Geburtstag Annekathrin Bürger : Die Ost-Traumfrau

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Sie gehörte zu den populärsten Schauspielerinnen der DDR. Heute feiert   Annekathrin Bürger ihren 80. Geburtstag – und fühlt sich wie 50.

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03. April 2017, 08:00 Uhr

Sie war die Traumfrau des Ostens. Mit ihrer französischen Schauspielerkollegin Brigitte Bardot wurde sie verglichen. „Das war schon irgendwie schmeichelhaft“, sagt Annekathrin Bürger. „Ich fand Brigitte Bardot sehr schön, aber ich war anders. Mein Vorbild war eher eine Schauspielerin wie Simone Signoret.“ Heute feiert Annekathrin Bürger ihren 80. Geburtstag. „Ich fühle mich wie 50 und sehe wie 70 aus“, sagt sie und lacht. „Ich bin nun mal kein Großmutter-Typ.“

In der DDR wurde Bürger mit Filmen wie „Eine Berliner Romanze“, „Wolf unter Wölfen“, „Königskinder“ und „Hostess“ berühmt. Nach der Wende begeisterte sie das Publikum unter anderem als Freundin Frederike des Leipziger „Tatort“-Kommissars Ehrlicher (Peter Sodann). Von Beginn ihrer Karriere an spielte Bürger auch Theater - davon allein mehr als 40 Jahre an der Berliner Volksbühne.

Jetzt mit 80 denkt die quirlige Schauspielerin noch lange nicht ans Aufhören. „Das ist ja langweilig! Wie schrecklich!“. Bürger nimmt immer noch gerne Rollen für Kino- und TV-Produktionen an. Sie schreibt Gedichte und tourt mit der musikalischen Lesung „Weisheiten der Liebe“ und ihrem Lyrik- und Chansonprogramm „Liebe ist das schönste Gift“ durchs Land.

Schon mit 18 Jahren kommt für Bürger der frühe Ruhm durch die Hauptrolle in dem Defa-Spielfilm „Eine Berliner Romanze“. Mit diesem Film und kurz darauf mit der Liebesgeschichte „Verwirrung der Liebe“ erlangt Bürger eine ungeheure Popularität im Osten Deutschlands. In der TV-Verfilmung „Wolf unter Wölfen“ nach dem Roman von Hans Fallada beeindruckt sie dann als Petra Ledig.

Der schnelle Erfolg hatte für das Schauspieltalent auch Schattenseiten. „Ich glaube, ich habe damals meine Mitte ein bisschen verloren. Der Erfolg hat mich etwas verunsichert“, erinnert sich Bürger. „Ich brauchte dann etwas Zeit. Ich wechselte vom ersten Engagement am berühmten Deutschen Theater in Berlin nach Senftenberg, um mich freizuspielen.“ Bürgers Markenzeichen: Eine Mischung aus Natürlichkeit und Naivität, Selbstironie und Herzensgüte, Bodenständigkeit und Glamour. Bis zu dessen Unfalltod im Jahr 2000 ist Annekathrin Bürger mit dem Schauspieler und Regisseur Rolf Römer verheiratet. Beide sind auch politisch engagiert. 1976 treten Bürger und ihr Mann gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR auf. Ein Jahr später erwirkt das Paar sogar einen Termin bei Erich Honecker und protestiert im persönlichen Gespräch gegen die Unterdrückung von Kollegen. Das geht im Land von Mund zu Mund, das Publikum liebt sie nun umso mehr. Im Herbst 1989 tritt Bürger bei der großen Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz wenige Tage vor dem Mauerfall auf.

Dann kommt die Wende. „Das war natürlich am Anfang ein tiefes Loch – wenn man dann die erste Zwei-Minuten-Rolle angeboten bekommt“, erinnert sich Bürger. „Man wurde dann oft in kleinen Rollen besetzt, aber ein großes Glück war für mich dann der ,Tatort’ im MDR.“ Viele Rollen in Fernseh- und Kinofilmen folgen – zuletzt unter anderem als frustrierte Altenheim-Bewohnerin in „Sein letztes Rennen“ mit Dieter Hallervorden.

In den TV-Produktionen „Mord mit Aussicht“ und „Notruf Hafenkante“ ist Bürger ebenso zu sehen wie im Kinofilm „Eines Tages...“. In ihrem neuesten Film „Die Anfängerin“ von Alexandra Sell spielt Bürger die dominante Mutter einer Ärztin, die sich ihren Traum vom Eislaufen erfüllen will. Ihren Geburtstag feiert die Schauspielerin mit ihrer Familie. „Wir gehen essen und stoßen nachts um Zwölf an. Dann können wir alle ins Bett gehen....“ Die große Party soll dann bei besserem Wetter im Juni mit allen Freunden und Kollegen im Garten ihres Berliner Hauses steigen.

Elke Vogel

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