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Terry Jones wird 75 : Die Seele von Monty Python

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Terry Jones hielt die exzentrischen Charaktere der Kulttruppe jahrelang zusammen.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2017 | 21:00 Uhr

„Los, komm, Brian. Sonst haben die ihn gesteinigt, bevor wir da sind,“ jammert Brians Mutter mit durchdringender Stimme in der Jesus-Persiflage „Das Leben des Brian“. Mit Bartschatten, buschigen Augenbrauen und kreischender Stimme verkörpert Terry Jones mit Wonne die weiblichen Quälgeister der Monty-Python-Truppe. Trauben von Anhängern sammeln sich vor Brians Haus, um den angeblichen Messias zu sehen, der später fröhlich ans Kreuz genagelt wird. Terry Jones öffnet die Tür: „Er ist nicht der Messias. Er ist nichts weiter als ein unartiger Bengel. Und jetzt verpisst euch!“ Jahrzehntelang lernen Schüler Englisch mit dem Kultfilm, der den Starrsinn politischer und religiöser Gruppen verspottet.

In den 70er Jahren stellen die Pythons mit ihrem anarchistischen Humor die Comedy-Welt auf den Kopf, danach gehen sie meist eigene Wege. 2014 stehen sie zum letzten Mal zusammen auf der Bühne, allerdings ohne den inzwischen verstorbenen Graham Chapman. Ende September des vergangenen Jahres wird bekannt, dass Terry Jones an einer Form von Demenz leidet, die zu fortschreitenden Sprachstörungen führt. Heute wird er 75.

An der Universität in Oxford lernt Jones in den 60ern den anderen „netten“ Python – Michael Palin – kennen, während sich das konkurrierende und provokativere Autorenteam Eric Idle, Graham Chapman und John Cleese in Cambridge zusammenfindet; der Amerikaner Terry Gilliam stößt 1969 dazu. Im selben Jahr schaffen sie den Durchbruch mit ihrer Nonsense-BBC-Serie „Monty Python's Flying Circus“. Der Sender findet die Serie „fürchterlich geschmacklos“. Dem Internetportal „Wales Online“ sagte Jones später: „Nach jeder Folge von Monty Python's Flying Circus kauten wir an unseren Nägeln in der Hoffnung, dass es jemand witzig finden würde.“ Noch während der zweiten Serie habe John Cleeses Mutter ihm Anzeigen für Jobs als Supermarkt-Manager geschickt.

Terry Jones führt Regie bei dem Kassenhit „Das Leben des Brian“ und bei „Der Sinn des Lebens“, für den er 1983 den Großen Preis der Jury des Cannes Film Festival erhält, sowie zusammen mit Terry Gilliam bei „Die Ritter der Kokosnuss“. Später schreibt der Mittelalter-Experte rund 25 Werke, von Kinderbüchern bis zu historischen Abhandlungen, führt durch mehrere BBC-Serien, schreibt Drehbücher und führt Regie in Filmen wie „Erik der Wikinger“.

Mit 64 diagnostizieren die Ärzte Darmkrebs. Chemotherapie und Operation sind erfolgreich. Die Regenbogenpresse bleibt ihm treu, weil der nächste Skandal nicht lange auf sich warten lässt: Bei einer Signierstunde verliebt sich Jones in die 41 Jahre jüngere schwedische Studentin Anna Söderström. Sie heiraten heimlich 2012, nachdem sich Jones von seiner ersten Frau, einer ehemaligen erfolgreichen Biochemikerin, nach 42 Jahren Ehe getrennt hat. Er hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und eine siebenjährige Tochter, Siri, mit seiner zweiten Frau.

Anfang Oktober erhält er Ovationen, als ihn die britische Filmakademie in Wales mit dem Bafta Cymru-Preis auszeichnet. Jones kann nicht mehr sprechen; sein Sohn dankt in kurzen bewegten Worten, den Tränen nah. Michael Palin überreicht die Trophäe und schreibt auf Facebook: „Es war sehr schmerzhaft, den Fortschritt seiner Demenz zu beobachten.“ Dass er gerade an dieser Form leide, die Jones langsam der Sprache beraube, sei „die grausamste Sache, die jemand treffen kann, für den einst Worte, Ideen, Argumente, Witze und Geschichten der Stoff des Lebens waren“.

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