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Mit Raubtieren leben : Die mit dem Wolf heult

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tatjana Schneider hat eine ganz besondere Familie: Seit zwei Jahrzehnten lebt die Tierpflegerin eng mit Raubtieren zusammen

Sie setzt sich auf die Erde, streckt das Kinn in die Höhe und heult: „Auuuuuu...“ Eindringlich und laut. Dreimal wiederholt sie ihr Rufen, dann hebt der erste Wolf seinen Kopf und stimmt mit ein. Dann antwortet der zweite, dann der dritte: Tatjana Schneider heult mit den weißen Polarwölfen im Chor. „Das gemeinsame Heulen drückt aus, dass wir zusammengehören“, sagt die 46-jährige Tierpflegerin im Wolfspark Werner Freund im saarländischen Merzig.

Extra gelernt habe sie das Heulen nicht. „Es hat einfach direkt hingehauen.“ Seit gut 20 Jahren ist Schneider bei den Wölfen zu Hause. „Ich habe sie alle mit großgezogen.“ Sie ist ein bisschen wie eine „Obermama“ – und wird auch so in den Gehegen begrüßt. Ob bei den schwarzen Timberwölfen, den weißen Polarwölfen oder den graubraunen europäischen Wölfen – die Tiere springen mit lautem Freudengeheul an ihr hoch, lecken ihr Gesicht. Einige lassen sich sogar am Bauch kraulen. Schneider ist aber eine der wenigen, die den 24 Wölfen so nahe kommen darf. „Man darf nicht vergessen: Es sind Raubtiere.“ Schneider hatte nach dem Tod des Parkgründers Werner Freund Anfang Februar 2014 die Leitung des zwölf Hektar großen Areals übernommen.

So war es von dem Tierforscher geplant gewesen, der seit 1993 mit ihr zusammengearbeitet hatte. Freund, ein gebürtiger Hesse, war mit Beobachtungen über sein Zusammenleben mit den Wölfen seit 1977 rund um den Globus bekanntgeworden. „Wir führen die Arbeit in seinem Sinne fort“, sagt Tatjana Schneider.


Ein Schläfchen im Wolfsgehege


A und O sei weiter ein intensives Leben mit den Wölfen, um deren natürliches Verhalten im Rudel beobachten zu können. „Das ist ein bundesweit einmaliges Konzept“, sagt Schneider. Auch sei die große Vielfalt der Wolfsarten in Merzig einzigartig – möglicherweise kämen demnächst noch indische Wölfe dazu. Die Tiere leben in sieben Gehegen, jedes Rudel hat sein Leitpaar. „Wir Zweibeiner haben keine Leitfunktion, wir sind nur willkommene Mitglieder.“ Zwischen 130 000 und 150 000 Besucher hat der Park im vergangenen Jahr angelockt.

Im Sommer legt sich Schneider auch mal für ein Schläfchen zu den Wölfen. „Ich bin sieben Tage die Woche hier.“ Ob sie keine Angst hat? „Nein, mir ist noch nie was passiert“, sagt die Tierpflegerin, die bei der Stadt Merzig angestellt ist. Höchstens mal ein Kratzer. „Der war aber liebevoll gemeint.“ Es gebe aber eine wichtige Regel: „Man darf sich nicht in deren Hierarchie einmischen“, sagt sie. Heißt: Bei Kämpfen nicht dazwischengehen. Oder sich nicht von einem rangniedrigen Tier im Rudel zuerst begrüßen lassen. „Das wäre im Auge des ranghöheren Wolfs ein Fehler.“ Ihre Beobachtungen schreibt sie auf – ein Buch mit Illustrationen sei in Arbeit.

Über die Rückkehr der Wölfe in deutsche Wälder meint die Wolfsexpertin: „Ich glaube nicht, dass Menschen Angst davor haben müssen, dass sie dort von einem Wolf angefallen werden.“ Ein Wolf rieche den Menschen bereits aus 500 bis 1000 Metern Entfernung – und halte sich fern. „Wir stehen gar nicht auf deren Speiseplan. Sie mögen lieber ein Reh. Das schmeckt ihnen besser und hat mehr Vitamine und Mineralien.“

 

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