück weit auch der Humor, der angesagt ist. Mussten Sie sich für den neuen Film auch daran anpassen?
Tramitz: Nein, das haben wir nicht gemacht. Wenn man mit so etwas anfängt, wirkt man unglaubwürdig.
Kavanian: Für einen Künstler ist es sehr schwierig, wenn er versucht, den Zeitgeist zu erwischen oder dem Publikum nach dem Mund zu reden. Das ist automatisch der Moment, in dem man seine Kunst verbiegt.
Herbig: Wir haben in dem neuen Film eigentlich wieder das gemacht, was wir in der Show früher schon gemacht haben: Wir haben das, was wir wahrnehmen, parodiert. Deshalb spielen auch aktuelle Einflüsse eine Rolle in dem neuen Film, unter anderem Social Media im Wilden Westen.

Seit dem letzten Film sind Sie ja auch ein wenig gealtert. Halten Sie die anstrengenden Drehtage noch genauso gut durch wie früher?
Tramitz: Da ich mit Abstand der älteste unter uns Dreien bin, wird die Frage vermutlich vor allem an mich adressiert sein. Aber ich komme noch gut klar. Viele meiner Kollegin, die in meinem Alter sind, sagen zwar, dass sie Einiges nicht mehr können, aber ich kann es noch – und ich weiß nicht, warum.
Kavanian: Also ich kann dir sagen, warum: Weil du ein sehr körperbewusster Mensch bist. Der körperliche Ausgleich ist sehr wichtig. Ich merke das ja auch bei mir. Wenn ich etwas für mich mache, dann fallen mir die Drehtage leichter. Ich bin dann ausgeglichener.
Herbig: Auch die Ernährung ist sehr wichtig. Deshalb habe ich auch das Catering am Set mit gesunden Sachen aufgepeppt. Vor 20 Jahren hätte ich das vermutlich noch nicht gemacht.

Können Sie sich vorstellen, auch noch in 10, 20 Jahren in die Rollen von Winnetou, Schrotty oder Kaiser Franz zu schlüpfen?
Tramitz: Das wird wohl sehr eng bei mir (lacht). Es gibt ja biologische Grenzen. Ich finde, es ist immer eine Gefahr, wenn man dasselbe macht wie vor 15 Jahren. Man muss sich entwickeln. Auch die Figuren aus der „bullyparade“ haben wir für den neuen Film etwas gedreht. Winnetou und Old Shatterhand sind zum Beispiel ein wenig melancholischer geworden. Die Figuren sind ein wenig mit uns mitgealtert.
Herbig: Ich kann es und ich möchte es mir auch gar nicht vorstellen. Ich finde, dass dies jetzt ein guter Abgang ist.

Gibt es denn Möglichkeiten für eine Fortsetzung?
Herbig: Stand heute sage ich nein. Aber keine Ahnung, was ich in drei oder vier Jahren darüber denke. Es gebe das ein oder andere Spinoff-Potenzial, worüber ich mich im Moment auch amüsieren könnte. Aber das kann und darf man nicht planen.

Mit „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ haben Sie die zwei erfolgreichsten deutschen Filme produziert. Wird das Treppchen nun komplettiert?
Herbig: Das wäre der Wahnsinn, aber mit dieser Erwartungshaltung sind wir nicht angetreten. Jeder Film fängt bei null an. Ob ein Film erfolgreich wird, hängt von so vielen Faktoren ab: Triffst du einen Nerv, wie ist die Konkurrenz? Mit den Erfolgen der vergangenen Filme haben wir praktisch keine Chance, noch einen draufzusetzen. Selbst wenn wir drei Millionen Zuschauer hätten, würde man sagen, dass sich niemand mehr für die „Bullyparade“ interessiert. Das ist uns vollkommen klar.

Haben Sie Angst, zu scheitern, oder sind Sie mit der Zeit gelassener geworden?
Kavanian: Ich glaube schon, dass es am Anfang ein wenig zwicken würde. Aber der Film gefällt mir. Ich habe ihn mir zu 99 Prozent so gewünscht. Es ist das Bestmögliche, was wir abliefern konnten. Wie das Publikum letztlich entscheidet, darauf haben wir nur bedingt Einfluss.
Tramitz: Jetzt, wo der Premierentermin näher rückt, merke ich schon, wie ich ein Grummeln im Bauch bekomme. Ich registriere schon, wenn es negative Kritiken gibt, und denke mir dann: „Vielleicht war es doch Blödsinn, was wir verzapft haben.“
Herbig: Ich bin im Reinen mit dem Film. Es kann uns keiner vorwerfen, dass wir uns keine Mühe gegeben haben. Da steckt viel Spaß und Arbeit drin. Von mir stecken zwei Lebensjahre drin. Egal, wie es jetzt ausgeht, der Film bewirkt etwas ungemein Befreiendes: Wenn es nicht funktioniert, dann können wir erst recht endlich einen Deckel draufmachen.

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