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Joachim Löw : Die Titelverteidigung fest im Blick

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Löw will 2018 unbedingt zurück auf den WM-Thron. Der Bundestrainer ist mit Blick auf die Weiterentwicklung der DFB-Elf voller Tatendrang

svz.de von
erstellt am 04.Sep.2016 | 21:00 Uhr

In die Seele von Joachim Löw zu blicken, ist nicht leicht. Der Fußball-Bundestrainer steht seit mehr als einem Jahrzehnt im Rampenlicht und bewegt sich dort – abgesehen von seltenen, wohl stressbedingten Aussetzern an der Seitenlinie – ebenso sicher wie elegant. Reporterfragen handelt er meist souverän und routiniert ab. Da hilft es, wenn Überraschendes passiert – wie am Sonnabend im Ullevaal-Stadion. Ob er Schuldgefühle habe, wenn seine Weltmeister verlieren, wurde er gefragt. Nicht von einem Reporter, der eine Trainerdebatte hatte anstoßen wollen, sondern von einem der eigens geladenen Kinder der deutschen Schule in Oslo. Löw lächelte verlegen. Es sei schön, Nationaltrainer zu sein, sagte er, „und manchmal schwer. Wenn man verliert, gibt es Enttäuschungen, und dann sind die Tage nicht so einfach.“

Es war ein letzter Gedanke an den zu Ende gehenden Sommer, der für Löw nach dem EM-Aus im Halbfinale kein leichter war. Erst nach einigen Tagen Bedenkzeit entschloss er sich, seinen bis 2018 laufenden Vertrag zu erfüllen – eine Selbstverständlichkeit war das nicht. Seine „längste Zeit als Bundestrainer“ liege hinter ihm, sagte Löw, der seit 2006 amtiert, zuletzt der „Bild“-Zeitung. Doch das große Ziel, in Russland als erst dritte Nation nach Italien (1934/1938) und Brasilien (1958/1962) den WM-Titel erfolgreich zu verteidigen, reizt ihn einfach zu sehr.

Und nicht nur das. Er habe sich in den Wochen nach der EM „neu inspirieren lassen“, betonte Löw. Er habe die Motivation gefunden, „Dinge, die wir falsch gemacht haben, zu verbessern oder zu verfeinern“. Die Spielidee weiterentwickeln, die Probleme vor dem Tor lösen, den nach der WM 2014 eingeläuteten personellen Wandel moderieren – all das sind Aufgaben, die Löw antreiben. „Ich finde immer Reizpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten, das macht mir nach wie vor Spaß“, sagte er.

Wer Löw zuhörte, musste glauben, dass für ihn 2018 längst nicht Schluss sein muss. Oder? „Das beherrscht meine Gedanken nicht“, sagte der Bundestrainer am Vorabend des ersten WM-Qualifikationsspiels in Norwegen (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet). „Das verbietet sich im Moment, das ist noch zu weit weg. Wir haben wichtige Aufgaben, auf die wir uns voll konzentrieren.“

So hatte er es wenige Minuten zuvor in einer „Regierungserklärung“ auch von seinen Weltmeistern gefordert. Und Löw lebt den Kickern vor, was er verlangt: Mut, vor allem aber Bereitschaft zur Veränderung. Als Bastian Schweinsteiger am Mittwoch nach seinem letzten Länderspiel nach seiner Beziehung zu Löw gefragt wurde, sagte er, es sei für ihn „schön gewesen, zu sehen, wie auch er als Trainer sich weiterentwickelt hat“.

Löw ist vor allem souveräner geworden. Er lässt sich, eine Lehre aus der EM 2012, inzwischen viel mehr auf seine Spieler und deren Ideen ein. Kritik von außen nimmt er sich nicht mehr so zu Herzen wie in der Anfangszeit. Es sei denn, er sieht einen Angriff auf seine Überzeugungen. Wie in dieser Woche. Er finde es „ignorant“, wenn ein Fachblatt über Testspiele wie jenes gegen Finnland (2:0) schreibt, sie „bringen keinen weiter“. Wann, bitte sehr, fragte Löw, solle er dann junge Spieler heranführen? „Das ist für mich ein großes Ziel.“ Schließlich hat der Bundestrainer Joachim Löw noch viel vor.

 

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