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Joe Cocker : Die „Röhre“ wird 70

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Reibeisen-Stimme mit den zuckenden Armen

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2014 | 09:42 Uhr

Joe Cocker ist eigentlich kein sonderlich attraktiver Mann. Mit seinem schütteren Haar und dem Bauchansatz wirkt er auf der Bühne eher dröge - bis der erste Klang der Musik ertönt.

„Immer wenn ich die Anfangsakkorde höre, dann ist es, als tauchte ich in eine andere Welt ein“, sagte Cocker einmal. Seine einzigartigen Armbewegungen und die unverwechselbar rauchige Stimme haben den Wahl-Amerikaner britischer Herkunft zur „Röhre“, zur Rock- und Blueslegende werden lassen - und zu einem der wohl letzten Vertreter des Genres, das Kritiker gern als „ehrlichen Rock“ bezeichnen. Am 20. Mai feiert der Woodstock-Veteran seinen 70. Geburtstag. Die Show-Karriere begann schon früh für Cocker. Im Alter von 15 Jahren trat er mit seiner Band „Vance Arnold and the Avengers“ in seiner Heimatstadt Sheffield auf. Zunächst führte Cocker ein Doppelleben: Tagsüber arbeitete er als Gasinstallateur während er nachts mit seiner Band in den Kneipen Sheffields spielte. 1963 feierte seine Band ihren ersten Erfolg - sie durfte als Vorgruppe ein Konzert der Rolling Stones eröffnen.

Eine Coverversion der Beatles brachte Cocker 1968 den großen Durchbruch. „With A Little Help From My Friends“ landete in Großbritannien auf Platz eins der Charts, in Deutschland auf Rang drei. Beim Woodstock-Festival im Jahr darauf war Cocker die Hauptattraktion. Er sang den Hit live mit einem einzigartigen Luftgitarrenspiel. Spätestens dann wurde die zuckende Armgestik sein Markenzeichen.

 

In einem Interview der britischen Zeitung „Daily Mail“ erinnert sich Cocker an den Beginn seiner Karriere: „Die ersten Jahre waren toll. Ich wusste nie, was der nächste Tag bringen würde. 1972 ging es dann bergab.“

Die 70er Jahre waren für Cocker von Drogen- und Alkoholexzessen gezeichnet. Erst als er 1978 seine künftige Frau Pam Baker kennen gelernte, änderte sich sein Leben. „Pam hat mir geholfen, wieder auf die Beine zu kommen“. „Sie machte mir klar, dass die Leute mich immer noch singen hören wollten.“ Mit seinem Comeback in den 80ern landet Cocker Hits wie „When The Night Comes“, „N'oubliez jamais“ und das Duett „Up Where We Belong“ mit Jennifer Warnes, für das er 1983 einen Grammy Award bekam.

Die Alben „Hard Knocks“ und „Fire It Up“, die Cocker 2010 und 2012 veröffentlichte, landeten in Deutschland an der Spitze der Albumcharts. In der NDR Talkshow sagte Cocker 2010: „Es wird im Alter etwas schwieriger. Aber ich kann nicht jeden Song leben. Wenn ich das tun würde, bekäme ich einen Nervenzusammenbruch.“ Heute lebt Cocker mit seiner Frau auf einer abgeschotteten Ranch im US-Bundesstaat Colorado.

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