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Heiiligsprechung in Rom : Die Heilige Mutter Teresa

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20 Jahre nach ihrem Tod wird die Nonne von Papst Franziskus heiliggesprochen

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Rom Am Petersplatz findet am morgigen Sonntag eines der wohl größten Ereignisse in der bisherigen Amtszeit von Papst Franziskus statt: Mutter Teresa wird heiliggesprochen.

Die Heiligsprechung liegt ganz auf einer Linie mit dem Heiligen Jahr, das Papst Franziskus für dieses Jahr ausgerufen hatte. Das Thema: Barmherzigkeit. Denn Mutter Teresa steht wie kaum jemand anderes für das Engagement für die Armen. „Sie ist die perfekte Heilige für das Jahr der Barmherzigkeit“, sagte Pater Brian Kolodiejchuk, der die Heiligsprechung mit vorangetrieben hat. Die Tatsache, dass Mutter Teresa Zeit ihres Lebens an Gott gezweifelt hätte, mache sie umso aktueller.„In der Moderne kann man nicht mehr an den Gott des Mittelalters glauben, den mit dem Bart“, sagte Vatikan-Experte Marco Politi. Jemand, der an Gott zweifelt, kann also durchaus heilig sein.

Die Nonne wurde 1910 im heutigen Mazedonien geboren und wuchs unter dem Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu in einer albanischen Familie auf. Zeit ihres Lebens hat sie sich mit ihrem Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ im indischen Kolkata (Kalkutta) um die Armen und Sterbenden gekümmert. Dafür bekam sie 1979 den Friedensnobelpreis und wurde zu einer Ikone der Nächstenliebe. „Ihr Lächeln war ihr Geschenk an Jesus und die Welt“, sagte die Generaloberin des Ordens Mary Prema Pierick.

So schnell wie Mutter Teresa wurden bisher wenige heilig gesprochen, in modernen Zeiten war es nur Papst Johannes Paul II. Nachdem in der katholischen Kirche zwei „Wunder“ für eine Heiligsprechung nötig sind, fand sich 2015 dann die zweite wundersame Tat, für die Mutter Teresa verantwortlich sein soll: Ein Brasilianer wurde ohne wissenschaftliche Erklärung von einer Erkrankung des Gehirns geheilt, nachdem er die Nonne um Hilfe gebeten haben soll. Papst Franziskus erkannte dies 2015 als Wunder an, der Weg für die Heiligsprechung war frei. Dass ihr erstes „Wunder“, die Heilung einer Frau in Indien von Krebs, umstritten ist, hielt das nicht auf.

Auch ihre Einstellung zur Abtreibung, die sie den „größten Friedenszerstörer der Welt“ nannte, und ihr Feldzug gegen Verhütung brachte Kritiker gegen sie auf. Der britisch-pakistanische Autor und Filmemacher Tariq Ali nannte die Heiligsprechung „lächerlich“ und „dumm“. 1994 hatte er zusammen mit seinem 2001 verstorbenen Kollegen Christopher Hitchens die Dokumentation „Hell's Angel“ („Höllenengel“) gedreht und darin Missstände in Mutter Teresas Heimen angeprangert sowie ihre Freundschaft zu Diktatoren wie dem früheren haitianischen Machthaber „Baby Doc“ Jean-Claude Duvalier.

Am stärksten verehrt wird Mutter Teresa wohl immer noch in Indien und vor allem in Kolkata, wo sie 1950 ihren Orden gegründet hatte. Anlass dafür war, wie sie selbst erzählte, eine „göttliche Eingebung“ während einer Zugfahrt im Jahr 1946. Auf ihrer jährlichen Fahrt in die nordindische Stadt Darjeeling habe sie den Ruf Gottes gehört, sich fortan um die Armen zu kümmern und die Liebe Jesu zu verbreiten. Auch heute, fast 20 Jahre nach ihrem Tod, hat ihr Orden rund 4500 Mitglieder und ist in 133 Ländern vertreten.

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